Montag, 19.11.2012

Arbeitgeber wollen Elternzeit radikal kürzen

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat sich für eine radikale Verkürzung der dreijährigen Elternzeit ausgesprochen. Die Familienministerin weist diese Forderung strikt zurück.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat sich für eine radikale Verkürzung der dreijährigen Elternzeit ausgesprochen...Foto: dpa
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat sich für eine radikale Verkürzung der dreijährigen Elternzeit ausgesprochen...Foto: dpa

Berlin. Die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) ist mit einem Vorstoß zur radikalen Verkürzung der Elternzeit auf harsche Kritik gestoßen. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt schlug in der „Welt" vor, die Elternzeit stufenweise auf zwölf Monate abzusenken, sobald der Ausbau der Kinderbetreuung gewährleistet sei. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) und ihre bayerische Amtskollegin Christine Haderthauer (CSU) wiesen dies umgehend zurück.

Hundt begründete seinen Vorstoß damit, dass Deutschland mit bis zu drei Jahren die im europäischen Vergleich längste Elternzeit habe. Dies wirke sich negativ auf die Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt aus, meinte Hundt.

Schröder erklärte, wie „Eltern in Deutschland die Betreuung ihrer Kinder in den ersten drei Jahren organisieren, ist zum Glück immer noch Sache der Familien und nicht des BDA. Und das wird auch so bleiben. Familien haben eigene Bedürfnisse und sind nicht ökonomische Verfügungsmasse." Mit ihr werde es keine Einschränkungen von Elterngeld und Elternzeit geben. Der „Respekt vor den Familien" gebiete es, den Vätern und Müttern weiterhin Wahlfreiheit zu lassen, sagte Schröder am Montag im ARD-„Morgenmagazin". Wichtig sei, dass die Politik den Familien da keine Vorschriften mache.

Zudem verteidigte die Familienministerin das umstrittene Betreuungsgeld. 60 Prozent der Familien unter drei Jahren entschieden sich für einen anderen Weg als für eine Betreuung ihrer Kinder in einer Kita, sagte Schröder. Für sie werde es das Betreuungsgeld geben. Begriffe wie „Herdprämie" oder „Bildungsfernheiteprämie" regten sie da auf.

Die bayerische Arbeits- und Familienministerin Haderthauer warf Hundt ein schädigendes Verhalten für die deutsche Wirtschaft vor. „Die Kinder- und familienfeindlichen Äußerungen des Arbeitgeberpräsidenten richten schon länger einen enormen Imageschaden für die deutsche Arbeitswelt an und konterkarieren die zahlreichen Bemühungen unserer Arbeitgeber für eine familienfreundliche Arbeitswelt", sagte die Ministerin am Sonntag in München.

Damit beweise Hundt, dass Kinder für ihn „reine Störfaktoren bei der Produktivität einer Gesellschaft" seien, sagte Haderthauer. „Ehrlicher würde der Arbeitgeberpräsident agieren, wenn er gleich die Empfehlung ausgeben würde, aufs Kinder bekommen zu verzichten." (dapd)

Drucken Empfehlen

  • Facebook
  • Twitter