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Samstag, 16.02.2013

Am falschen Ende gespart

Warum das Öl wechseln, wenn der Motor läuft? Doch Folgeschäden sind oft teurer. Wie viel, das zeigen acht Beispiele.

Von Philipp Laage

Viele Probleme werden umso schlimmer, je länger man sie ignoriert. Das gilt auch bei der Wartung des Autos. Wer Wechselintervalle verpasst oder Mängel ignoriert, für den kann die Reparatur eines Folgeschadens richtig teuer werden.

Ölwechsel:

Der Ölwechsel sollte nicht verpasst werden, sagt Hans-Ulrich Sander vom TÜV Rheinland. „Sonst verstopfen die Ölleitungen, und die drehenden Teile verschleißen.“ Das könne zu einem kapitalen Motorschaden führen. „Wenn ein gewöhnlicher Vier-Zylindermotor kaputt geht, werden oft 6000 bis 8000 Euro fällig“, rechnet der Kfz-Experte vor. Ein Ölwechsel kostet dagegen um die 150 Euro.

Zündkerzen:

Auch Zündkerzen lassen sich vergleichsweise günstig wechseln. Spart man sich das, komme es zu Zündaussetzern, erklärt der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Diese Aussetzer führten dazu, dass unverbrannte Kraftstoffe in den Katalysator gelangen und diesen schädigen oder zerstören. Die Kosten für die Erneuerung des Katalysators lägen bei 500 bis 1000 Euro. Ein frühzeitiger Wechsel der Zündkerzen sei dagegen schon ab 100 Euro zu haben, sagt Thiemel.

Zahnriemen

Nächstes Beispiel: Viele Motoren erleiden einen kapitalen Schaden, wenn der Zahnriemen reißt, so der ADAC-Technikexperte. Dies bedeutet meist den kapitalen Motorschaden, Kostenpunkt: ab 5000 Euro. Der Wechsel des Zahnriemens schlägt dagegen mit 600 bis 1000 Euro zu Buche.

Bremsbeläge:

„Moderne Autos zeigen an, wann die Bremsbeläge verschlissen sind“, sagt TÜV-Experte Sander. Der Wechsel koste etwa 200 Euro. „Sonst bremst irgendwann Stahl auf Stahl, dann müssen auch die Bremsscheiben gewechselt werden.“ Das koste dann schon um die 500 Euro. Allein die Kosten für die Erneuerung des Bremssattels taxiert der ZDK auf 200 bis 600 Euro. Hinzu kommt: Verschlissene Bremsen sind eine echte Unfallgefahr.

Klimaanlage:

Der Verband rät zudem zur gründlichen Wartung der Klimaanlage, Kosten ab etwa 70 Euro. Das Kältemittel müsse regelmäßig erneuert werden, sonst komme es zu einer abnehmenden Schmierung der Anlage bis zum kompletten Ausfall des Kompressors. Gleiches droht, wenn der Trockner der Klimaanlage nicht regelmäßig erneuert wird: Das Kältemittelöl verschlammt. Filter, Ventile und Rohre verstopfen. Es kommt zu Korrosion. Letztlich fällt der Kompressor komplett aus. Die Erneuerung koste je nach Fahrzeug zwischen 500 und 1000 Euro.

Geräusche:

Es gibt auch notwendige Eingriffe, die Autofahrer nicht erst beim nächsten Pflichtwartungstermin in Angriff nehmen sollten. Das gilt etwa bei Geräuschen im Radlager, dessen Wechsel nur zwischen 70 und 100 Euro koste, sagt Sander. „Verschleppe ich die Reparatur und fahre weiter, dreht sich irgendwann das Gehäuse im Lagersitz.“ Dann müsse auch noch die Radnabe – eventuell zusammen mit Bremsscheibe und Bremsklötzen – getauscht werden. „Diese Reparatur kostet 700 bis 800 Euro.“ Wird der Wagen trotzdem weiter gefahren, falle das Radlager irgendwann auseinander. Dann könne das ganze Rad abspringen.

Achsvermessung:

Wer hart auf einen Bordstein aufgefahren ist, für den lohne eine Achsvermessung, sagt der Kfz-Experte. „Wenn ich mir die 100 Euro dafür spare, fahre ich mir schnell die Reifen einseitig ab.“ Dann besteht im Extremfall die Gefahr, dass ein Reifen platzt. Die Kosten können sehr hoch sein: „Wenn das Gummi in den Kotflügel haut, sind schnell bis zu 1000 Euro für Wechsel und Einbau fällig.“ Ein schief stehendes Lenkrad bei nicht eingeschlagenen Vorderrädern sei oft ein Zeichen dafür, dass die Spur verstellt ist.

Steinschlag:

Für einen kleinen Steinschlag in der Frontscheibe gilt das ebenso. Die kleine Reparatur bezahle die Teilkasko, so Sander. Reißt jedoch die Scheibe, wird mindestens der Selbstbehalt fällig. Wer keine Versicherung hat, müsse für eine neue Scheibe zwischen 500 und 1000 Euro zahlen.

Wieder finden Autofahrer das gleiche Muster: Die aufwendige Reparatur ist am Ende um ein Vielfaches teurer als der rechtzeitige Wechsel oder die Reparatur eines abgenutzten oder beschädigten Bauteils. (dpa)