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Dienstag, 09.02.2016

Ansturm auf das Kaufhaus Günther

Das längst geschlossene Kaufhaus Günther an der Pirnaer Landstraße öffnete noch einmal zur letzten Schnäppchenjagd. Viele Besucher schweltgen in Erinnerungen. Verbinden auch Sie Erlebnisse mit dem alten Kaufhaus, dann erzählen Sie es uns.

Das Kaufhaus Günther öffnete am Dienstag zum letzten Mal.
Das Kaufhaus Günther öffnete am Dienstag zum letzten Mal.

© Ronald Bonss

Dresden. Dienstagmorgen, kurz vor 10 Uhr: Vor der Eingangstür des Kaufhauses Günther hat sich eine lange Schlange gebildet. Hunderte Menschen nutzen den Tag der offenen Tür, um einen letzten Blick in das einstige Zschachwitzer Einkaufsparadies an der Pirnaer Landstraße zu werfen. Erinnerungen werden ausgetauscht, Anekdoten von früher machen die Runde.

So war das damals ...

Kaufhaus Günther öffnet noch einmal

„Weißt du noch damals, als Günthers mal Bohrmaschinen im Angebot hatten?“ Der Ansturm sei riesig gewesen – denn Bohrmaschinen gab es zu DDR-Zeiten nicht immer zu kaufen. Oft wechselten die heiß begehrten Waren klammheimlich unter dem Ladentisch den Besitzer. Auch am Dienstag scheint das Motto zu gelten: Wer zu spät kommt, geht leer aus. Viele Besucher verlassen das Kaufhaus schon kurz nach 10 Uhr mit vollen Taschen. Weiße Plastetüten, auf denen das Kaufhaus-Logo prangt, sind prall gefüllt mit Kunstblumen, bunt bedruckten Dederon-Schürzen, blau-weiß gemustertem Geschirr, billigen Goethe-Porträts. Sogar ein Lolli-Werbeaufsteller und Weihnachtsdeko werden hektisch abtransportiert.

Eine ältere Dame hat in einem der Lagerräume einen XXL-Koffer gefunden, ihn mit T-Shirts, Hosen und Jacken vollgestopft. Behalten will sie die Sachen nicht. „Die spende ich den Flüchtlingen“, sagt Veronika Henke. Die 72-Jährige wohnt in Prohlis. Sie war früher nie in Zschachwitz einkaufen. Deshalb ist die Rentnerin nun auch nicht gekommen, um in Erinnerungen zu schwelgen – sie ist auf Schnäppchenjagd. Wie offenbar die meisten anderen Neugierigen auch. Gegen 11 Uhr sind es bereits 900 Besucher, am Ende werden es 1 900 sein. „Ich finde es schrecklich, wie die Leute das Geschäft hier plündern“, sagt Peter Schlupp. Er ist sichtlich betroffen, dass das Kaufhausgebäude abgerissen wird. „Damit geht in Dresden eine Ära zu Ende.“ Genau genommen endete diese schon vor neun Jahren, als das Ehepaar Wilfried und Monika Metzig das 1905 gegründete und über ein Jahrhundert in Familienhand gebliebene Kaufhaus schließen musste. Auch mangels Kunden. Zu teuer sei es nach der Wende gewesen, sagt ein Ehepaar auf der Suche nach einem Mitbringsel.

Familie Metzig wusste indes nichts vom Tag der offenen Tür, hat davon erst aus der Zeitung erfahren. In letzter Minute konnte Ines Metzig, die Tochter von Wilfried und Monika, noch verhindern, dass auch die ehemaligen Privaträume der Familie für die Besucher offen stehen. „Das Kaufhaus schloss damals wegen des massiven Kundenrückgangs. Jetzt brauchen wir kein Interesse mehr.“ Das war dennoch riesig.

Berichten auch Sie uns von Ihren Erlebnissen und den einst besonders begehrten Waren im Kaufhaus Günther und schreiben uns eine Mail an sz.dresden@ddv-mediengruppe.de.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Aleister Crowley

    Liebe Frau Henke, diese Klamotten dürften doch wohl eher ein Fall für die Mülltonne sein.

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