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Sonntag, 15.04.2018

Am Ende noch geschludert

Von Jürgen Schwarz

Doppeltorschütze: Florian Müller erzielte seine ersten Treffer für den Radebeuler BC und legte mit den Grundstein für den Dreier. Foto: Lutz Kollmann
Doppeltorschütze: Florian Müller erzielte seine ersten Treffer für den Radebeuler BC und legte mit den Grundstein für den Dreier. Foto: Lutz Kollmann

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In der Fußball-Landesliga drohen in dieser Saison bis zu vier Absteiger, sollte der SV Einheit Kamenz in der Oberliga den Klassenerhalt verpassen. Der VFC Plauen II (Rückzug) steht als Absteiger aus der Sachsenliga bereits fest, ansonsten kämpft die halbe Liga gegen den Gang in die Landesklasse. Gesichert scheinen derzeit alle Mannschaften ab der BSG Stahl Riesa (8./diesmal spielfrei) aufwärts.

Große Bedeutung im Abstiegskampf hatte das Duell zwischen dem Radebeuler BC und dem Tabellenvorletzten SV Lipsia 93 Eutritzsch. Vor nur 59 zahlenden Besuchern im Weinbergstadion gewannen die Gastgeber mit 4:2 (2:0). RBC-Trainer Matthias Müller, gesundheitlich angeschlagen, war natürlich erleichtert: „Wir haben jetzt sechs Punkte Abstand auf Eutritzsch und ich bin froh, dass wir uns endlich wieder mit einem Dreier belohnen konnten. Am kommenden Sonntag gastieren wir in Reichenbach und müssen von dort auch etwas Zählbares mitbringen.“ Trotz des fünften Saisonsieges spürte man, dass es in dem 63-Jährigen brodelte: „Ja, stimmt. Wir führen 4:0. Der Vorsprung war auch in der Höhe vollkommen verdient. Eigentlich hätte es schon zur Pause so stehen müssen. Aber wie wir die Schlussphase dann angehen, regt mich gewaltig auf. In der Endabrechnung kann auch die Tordifferenz eine Rolle spielen, aber wir bringen es fertig, uns sogar noch in Bedrängnis zu bringen. Dafür habe ich absolut kein Verständnis.“

Der stark spielende Benno Töppel (28.), Florian Müller mit seinen ersten Saisontoren (38./71.) sowie Routinier Philip Heineccius mit einem sehenswerten Distanzschuss (58.) hatten den RBC mit 4:0 in Führung gebracht, ehe die Eutritzscher nach Treffern von Robert Gottelt (82.) und einen von Felix Helm verwirkten Foulelfmeter, den Tom Kuhn verwandelte (85.), noch einmal Morgenluft witterten.

Am Samstagvormittag war Matthias Müller erst einmal froh, überhaupt zum so wichtigen Heimspiel seiner Mannschaft fahren zu können. „Beim Oldie-Spiel mit Dynamo am Mittwoch hatte mir ein gegnerischer Spieler den Ball genau ins Gesicht geschossen. Ich habe danach auf einem Auge nichts mehr gesehen, alles war schwarz“, berichtete er. „Ich musste zum Notarzt, habe Medikamente erhalten. Das Sehvermögen ist wieder da, aber im Moment sehe ich alles wie durch einen Schleier.“ Zumindest 80 Minuten lang sorgten Müllers Schützlinge dann dafür, dass der Trainer relativ entspannt auf der Bank verbringen konnte. „Fußballerisch waren wir besser, auch wenn ich mir etwas mehr Tempo in unseren Aktionen gewünscht hätte“, resümierte der RBC-Coach, der seine Startformation gegenüber dem vorangegangenen Punktspiel in Markkleeberg (1:1) auf zwei Positionen änderte. Neu in die Mannschaft rückten Zdenek Kopas und Doppel-Torschütze Florian Müller, für die Ex-Dynamo Kiesse Wete (ohne Einsatz) und der später eingewechselte Philipp Schramm auf die Bank ausweichen mussten. „Gefreut habe ich mich über Benno Töppel, Florian Müller und Julius Groß, deren Leistungen absolut in Ordnung waren.“ Was der Radebeuler Trainer allerdings immer mal wieder vermisst, ist die Gier einiger seiner Jungs. „Eine Szene kurz vor Schluss war symptomatisch. Zedenek Kopas steuert allein auf Lipsias Torhüter Gerstenberger zu, braucht den Ball nur zum mitlaufenden Müller schieben, der dann vor dem leeren Tor steht. Aber Zdenek will da noch etwas für die Galerie zaubern und versiebt die klare Chance zum fünften Tor.“

Dennoch gelang die Revanche für das Hinspiel (1:2), auch wenn die spielerischen Elemente an diesem sonnigen Nachmittag eher in den Hintergrund rückten. „Ja, sicher, am Ende waren es über weite Strecken eher drei erkämpfte Punkte“, gab Müller zu. „Aber im Wettstreit um den Ligaverbleib zählt am Ende nur, was wir auf dem Punktekonto verbucht haben.“ Insgesamt stehen für den RBC noch acht Saisonpartien an, davon vier zu Hause. Unter anderem gastieren Stahl Riesa und der Großenhainer FV in der Karl-May-Stadt. „Wir haben alles in der Hand und mit zuletzt fünf Punkten aus drei Spielen die Grundlage gelegt, am 16. Juni zu Hause gegen den FC Lößnitz den Klassenerhalt zu feiern“, sagt Müller. „Was dazu notwendig ist, habe ich meinen Spielern oft genug erzählt, jetzt müssen sie es auf dem Rasen richten.“