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Am Reichstädter Bach darf gebaut werden

Die Stadt Dippoldiswalde will den Bach auf 160 Meter neu gestalten. Warum dafür keine Umweltprüfung nötig ist.

07.10.2017
Von Franz Herz

tädter Bach darf gebaut werden
Bekommt ein Bach mehr Raum, kann er sich auch bei Hochwasser besser ausbreiten, das Wasser verliert Geschwindigkeit.

© Symbolfoto: Dirk Zschiedrich

Dippoldiswalde. Die Landesdirektion Sachsen hat entschieden, dass für die Umverlegung des Reichstädter Bachs und die Herstellung eines neuen Gewässerbetts keine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich ist. Es geht dabei um einen Abschnitt von 160 Metern, auf dem der Bach von der Straße weg verlegt werden soll, damit die Ufermauer der Hauptstraße entlastet wird. Auf diesem Abschnitt sollen auch Einbauten in das Gewässer und Ufermauern entfernt werden. Ein Geschiebefang soll dazu dienen, Geröll und Schwemmgut aufzufangen, damit es sich nicht unkontrolliert ablagert. Dazu soll das Bachbett aufgeweitet und die Böschung flacher gestaltet werden. Dann kann sich das Wasser mehr ausbreiten.

Das ist durchaus ein Eingriff in die Natur, für den unter Umständen eine Umweltverträglichkeitsprüfung hätte erforderlich werden können. Damit hätten sich die Planungs- und Bauarbeiten weiter hinausgezögert. Es handelt sich immerhin um die Instandsetzung nach Schäden, die vom Juni-Hochwasser 2013 verursacht worden sind.

Aber nun hat die Landesdirektion entschieden, dass in Reichstädt ohne eine solche Prüfung der Auswirkungen auf die Umwelt gebaut werden darf. Der Bescheid darüber ist diese Woche veröffentlicht worden.

Für den Verzicht auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung gibt es verschiedene Gründe, wie der zuständige Abteilungsleiter Svarovsky mitteilte. Erstens sind die Auswirkungen der Bachverlegung vor allem im Maßnahmegebiet selbst zu spüren, kaum darüber hinaus. Zweitens wird damit das Gewässer besser gestaltet und bei einer künftigen Flut kann das Wasser leichter abfließen. Drittens wirkt sich die Entfernung der vorhandenen Befestigung mit Rasengittersteinen positiv auf die Bodenfunktion aus. Viertens wertet die Umverlegung des Bach das Ortsbild auf und ermöglicht, dass in Verbindung von Gewässer und seiner Umgebung bessere Lebensbedingungen entstehen. Fünftens profitieren auch die Anwohner von der Neugestaltung des Bachs, weil er besser aussehen wird und der Hochwasserschutz verbessert wird. Nicht zuletzt erwarten die Fachleute auch, dass sich am Ufer ein durchgehender Streifen von Büschen und hohen Stauden entwickeln wird, der ein wichtiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere ist. Diese können sich in diesem Streifen auch entlang des Baches bewegen und verbreiten. Unterm Strich wird der Reichstädter Bach nach der Neugestaltung ökologisch wertvoller sein als bisher.