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Donnerstag, 03.01.2013

Arbeitslosigkeit auch 2013 auf Rekordtief

Schon sorgen sich die ersten um die Eintrübung des deutschen Arbeitsmarktes - dabei würden sich andere Länder im Euro-Raum deutsche Verhältnisse wünschen. Denn hier wird die Arbeitslosigkeit wohl auch 2013 auf einem Rekordtief verharren.

© dpa

Nürnberg/Stuttgart. Deutschland hat so wenige Arbeitslose wie seit über 20 Jahren nicht mehr - ein weiterer Rückgang ist 2013 aber nicht zu erwarten. Im vergangenen Jahr sank die Zahl der Erwerbslosen im Schnitt um 79.000 auf knapp 2,9 Millionen. Allerdings habe sich inzwischen die Dynamik verlangsamt, sagte der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, am Donnerstag in Nürnberg. Die Spuren der Konjunktureintrübung waren nach Weises Einschätzung bereits im Dezember sichtbar. Denn zum Jahresende 2012 lag die Zahl der Arbeitslosen mit 2,84 Millionen um 88.000 höher als im November und um 60.000 höher als vor einem Jahr.

Ungleich schwieriger bleibt die Lage dagegen in einigen Ländern der Eurozone. Vor allem in Griechenland, Spanien und Portugal muss 2013 einer Studie zufolge mit weiter steigenden Arbeitslosenzahlen gerechnet werden.

Auf dem deutschen Arbeitsmarkt erwartet Weise für das Jahr 2013 weder einen spürbaren Rückgang der Arbeitslosigkeit noch eine Trendwende zum Schlechteren. „Wir gehen auf der Basis der vorliegenden Grunddaten vielmehr davon aus, dass wir die Lage stabil halten können“, sagte Weise. Auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) rechnet trotz der abflauenden Konjunktur im neuen Jahr mit keinem gravierenden Anstieg der Arbeitslosigkeit. „Die Chancen stehen gut, dass der Arbeitsmarkt weiter robust reagiert“, sagte sie in Berlin.

Mit der Entwicklung im Jahr 2012 zeigte sich BA-Chef Weise zufrieden: „Der Arbeitsmarkt musste sich in einem schwierigen Umfeld bewähren. Er hat auf diese Herausforderungen robust reagiert“, stellte Weise fest. Das Jahr 2012 sei dabei von sehr unterschiedlichen Entwicklungen geprägt gewesen: „Im ersten Halbjahr ist es unerwartet gut gelaufen. Im zweiten Halbjahr unerwartet schlecht.“

Mit 2,897 Millionen hatte die Zahl der Erwerbslosen 2012 im Jahresschnitt das niedrige Niveau des Boomjahrs 2011 um 79.000 unterschritten. Die Arbeitslosenquote sank um 0,3 Punkte auf 6,8 Prozent. Im Dezember 2012 war die Arbeitslosenquote mit 2,84 Millionen Erwerbslosen um 0,2 Punkte auf 6,7 Prozent gestiegen - ein erster Hinweis auf eine leichte Eintrübung am Arbeitsmarkt.

Keine Wende für Arbeitsmarkt

BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker sieht dennoch „keine Hinweise auf eine krisenhafte Entwicklung“ - und beruft sich dabei auf die jüngsten Kurzarbeiterzahlen. Danach waren im Oktober knapp 72.000 Beschäftigte in knapp 4.000 Betrieben in Kurzarbeit. Das seien etwa so viele im Vorjahr. „Das zeigt uns: die Unternehmen haben verstärkten Beratungsbedarf, das ist aber noch kein Warnzeichen“, fügte er hinzu. Eine Option auf Kurzarbeit haben sich laut BA-Zahlen im November knapp 85.000 Unternehmen gesichert.

Auch nach Ansicht von BA-Chef-Weise steht der deutsche Arbeitsmarkt trotz der Abkühlungstendenzen nicht vor einer Wende: Dagegen spreche schon die weiterhin steigende Zahl der Arbeitsplätze: So habe das Statistische Bundesamt zuletzt im November 2012 mit 41,94 Millionen rund 245 000 mehr Erwerbstätige gezählt als im Jahr davor. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten nahm im Oktober 2012 binnen Jahresfrist sogar um 406.000 auf 29,44 Millionen zu, gab Weise zu bedenken.

Unterdessen droht sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den Ländern der Euro-Zone nach Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zu verschärfen. In der zweiten Jahreshälfte 2013 werde die Zahl der Arbeitslosen mit fast 20 Millionen Menschen ihren Höhepunkt erreichen, heißt es in der am Donnerstag in Stuttgart veröffentlichten Untersuchung. Im Jahr 2010 seien in den Ländern des Euro-Raums 15,9 Millionen Menschen ohne Stelle gewesen.

Besonders schwarz sehen die Experten für Griechenland. Dort werde die Wirtschaft um 4,3 Prozent zurückgehen, lautete die Prognose. Erst ab 2015 wird mit einer Kehrtwende gerechnet. Die Arbeitslosenquote soll der Vorhersage zufolge in dem Land im laufenden Jahr 28 Prozent aufweisen. Weiteres Sorgenkind ist Spanien. Dort wird laut Ernst & Young eine Arbeitslosenquote von 27 Prozent erwartet. Im Nachbarland Portugal erwarten die Experten eine Arbeitslosenquote von 17 Prozent im laufenden Jahr. Zwar werde in der Eurozone voraussichtlich 2014 dass das Schlimmste überstanden sein. Auf dem Arbeitsmarkt werde die Erholung sich aber erst später auswirken. (dpa)

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