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Sonntag, 27.09.2015

Angriff auf zwei Asylbewerber in Stetzsch

Zwei Asylbewerber wurden mit Pfefferspray attackiert. Sie können sich nicht erklären, aus welchem Grund jemand so handelt.

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Auf der ruhigen Flensburger Straße in Stetzsch passierte der Angriff. Jwan (li.) und Saad waren Freitagabend mit ihren Rädern unterwegs, als sie aus einem vorbeifahrenden Auto mit Pfefferspray besprüht wurden.
Auf der ruhigen Flensburger Straße in Stetzsch passierte der Angriff. Jwan (li.) und Saad waren Freitagabend mit ihren Rädern unterwegs, als sie aus einem vorbeifahrenden Auto mit Pfefferspray besprüht wurden.

© Christian Juppe

  • Auf der ruhigen Flensburger Straße in Stetzsch passierte der Angriff. Jwan (li.) und Saad waren Freitagabend mit ihren Rädern unterwegs, als sie aus einem vorbeifahrenden Auto mit Pfefferspray besprüht wurden.
    Auf der ruhigen Flensburger Straße in Stetzsch passierte der Angriff. Jwan (li.) und Saad waren Freitagabend mit ihren Rädern unterwegs, als sie aus einem vorbeifahrenden Auto mit Pfefferspray besprüht wurden.
  • Die angegriffenen Männer leben zur Zeit im ehemaligen Hotel Lindenhof in Stetzsch.
    Die angegriffenen Männer leben zur Zeit im ehemaligen Hotel Lindenhof in Stetzsch.

Der Schrecken sitzt noch immer tief. Wenn Jwan und Saad jetzt das Asylbewerberheim im Lindenhof Stetzsch verlassen, begleitet sie mittlerweile ein mulmiges Gefühl. Denn am Freitagabend wurden beide Männer unerwartet angegriffen, als sie mit zwei Fahrrädern auf dem Weg zur Elbe waren. „Manchmal schauen wir da den Schiffen zu“, erzählt der 24-jährige Jwan aus Syrien.

Er und Saad sind gerade einige Hundert Meter geradelt und fahren auf dem Fußweg der Flensburger Straße, als ihnen ein weißer Transporter entgegenkommt. Sie schenken ihm keine große Beachtung und werden deshalb total überrumpelt, als ihnen im Vorbeifahren eine brennende Flüssigkeit ins Gesicht gesprüht wird. Beide glauben, dass es Pfefferspray ist. Die jungen Männer stürzen zu Boden und können kaum mehr etwas sehen. Deshalb registrieren sie auch nur noch, dass der Transporter weiterfährt. Wie viele Personen darin gesessen haben und wie der Fahrer aussieht, wissen sie nicht. Der 32-jährige Saad aus dem Irak schüttelt am Tag danach nur betrübt den Kopf und glaubt zumindest erkannt zu haben, dass es ein Mercedes-Sprinter war. Beide werden von einem Notarzt ambulant behandelt. Die Polizei ermittelt wegen schwerer Körperverletzung. Jwan findet deutliche Worte zu der Tat. „Ich bin aus Syrien geflohen, weil ich nicht mehr auf die Straße gehen konnte. Ich hätte jederzeit getötet werden können. Aber hier kann ich ja nun auch nicht mehr auf die Straße gehen“, sagt er.

Schon bevor er nach Dresden kam, habe er von den Problemen gehört, die die Menschen hier mit Flüchtlingen haben. Wenn er in der Stadt unterwegs ist, werde er auch mal skeptisch gemustert. Er versuche dann, den Menschen aus dem Weg zu gehen. Den ersten Schritt zur Kontaktaufnahme traue er sich nicht. „Vielleicht werde ich dann geschlagen.“

Aus dem Polizeibericht vom 27. September

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Raub – Täter gestellt

Zeit: 25.09.2015, 23:45 Uhr bis 23:55 Uhr | Ort: Dresden, Leipziger Straße, Sternstraße

Der Geschädigte (41) besuchte mit dem späteren Täter (43) eine Nachtbar. Nach erheblichem Alkoholgenuss verließen sie die Lokalität und begaben sich auf die Straße. Hier stellte der Täter dem Geschädigten ein Bein und trat ihm gegen Kopf und Oberkörper. Danach raubte der Täter die Geldbörse des Mannes. Ein Zeuge des Vorfalls überwältigte den Täter und hielt ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest. Der 41-Jährige musste in ein Krankenhaus gebracht werden.

