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Samstag, 03.01.2015

Angriff auf junge Migranten

Vermummte sollen mehrere Jugendliche überfallen und verletzt haben. Die Polizei äußert sich bisher nicht dazu.

Von Juliane Richter

Auf dem Banner beschwört Pegida, gewaltfrei zu agieren. Auf Kundgebungen stimmt das auch. Vor Weihnachten kam es aber im Anschluss an einen Aufmarsch wohl doch zu einem Zwischenfall.
Auf dem Banner beschwört Pegida, gewaltfrei zu agieren. Auf Kundgebungen stimmt das auch. Vor Weihnachten kam es aber im Anschluss an einen Aufmarsch wohl doch zu einem Zwischenfall.

© dpa

Zwei Tage vor Heiligabend sollen vermeintliche Pegida-Anhänger mehrere junge Migranten an der Centrum-Galerie angegriffen haben. An diesem Montagabend waren rund 17 000 Menschen dem Aufruf von Pegida gefolgt und durch die Stadt marschiert. Nach dem Ende der Veranstaltung soll der Überfall stattgefunden haben.

Danilo Starosta vom Kulturbüro Sachsen, das sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus engagiert, kennt die Jugendlichen und hat sich von ihnen den Vorfall schildern lassen. „Es war gegen 20.30 Uhr in der Trompeterstraße neben der Centrum-Galerie. Plötzlich kamen 30 bis 50 Erwachsene im Alter von etwa 25 bis 40 Jahren sehr entschlossen und sichtbar bewaffnet auf die Jugendlichen zu“, sagt Starosta. Die Angreifer seien vermummt gewesen, hätten teilweise Mützen und Schals mit dem Dynamo-Emblem getragen und seien mit Teleskop-Schlagstöcken, Elektroschockern, Reizgas und Messern bewaffnet gewesen. Sie hätten „scheiß Kanaken“ gebrüllt. „Die Jugendlichen, die vorher shoppen waren, hatten einfach nur noch Angst und sind gerannt“, sagt Starosta. Er steht in Kontakt mit zwölf Betroffenen. Acht von ihnen kennt er seit Jahren und hat gemeinsam mit ihnen den Film „Wenn wir reden“ gedreht, in dem es um den Alltag der Jugendlichen in Dresden geht. Ihre Eltern stammen aus der Türkei, sie selbst sind teilweise in Deutschland geboren.

15-Jährige von Angreifern verletzt

Unter ihnen ist auch die 15-jährige Wadha. Laut Starosta konnte sie nicht vor den Angreifern fliehen, weil sie eine Atemwegserkrankung hat und gestürzt sei. Einige Unbekannte hätten sie geschlagen und getreten, jedoch schnell wieder von ihr abgelassen. Dennoch habe sie eine Rippenprellung davongetragen und musste im Krankenhaus behandelt werden. Am Heiligabend habe sie dann mit ihrer Mutter auf der Polizeiwache in der Schießgasse Anzeige erstatten wollen. Der Beamte habe das jedoch abgelehnt – mit der Begründung, das Mädchen hätte sich die Verletzungen selbst zufügen können. Am 30. Dezember hat Starosta deshalb Anzeige erstattet.

Eine andere Organisation bestätigt den Vorfall und den Kontakt zu weiteren, teilweise auch verletzten Jugendlichen. Die Dresdner Polizei wollte sich am Freitagnachmittag nicht im Detail zu dem Fall äußern. Man prüfe den Wahrheitsgehalt und die Hintergründe der Darstellungen, so der diensthabende Hauptkommissar.