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Freitag, 21.07.2017

Arbeitsplatz auf dem Wasser

Isolde Martin ist seit dieser Saison Decksfrau auf den beiden Fahrgastschiffen im Lausitzer Seenland. Irgendwann will sie selbst hinters Steuerrad.

Von Anja Wallner

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Isolde Martin ist nicht nur für den Service der Gäste auf den 78 Innen- und 32 Außensitzplätzen des Solarkatamarans „Aqua Phönix“ zuständig. Alle an Bord anfallenden Arbeiten gehören zum Aufgabenbereich der Decksfrau. Das Schiff zu steuern, natürlich nicht. Das soll sich ändern: Die 41-Jährige möchte in ein paar Jahren Schiffsführerin sein.Foto: Gernot Menzel
Isolde Martin ist nicht nur für den Service der Gäste auf den 78 Innen- und 32 Außensitzplätzen des Solarkatamarans „Aqua Phönix“ zuständig. Alle an Bord anfallenden Arbeiten gehören zum Aufgabenbereich der Decksfrau. Das Schiff zu steuern, natürlich nicht. Das soll sich ändern: Die 41-Jährige möchte in ein paar Jahren Schiffsführerin sein. Foto: Gernot Menzel

© hy-photo gernot menzel

  • Isolde Martin ist nicht nur für den Service der Gäste auf den 78 Innen- und 32 Außensitzplätzen des Solarkatamarans „Aqua Phönix“ zuständig. Alle an Bord anfallenden Arbeiten gehören zum Aufgabenbereich der Decksfrau. Das Schiff zu steuern, natürlich nicht. Das soll sich ändern: Die 41-Jährige möchte in ein paar Jahren Schiffsführerin sein.Foto: Gernot Menzel
    Isolde Martin ist nicht nur für den Service der Gäste auf den 78 Innen- und 32 Außensitzplätzen des Solarkatamarans „Aqua Phönix“ zuständig. Alle an Bord anfallenden Arbeiten gehören zum Aufgabenbereich der Decksfrau. Das Schiff zu steuern, natürlich nicht. Das soll sich ändern: Die 41-Jährige möchte in ein paar Jahren Schiffsführerin sein. Foto: Gernot Menzel
  • Krabatmühle SchwarzkollmDer Erlebnishof mit dem hier abgebildeten Nachbau der Schwarzen Mühle im Herzen besteht aus fünf weiteren liebevoll hergerichteten Gebäuden. Ein Ort zur Einkehr, zur Erkundung der Krabatsage und der sorbischen Kultur. Foto: U. Schulz

    Krabatmühle Schwarzkollm

    Der Erlebnishof mit dem hier abgebildeten Nachbau der Schwarzen Mühle im Herzen besteht aus fünf weiteren liebevoll hergerichteten Gebäuden. Ein Ort zur Einkehr, zur Erkundung der Krabatsage und der sorbischen Kultur. Foto: U. Schulz
  • Besucherbergwerk F60Die ehemalige Abraumförderbrücke F60 ist heute ein Besucherbergwerk in Lichterfeld am Bergheider See. Auf Führungen kann man sie erkunden, bis in 80 Meter Höhe hinaufklettern oder sich abseilen. Bademöglichkeit im See.Foto: A. Wallner

    Besucherbergwerk F 60

    Die ehemalige Abraumförderbrücke F 60 ist heute ein Besucherbergwerk in Lichterfeld am Bergheider See. Auf Führungen kann man sie erkunden, bis in 80 Meter Höhe hinaufklettern oder sich abseilen. Bademöglichkeit im See.Foto: A. Wallner
  • Jakubzburg MortkaDie erst vor wenigen Jahren errichtete mittelalterliche Burg kann sonntags bei Führungen erkundet werden. Sie ist ein Ort für Feiern, bietet Übernachtungsmöglichkeiten und ist Schauplatz von Kulturveranstaltungen.Foto: U. Schulz

    Jakubzburg Mortka

    Die erst vor wenigen Jahren errichtete mittelalterliche Burg kann sonntags bei Führungen erkundet werden. Sie ist ein Ort für Feiern, bietet Übernachtungsmöglichkeiten und ist Schauplatz von Kulturveranstaltungen.Foto: U. Schulz

Gemächlich schaukelt der Solarkatamaran „Aqua Phönix“ über den Geierswalder See im Lausitzer Seenland. Gerade hat er am Badestrand abgelegt, ist auf rund eineinhalbstündiger Rücktour hinüber ins Brandenburgische, auf den Senftenberger See, zum Senftenberger Hafen. Isolde Martin geht zu den Tischen im lichtdurchfluteten Fahrgastschiff, zückt Zettel und Stift. „Was darf es sein?“ Bier wird geordert, Kaffee, Wein, Bockwurst. Die Gäste an Bord sind in Urlaubslaune, lassen es sich gutgehen. Isolde Martin ist heute eine von zwei sogenannten Decksfrauen auf der „Phönix“. Das Schiff der Reederei Marianne Löwa ist seit dem vergangenen Jahr im Linienverkehr unterwegs, vom Senftenberger zum Geierswalder See und zurück.

Decksfrau, das heißt, Isolde Martin führt neben dem Gästeservice alle möglichen anfallenden Arbeiten auf dem Schiff aus. Nicht nur auf dem Solarkatamaran, sondern im Wechsel auch auf der „Santa Barbara“. Das Fahrgastschiff ist eine echte Institution, dreht schon seit vielen, vielen Jahren seine Runden auf dem Senftenberger See.

