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Donnerstag, 28.12.2017 Bilder des Jahres 2017

Ansturm auf die Weißeritztalbahn

Mit viel Tamtam wird der zweite Bauabschnitt bis Kurort Kipsdorf eröffnet. Damit beginnt im Sommer eine Erfolgsgeschichte.

Von Mandy Schaks

Viele Osterzgebirgler und Bahnfans erwarteten die Ankunft des ersten Zuges der Weißeritztalbahn in Kurort Kipsdorf am 17. Juni mit großer Freude. 15 Jahre mussten sie darauf warten, dabei viele Male um den zweiten Bauabschnitt bangen und kämpfen. Der Wiederaufbau der insgesamt etwa 26 Kilometer langen Strecke kostete rund 40 Millionen Euro. Die Anstrengungen scheinen sich gelohnt zu haben. Es rollt.
Viele Osterzgebirgler und Bahnfans erwarteten die Ankunft des ersten Zuges der Weißeritztalbahn in Kurort Kipsdorf am 17. Juni mit großer Freude. 15 Jahre mussten sie darauf warten, dabei viele Male um den zweiten Bauabschnitt bangen und kämpfen. Der Wiederaufbau der insgesamt etwa 26 Kilometer langen Strecke kostete rund 40 Millionen Euro. Die Anstrengungen scheinen sich gelohnt zu haben. Es rollt.

© Egbert Kamprath

Dippoldiswalde. Das Gefühl und die Erfahrung sollten Roland Richter nicht täuschen. Der Geschäftsführer der Sächsischen Dampfeisenbahn- gesellschaft, die neben der Weißeritztalbahn noch die Lößnitzgrundbahn in Radebeul und die Fichtelbergbahn in Oberwiesenthal betreibt, war zuversichtlich, dass Bahnfans die dienstälteste Schmalspurbahn Deutschlands auch nach 15 Jahren Zwangspause nicht vergessen haben. Er war von Anfang an überzeugt: Die Gäste werden auch auf die Strecke ins Ost-erzgebirge abfahren, wenn denn der zweite Bauabschnitt von Dippoldiswalde bis Kurort Kipsdorf erst einmal fertiggestellt ist. Und er sollte recht behalten.

Seit dem ersten Tag, als die Weißeritztalbahn in diesem Jahr am 17. Juni nach der Flut im August 2002 wieder bis ins Gebirge schnaufte, reißt die Begeisterung nicht ab. Und das, obwohl aus Kostengründen der bisherige Fahrplan eingedampft werden musste. Die Weißeritztalbahn fährt seither nicht mehr sechsmal am Tag zwischen Freital-Hainsberg und Dippoldiswalde, sondern verkehrt hier auf dem unteren Abschnitt nur noch dreimal. Dafür fahren zwei der Züge bis hoch nach Kipsdorf auf insgesamt rund 26 Kilometer Länge und zurück. Nachdem Roland Richter bereits im Juli knapp 10 000 Passagiere mehr im Vergleich zum Vorjahr vermelden konnte, hielt der Trend im August an. Und jetzt zum Jahresende kann der Schmalspurbahn-Chef für das Weißeritztal eine tolle Bilanz vorlegen.

Demnach haben sich die Fahrgastzahlen weiter sehr positiv entwickelt. Allein von Juli bis November sind etwa 50 Prozent mehr Reisende im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in die Weißeritztalbahn eingestiegen. Erfreulich dabei ist – und das ist die zweite gute Nachricht –, dass der Gewinn an Besuchern nicht auf Kosten der Region zwischen Freital und Dippoldiswalde geht, wie Kritiker befürchteten. „Die Mehrheit der Fahrgäste fuhr von Freital nach Kipsdorf“, sagt Richter, „und nutzte dabei den kompletten unteren Abschnitt mit.“

Es geht bergauf

Auch der Dezember dürfte gut laufen. Konkrete Zahlen liegen noch nicht vor. Aber nach ersten Einschätzungen der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft lockte die Weißeritztalbahn in der Adventszeit viele Ausflügler an, zumal sie auch einige Extras zu bieten hatte. „Die zusätzlichen Angebote in der Adventszeit wurden gut angenommen“, so Richter. Das betreffe zum einen die Sonderzüge, die an den Adventswochenenden eingesetzt wurden. Zum anderen konnten auch Veranstaltungen rund um die Bahn überzeugen. So fuhr ein Nikolauszug, es gab eine musikalische Stollenfahrt mit der Lauensteiner Sängerin Madeleine Wolf, und es ging mit Dampf zu Weihnachtsmärkten entlang der Strecke. Ein Riesenerfolg wurde die Weihnachtsbaumfahrt, eine Aktion mit dem Staatsbetrieb Sachsenforst. Interessierte konnten mit dem Dampfzug bis zum Bahnhof Malter fahren, dort ihre Blaufichte auf einer nahe gelegenen Plantage schlagen, den Baum in einem Gepäckwagen abgeben und auf der Schiene nach Hause rollen.

Auch die Orte im oberen Osterzgebirge kurbeln, um mit Sonderangeboten Gäste bis Kipsdorf und weiter ins Umland zu gewinnen. Die Stadt Altenberg hat mit dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember in Zusammenarbeit mit der Regionalverkehr Dresden GmbH einen Ski- und Wanderbus an den Start gebracht. Die Sonderlinie 374 soll wie jetzt in der Weihnachtszeit immer dann fahren, wenn besonders viele Gäste im oberen Osterzgebirge erwartet werden. Der zusätzliche Bus holt auch Gäste von der Weißeritztalbahn in Kipsdorf ab und bringt sie zu Ausflugszielen. Die Rückreise ist ebenfalls gesichert. Ziel ist, das Angebot mit Vermietern dauerhaft zu etablieren.

Auch Roland Richter will mit seinen Leuten angesichts der guten Zahlen nicht nachlassen, sondern weiter Dampf machen. 2018 soll es wieder ein umfangreiches Programm geben. 70 Veranstaltungen sind auf der Weißeritztalbahn vorgesehen, kündigt er an.