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Montag, 30.07.2012

Anarchisten aus aller Welt zu Treffen in der Schweiz erwartet

Bern. Eine kleine Gemeinde in der Schweiz wird im August Schauplatz für ein „Welttreffen des Anarchismus“. Fünf Tage lang wollen Anhänger verschiedenster libertär-anarchistischer Bewegungen über „diverse Wege des Widerstands“ gegen gesellschaftliche Übel debattieren - von der Ausbeutung über die Umweltverschmutzung bis zu Militarismus, Rassismus, Sexismus und Fremdenfeindlichkeit. Zu dem für jedermann öffentlichen Kongress in Saint-Imier (Kanton Bern) werden vom 8. bis 12. August bis zu 3.000 Besucher aus vielen Ländern erwartet, sagte Mitorganisator Michel Némitz am Montag Reportern.

Das Interesse an anarchistischem Gedankengut habe in letzter Zeit wieder zugenommen. Zur Begründung erklären die Veranstalter, dass „die marxistische Illusion angesichts der kommunistischen Diktaturen dahingeschmolzen“ sei. Zugleich lebe der Kapitalismus „von Krise zu Krise“. Das Treffen biete die Möglichkeit, „eine Bilanz aus der Geschichte der anarchistischen Bewegung zu ziehen - aus ihren Ideen, ihren Verwirklichungen, ihren Hoffnungen, ihren Niederlagen“.

Anlass ist ein Jubiläum: Vor 140 Jahren fand in einem Gasthof in der Umgebung von Saint-Imier ein Treffen statt, aus dem die erste anti-autoritäre Internationale hervorging. Sie entstand als Antwort auf die von Karl Marx initiierte Internationale, die von Anarchisten als autoritär abgelehnt wurde. Prominentester Teilnehmer war damals der russische Revolutionär, Anarchist und Philosoph Michael Bakunin. Er starb 1876 in Bern, wo heute noch sein Grab steht. (dpa)