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Donnerstag, 23.02.2012

Apple, Google und Co. sollen Sammelwut zügeln

Das Internet ist ein Eldorado für Datensammler. Die Nutzer scheinen ihnen schutzlos ausgeliefert. Nun haben sich Google, Microsoft und Apple zu mehr Disziplin verpflichtet. Das gilt auch für Smartphones. Datenschützern in Deutschland reicht das jedoch nicht.

Von Daniel Schnettler und Andrej Sokolow

San Francisco/Washington/Boston. Nach zahlreichen Datenschnüffel-Skandalen können die Internetnutzer auf einen besseren Schutz ihrer Privatsphäre hoffen. Technologie-Schwergewichte wie Google, Microsoft und Apple wollen den Menschen künftig mehr Kontrolle darüber geben, welche Informationen sie in ihren Webbrowsern und auf ihren Smartphones preisgeben. Der Schritt erfolgt allerdings nicht ganz freiwillig: US-Strafverfolger und die US-Regierung haben die Konzerne massiv dazu gedrängt.

So setzte die kalifornische Generalstaatsanwältin Kamala Harris durch, dass Smartphone-Apps künftig nicht mehr ungezügelt Daten saugen dürfen. Von der Regelung würden auch die Nutzer in anderen Ländern profitieren, betonte sie am Mittwoch (Ortszeit) in San Francisco. Zu den strengeren Datenschutz-Standards gehört vor allem, dass der Nutzer darüber aufgeklärt wird, welche Daten von ihm gesammelt werden und was damit geschieht. Bislang passiere dies nur in den seltensten Fällen, betonte Harris. Der Vereinbarung wurde - auf Druck der Staatsanwältin - von den sechs größten App-Store-Betreibern unterschrieben: Apple mit seinem iPhone und iPad, Google mit seiner Android-Plattform, Microsoft, dem Blackberry-Anbieter RIM, Hewlett-Packard sowie Amazon.

Deutsche Datenschützer unzufrieden

Der deutsche Datenschützer Thilo Weichert zeigte sich von Einigung „enttäuscht“. „Die Vereinbarung ist ein erster richtiger Schritt, aber sie bleibt weiter hinter dem zurück, was aus europarechtlicher Sicht selbstverständlich ist“, sagte der Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein der Online-Ausgabe der „Frankfurter Rundschau. Es sei „unbefriedigend“, dass die USA als Sitz der großen Internetkonzerne solch „unzureichende“ Datenschutz-Standards setzten, sagte Weichert.

Erst kürzlich war aufgeflogen, dass die App des Online-Netzwerks Path die Adressbücher von iPhones anzapfte und die Daten zum Server des Unternehmens übertrug - ohne Wissen des Nutzers. Auch weitere Apps für Apples iOS und das Google-System Android gerieten in Verruf. Apple kündigte an, den Zugriff auf Kontaktlisten künftig nur noch mit ausdrücklicher Zustimmung des Nutzers zu ermöglichen.

Die jetzt geschlossene Vereinbarung geht noch einen Schritt weiter: Die Plattform-Betreiber müssen einen Kanal für Beschwerden der Nutzer über mangelnden Datenschutz einrichten. In einem halben Jahr will Generalstaatsanwältin Harris mit den beteiligten Unternehmen über die bis dahin vorgenommene Umsetzung der neuen Vorgaben sprechen.

Auch in Washington wird an schärferen Datenschutz-Bestimmungen gearbeitet, die in den USA bislang deutlich lascher als in Europa sind. Das hatte in der Vergangenheit immer wieder für Frust auch bei deutschen Datenschützern gesorgt. Denn in den USA sitzen die tonangebenden Technologiekonzerne. So sollen die Unternehmen künftig auch dafür sorgen, dass nur solche Informationen abgegriffen werden, die für das Funktionieren ihrer Dienste notwendig sind.

„Tracking-Cookies“ abschaltbar

Ein wichtiger Baustein der neuen Datenschutz-Bemühungen ist die Möglichkeit in Webbrowsern, die „Tracking-Cookies“ abzuschalten - das sind Software-Elemente, mit denen etwa Werbetreibende den Weg der Nutzer im Internet nachverfolgen können. So werden beispielsweise Nutzern, die in einem Onlineshop nach einem neuen Notebook Ausschau gehalten haben, plötzlich auf fremden Websites genau solche Geräte in Anzeigen angeboten.

Der Internetkonzern Google, dessen Haupteinnahmequelle eben die Werbung ist, erklärte sich am späten Mittwoch dazu bereit, die Abschaltung der „Tracking-Cookies“ zu respektieren. Erst kürzlich war herausgekommen, dass Google systematisch die Datenschutz-Einstellungen in Apples Safari-Browser umgangen hatte. Auch Microsoft wirft Google vor, die Einstellungen zur Privatsphäre im Browser Internet Explorer ausgehebelt zu haben.

Google steht derzeit besonders im Kreuzfeuer der Kritik. So hatte der Internetkonzern jüngst verkündet, die bisher getrennten Nutzerdaten aller seiner Dienste wie der Suche, des Videoportals Youtube oder des E-Mail-Dienstes Gmail zusammenzuführen - mit der Begründung, dem Nutzer dadurch einen besseren Service anbieten zu können. Datenschützer sehen darin indes den Versuch, möglichst viel über die Nutzer herauszufinden.

Auch 36 US-Generalstaatsanwälte stören sich an der Datensammelei von Google. Sie fürchten, dass dadurch Betrügereien Tür und Tor geöffnet werden, wenn etwa Hacker in die Systeme eindringen. Die Staatsanwälte brachten ihre Sorge in einem Brief an Google-Chef Larry Page zum Ausdruck. „Heutzutage besteht immer und überall die Gefahr, dass persönliche Daten gestohlen werden“, erklärte die Generalstaatsanwältin von Massachusetts, Martha Coakley. (dpa)