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Angeklagte schweigen zu Attacken auf Ausländer

Aus purem Fremdenhass sollen drei Männer in Polenz beim Sonnenwendfest auf zwei Bulgaren und einen Rumänen losgegangen sein. Versuchter Mord lautet die Anklage.

21.04.2017
Von Yvonne Popp

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Am ersten Verhandlungstag verweigern die Angeklagten am Landgericht Dresden ihre Aussagen über die fremdenfeindlichen Attacken auf der Sonnenwendfeier in Polenz.

© Symbolbild/dpa

Polenz. Brutale Szenen müssen sich in Polenz abgespielt haben. Über mehrere Stunden hinweg hatten drei Männer im Juni vergangenen Jahres bei einer Sonnenwendfeier immer wieder ausländische Gäste attackiert. Dabei waren die anfänglichen Beleidigungen schnell in massive Gewalt umgeschlagen. Aber warum war niemand eingeschritten und warum war die Polizei erst Stunden danach vor Ort? Das sind nur zwei von vielen Fragen, mit denen sich die Schwurgerichtskammer am Landgericht Dresden seit diesem Donnerstag befassen muss. Angeklagt sind drei Männer im Alter von 24, 33 und 38 Jahren. Verantworten müssen sie sich neben gefährlicher Körperverletzung auch wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Dem 33-jährigen Hauptangeklagten, einem gebürtigen Bautzner, wird sogar versuchter Mord vorgeworfen.

Laut Staatsanwaltschaft soll er zusammen mit den beiden anderen die Sonnenwendfeier gezielt besucht haben, um dort seiner fremdenfeindlichen Gesinnung freien Lauf zu lassen. Schon am frühen Abend hatte der Fernfahrer, der eigenen Angaben zufolge schwerer Alkoholiker ist, im Bierzelt – für viele Gäste gut hörbar – mit „Heil Hitler“ oder „Sieg heil“ gegrüßt. Später, gegen 22.15 Uhr, soll er auf zwei bulgarische Gäste getroffen sein. Unvermittelt schlug er wohl erst einen von ihnen mit einem gezielten Faustschlag auf die Halsschlagader bewusstlos, dann soll er mehrfach mit einem Bierkrug auf den anderen eingedroschen haben. Auch dann noch, als sein Opfer längst am Boden lag. Das erlitt durch die Attacke mehrere Platzwunden am Kopf und eine Mittelgesichtsfraktur.

Nur eine Stunde später soll sich das angeblich stark angetrunkene Trio einen Rumänen gegriffen haben. Mit den Worten: „Das Fest ist nur für Deutsche“ prügelten sie auf den Mann ein. Dieser konnte zunächst fliehen. Im Wirtschaftsbereich des Bierzeltes fanden ihn die Angreifer aber wieder und setzten ihre Attacke fort. Als Gäste versuchten, sie von dem wehrlos am Boden liegenden Mann abzubringen, hoben ihn die Täter hoch und traten weiter auf ihn ein. Ein Schädel-Hirn-Trauma, zahlreiche Prellungen und die Stauchung der Nasenwurzel waren die Folge. Die Übergriffe wurden erst gestoppt, als die Polizei gegen Mitternacht in Polenz eintraf. Zuvor hatte einer der Männer versucht, die blutige Jacke des Haupttäters zu verstecken.

Zum Prozessauftakt erschienen zwei der Angeklagten in Handschellen. Während der Hauptbeschuldigte schon kurz nach den Taten wegen des Verdachts des versuchten Mordes in Untersuchungshaft genommen wurde, verbüßt der 38-jährige Mittäter gerade eine zehnmonatige Freiheitsstrafe wegen mehrfacher Trunkenheitsfahrten. Einen Führerschein besaß der Maurer aus Sebnitz ebenfalls nicht. Lediglich der 24-jährige Angeklagte, ein Koch aus Bad Schandau, befindet sich derzeit noch auf freiem Fuß.

Die drei Männer wollten sich bislang weder zu den Vorwürfen noch zu ihrer Person äußern. Fest steht, dass alle teilweise einschlägig vorbestraft sind. Da die Angeklagten zur Sache schweigen, müssen zu den kommenden Prozessterminen zahlreiche Zeugen aussagen. Damit ist schon jetzt klar, dass die von der Schwurgerichtskammer veranschlagten zehn Verhandlungstage wohl nicht ausreichen werden. Ein Urteil wird im Juni erwartet.