Krad Kawasaki gestohlen – Täter gestellt

Zeit: 20.08.2015 bis 31.08.2015 und 25.09.2015, 18:40 Uhr | Ort: Dresden, Hainbuchenstraße

Ein zunächst unbekannter Täter gelangte auf nicht geklärte Art und Weise in eine abgeschlossene Garage und entwendete ein dort gesichert abgestelltes Krad Kawasaki im Wert von ca. 1.500 Euro. Nach dem Diebstahl brachte der Täter ein ausländisches Kennzeichen am Fahrzeug an und nutzte das Krad bis zur Feststellung. Nach einem Zeugenhinweis konnte das Krad bei einem 38-jährigen Dresdener fest- und sichergestellt werden. Gegen den Täter wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Einbruch in Einfamilienhaus

Zeit: 23.09.2015 bis 25.09.2015, 16:05 Uhr | Ort: Dresden, Wachwitzer Bergstraße

Unbekannte Täter zerschlugen eine Fensterscheibe und stiegen in das Einfamilienhaus ein. Sie durchsuchten sämtliche Räume und entwendeten Bargeld und Schmuck. Es entstand Sachschaden in Höhe von ca. 350 Euro.

Audi gestohlen

Zeit: 24.09.2015, 22:00 Uhr bis 25.09.2015, 15:45 Uhr | Ort: Dresden, Heinrich-Beck-Straße

Unbekannte Täter entwendeten einen gesichert abgestellten grauen Audi A6. Das zehn Jahre alte Fahrzeug hat einen Wert von ca. 8500 Euro.

Noch ein Audi gestohlen

Zeit: 25.09.2015, 19:00 Uhr bis 27.09.2015, 03:00 Uhr | Ort: Dresden, Kresseweg

Unbekannte Täter entwendeten einen gesichert abgestellten grauen Audi A6. Das fünf Jahre alte Fahrzeug hat einen Wert von ca. 28000 Euro.

Verkehrsunfallgeschehen

Die Polizei registrierte am 26.09.2015 im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Dresden insgesamt 65 Verkehrsunfälle mit zwölf verletzten Personen.

Mehrmals wiederholt er, dass viele Syrer keine andere Wahl als die Flucht aus dem eigenen Land haben. Dort müssten sie ein wunderbares Leben zurücklassen mit eigenen Häusern, manchmal die Familie, Freunde. „Ich selbst habe sechs Jahre studiert.“ Wie es nun für ihn weitergeht, weiß er nicht. In Dresden fühlt er sich nach dem Angriff nicht mehr wohl, am liebsten würde er in eine andere deutsche Großstadt ziehen. Und irgendwann, wenn wieder Frieden herrscht, will er zurück nach Syrien. Auch Saad, mit dem er ein Sechs-Mann-Zimmer in dem ehemaligen Hotel bewohnt, hat mit Dresden abgeschlossen. Er würde gern nach Leipzig gehen, wo er zwischenzeitlich untergebracht war.

Besonders schockiert von der Tat ist auch Heimleiter Daniel Molitor. Bisher leben 40 männliche Flüchtlinge in seiner Unterkunft. „Diese Tat kann uns nicht einschüchtern. Das war nur ein feiger Angriff. Unsere Tür steht trotzdem immer offen“, sagt der 32-Jährige. Wie am Sonnabend, dem Tag nach der Tat, als einige Anwohner zum Begegnungscafé kommen und sich mit den Asylbewerbern bei Kaffee und Plätzchen zusammensetzen. Der Umgang ist freundlich, fast herzlich. Daniel Molitor wünscht sich mehr Besucher, die ihre Vorbehalte überwinden oder gar im Gespräch mit den Flüchtlingen abbauen.

Zunächst hofft er aber auch, dass der oder die Angreifer gefasst werden, und appelliert besonders an die Nachbarn der ruhiggelegenen Flensburger Straße. Wer den Vorfall gesehen hat und Hinweise zu den Tätern geben kann, soll sich bitte bei der Polizei melden.