Mittwoch, 02.01.2013

Arbeitsmarkt schwächelt auf hohem Niveau

Krise sieht anders aus - trotzdem lassen viele Unternehmen ihre Expansionspläne erst einmal in der Schublade und warten den weiteren Konjunkturverlauf ab. Das zeigt sich auch auf dem Arbeitsmarkt.

Ein Arbeiter führt in Berlin bei der Zerlegung und Demontage einer U-Bahn-Brücke Schweißarbeiten durch (Symbolfoto).
Ein Arbeiter führt in Berlin bei der Zerlegung und Demontage einer U-Bahn-Brücke Schweißarbeiten durch (Symbolfoto).

©dapd

Nürnberg. Die wachsenden Konjunktursorgen bekommt auch der Arbeitsmarkt immer deutlicher zu spüren. So ging die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften im Dezember 2012 weiter zurück und rutschte auf den niedrigsten Stand seit fast zwei Jahren, wie aus den am Mittwoch veröffentlichten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) zur aktuellen Stellensituation hervorgeht.

Der monatlich ermittelte Stellenindex BA-X sackte demnach im Dezember 2012 um einen Punkt auf 157 Punkte ab. Im Vergleich zu seinem Allzeithoch im Dezember 2011 büßte der Indikator 23 Punkte ein. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) an diesem Donnerstag (3. Januar) bekanntgeben.

„Angesichts eingetrübter Konjunkturerwartungen zeigen sich die Unternehmen insgesamt vorsichtiger, was Neueinstellungen angeht“, kommentierte die Bundesagentur die Zahlen. Im langjährigen Vergleich liege die Kräftenachfrage aber immer noch auf einem hohen Niveau, betonte die Nürnberger Behörde.

Trotzdem liege inzwischen die Nachfrage nach Arbeitskräften in zahlreichen Branchen unter dem Vorjahresniveau. Offene Stellen meldeten dagegen weiterhin Zeitarbeitsunternehmen und der Groß- und Einzelhandel. Auch im Gesundheits- und Sozialwesen, im öffentlichen Dienst und in der Gastronomie würden noch Mitarbeiter gesucht.

Verhalten optimistisch beurteilen Volkswirte deutscher Großbanken die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt. Nach ihren Berechnungen waren im Dezember 2,841 Millionen Männer und Frauen arbeitslos; das wären rund 90.000 mehr als im November. Die Zunahme würde damit deutlich höher liegen als im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre. Im Vorjahr hatte die Arbeitslosigkeit zum Jahresende noch um rund 60.000 niedriger gelegen.

Selbst nach Abzug jahreszeitlicher Effekte waren den Experten zufolge im Dezember 15.000 mehr Männer und Frauen ohne Arbeit als im November. „In den Zahlen spiegelt sich wider, dass die Unternehmen im Moment mit der Einstellung neuer Mitarbeiter erst einmal abwarten“, meint etwa Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld. Ebenso wie Deutsche Bank-Volkswirt Heiko Peters rechnen die meisten seiner Kollegen mit einem schwachen Winterhalbjahr.

Für Allianz-Volkswirt Rolf Schneider hat auch der früh einsetzende Winter im Dezember den Arbeitsmarkt belastet. Die meisten Experten halten den deutschen Arbeitsmarkt aber dennoch für robust. Nach Beobachtung von Steffen Henzel vom Münchner Ifo-Institut zögerten viele Unternehmer noch mit einem Arbeitsplatzabbau und versuchten stattdessen, Auftragslücken mit dem Abbau von Überstunden und Arbeitszeitkonten abzufedern. (dpa)

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