Neues Zuhause auf dem Dorf

Dass Isolde Martin mal auf einem Schiff arbeiten würde, hätte die gelernte Restaurantfachfrau nicht gedacht. Es ist ihre erste Saison im Lausitzer Seenland. Erst voriges Jahr ist die 41-Jährige, die aus Dresden stammt, ins brandenburgische Hosena gezogen, einen kleinen Ort unweit von Senftenberg. Das Dorf ist ihr wohlbekannt, seit Jahren hat sie dort einen Garten gemeinsam mit einem Freund. Nun ist das Seenland ihr Zuhause. „Es ist angenehm, hier zu wohnen. Ruhig, viel Wasser drumherum.“ Und für ihre kleine Tochter sei es besser, auf dem Land aufzuwachsen. Als ihr das Stellenangebot der Reederei Löwa ins Haus flatterte, bewarb sie sich. „Wir hatten gleich einen guten Draht“, erzählt Isolde Martin. Die schlanke Frau in den engen Jeans, mit tätowiertem Unterarm, frechem Kurzhaarschnitt und breitem Lederarmband könnte man sich auch gut auf einem Motorrad vorstellen. Sie schmunzelt. Motorrad gefahren ist sie früher tatsächlich häufiger mal.

Aber nun, Konzentration. Die „Aqua Phönix“ hat auf dem Geierswalder See die schwimmenden Häuser und den Hafen mit dem weithin sichtbaren Leuchtturmkomplex hinter sich gelassen. Es geht hinein in den rund einen Kilometer langen Koschener Kanal, der den Senftenberger mit dem Geierswalder See verbindet. Ein richtiges Mini-Wasserstraßen-Kreuz ist das, mit Schleuse und zwei Tunneln, denn der Kanal unterquert die Schwarze Elster und die Bundesstraße 96. Aufgabe der Decksfrau ist es, die Schleuse mit einem blauen Hebel zu aktivieren. Die Mechanik ist so eingestellt, dass sich das richtige Tor öffnet beziehungsweise schließt. Es geht abwärts.

Nach rund zehn Minuten ist die Schleusung beendet, und Isolde Martin bei den Tunneldurchfahrten gefragt. Sie steht draußen auf den Planken, gibt dem Schiffsführer Zahlen durch: „30, 40, hinten 50… und raus!“ Es sind die geschätzten Abstände zwischen Schiff und Kanalwand. „Wir wollen ja nicht anstoßen.“ Die „Phönix“ hat den Senftenberger See erreicht. Linkerhand liegt Großkoschen mit dem imposanten Amphitheater und dem Heimathafen der Löwa’schen Flotte. Jetzt zur Hauptsaison werden täglich alle Touren gefahren.

Auf der „Santa Barbara“ arbeite sie aber lieber, sagt Isolde Martin. Sie mag die Atmosphäre, das Rustikale und Schnörkellose auf dem Senftenberger „Urgestein“. Dennoch: Ihr neuer Job macht ihr unheimlich viel Spaß. „Man ist draußen, auf dem Wasser, das ich sehr mag. Wir sind ein gutes Team, die Arbeit ist abwechslungsreich und man lernt jeden Tag andere Menschen kennen“, zählt sie auf. Im Winter, außerhalb der Fahrgastschiff-Saison, wird sie in einem Restaurant arbeiten.

Die Gäste auf der „Phönix“ haben natürlich Fragen zum Katamaran und zum Seenland, Isolde Martin und ihre Kollegin beantworten sie gern. „Wie viele Boote passen in die Schleuse?“, „Wie lang ist der Kanal?“, „Wo kann man in der Gegend einkehren?“… Ein Mitfahrer aus dem Schwäbischen kauft bei den Decksfrauen auf der „Phönix“ erhältliche Souvenirs – zwei Fläschen regionalen Schoko-Eierlikör. „Als Mitbringsel“, erklärt er.

Jede gefahrene Strecke, jeden absolvierten Kilometer auf dem Schiff lässt Isolde Martin in ihrem Schifferdienstbuch dokumentieren. Qualifikation und Tauglichkeit der Besatzungsmitglieder werden so erfasst. Für Isolde Martin ist das ganz besonders wichtig. Denn ihr Ziel steht fest: „Ich möchte Schiffsführerin werden!“ Über die Zwischenschritte Leichtmatrose, also „Seemann im letzten Lehrjahr“, und Matrose könnte es vielleicht in sechs Jahren so weit sein, schätzt Isolde Martin, deren bunt lackierte Fingernägel auch ein paar Ankermotive zieren. Die Lehrzeit auf dem Schiff liegt nun vor ihr. Am Ende steht eine Prüfung, für die es natürlich auch eine Menge Theorie zu pauken gilt.

Der Senftenberger Stadthafen, das Ziel, rückt in Sichtweite. Auch die „Santa Barbara“ nähert sich dem Schiffsanleger. Sie bekommt den Vortritt, hat einen strafferen Zeitplan einzuhalten. Wenige Minuten später hüpfen Isolde Martin und ihre Kollegin auf den Steg, wickeln dicke Taue um die Poller. Zack, angelegt. Isolde Martin verabschiedet sich von den Gästen.

Die nächsten Mitfahrer wird sie in wenigen Minuten auf der „Aqua Phönix“ begrüßen. Es geht an diesem Tag noch einmal auf Tour zum Geierswalder Badestrand und zurück.

Und wer weiß? In wenigen Jahren steuert Isolde Martin den Katamaran vielleicht selbst über den Senftenberger See…