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Donnerstag, 05.02.2015

Am 13. Februar geht der Hofkirche ein Licht auf

Zum 70. Jahrestag der Zerstörung weiter Teile Dresdens kommt Bundespräsident Joachim Gauck. Neonazis drohen Missbrauch an.

Von Andreas Weller

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So hoffnungsvoll grün könnte die Kathedrale in der nächsten Woche über der Elbe leuchten.
So hoffnungsvoll grün könnte die Kathedrale in der nächsten Woche über der Elbe leuchten.

© Montage: Stuart Williams

  • So hoffnungsvoll grün könnte die Kathedrale in der nächsten Woche über der Elbe leuchten.
    So hoffnungsvoll grün könnte die Kathedrale in der nächsten Woche über der Elbe leuchten.

Dresden bereitet sich auf den 70. Jahrestag der Zerstörung weiter Teile der Stadt vor. Zentrales Element wird die Gedenkveranstaltung in der Frauenkirche um 16 Uhr. Dort sprechen Bundespräsident Joachim Gauck, Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) und Landesbischof Jochen Bohl vor 1 400 geladenen Gästen, darunter auch Zeitzeugen, die die Bombardierung überlebt haben. Gauck wird auch an der anschließenden Menschenkette teilnehmen und sich einreihen.

Einige von Dresdens Partnerstädten beteiligen sich ebenfalls an der Würdigung des Jahrestages. So wird der Chor der Nikolaikirche aus Hamburg gemeinsam mit dem Chor der Lukaskirche „concentus vocalis“ beim Mozartrequiem in der Lukaskirche am Sonnabend, dem 14. Februar, um 16 Uhr musizieren. Aus der englischen Stadt Coventry kommen neben der offiziellen Delegation der Stadt kirchliche Vertreter, wie der Bischof von Coventry Christopher Cocksworth, der Dean of Coventry John Witcombe und eine Delegation der Friends of the Coventry Cathedral.

„Lebensatem Dresden“, nennt Stuart Williams seine Lichtinstallation. Die wird am 13. Februar an der Kathedrale zu sehen sein. Der Künstler aus Columbus (Ohio, USA) lässt zu Ehren des Überlebens und Wiederaufbaus der Stadt und im Gedenken an den 70. Jahrestag dieses „bedeutungsvollen Momentes der Weltgeschichte“ die Fassade der Kathedrale durch Licht so transformieren, dass sie scheinbar atmen wird. Lichtwellen werden im Rhythmus des menschlichen Atmens an der Fassade der Kirche ansteigen und abfallen.

„Angesichts der fast vollständigen Zerstörung Dresdens im Februar 1945 denke ich, dass ein scheinbar atmendes historisches Gebäude dieser Stadt ein tief bewegender Anblick sein wird. Als Künstler sehe ich das Projekt auch als Möglichkeit, dem Überleben und Wiederaufbau einer wunderschönen Stadt Respekt zu zollen. Letztendlich ist das eine Lebensbejahung“, so Williams. Der Künstler will ab dem Wochenende in Dresden sein und seine Installation an der Fassade vorbereiten.

Zahlreiche andere Veranstaltungen, Kundgebungen und Gottesdienste werden rund um den Gedenktag stattfinden. „Seit dem 26. Januar laufen unterschiedlichste Veranstaltungen zu dem Thema“, so Joachim Klose, Moderator der Arbeitsgemeinschaft 13. Februar. So veranstalten die Interessengemeinschaft 13. Februar 1945, die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, die Stadt Radebeul und die Evangelische Hochschule Dresden am 11. und 12. Februar ein Kolloquium zum Thema Frieden. In Dresden und in Radebeul diskutieren Vertreter aus 15 europäischen Städten über Frieden als kommunale Aufgabe. Am 12. Februar gibt es außerdem ab 16 Uhr eine Kundgebung vor dem Bahnhof Neustadt. Das Kirchspiel Dresden-Neustadt gedenkt der deportierten Juden im Zweiten Weltkrieg. Zwei Deportationszüge starteten vom dortigen Güterbahnhof.

Menschenkette schließt um 18 Uhr

Alleine für den 13. Februar sind bisher elf Demonstrationen, Versammlungen und Kundgebungen angemeldet. Die größte wird wohl erneut die Menschenkette, bei der mit rund 11 000 Teilnehmern gerechnet wird. Bereits um 16 Uhr sollen sich die Bürger auf dem Neumarkt versammeln. Dort wird die Gedenkveranstaltung aus der Frauenkirche übertragen. Gegen 17.15 Uhr begrüßt dann Bundespräsident Gauck die Anwesenden und Helma Orosz hält auch eine kurze Rede. Danach verteilen sich die Menschen über die Carolabrücke und über die Augustusbrücke bis auf die Neustädter Elbseite (siehe Grafik). Gegen 18 Uhr soll die Menschenkette geschlossen werden und so lange geschlossen bleiben, wie die Dresdner Kirchenglocken läuten. „Als starkes Zeichen gegen den Missbrauch unseres Gedenkens“, so Orosz.

Bereits um 13 Uhr startet an dem Tag der Mahngang Täterspuren. Dieser führt wieder an Orte, an denen Nazis im Dritten Reich in Dresden aktiv waren. Damit soll dokumentiert werden, dass Dresden keine unschuldige Stadt war. Die Anmelder rechnen mit etwa 3 000 Teilnehmern. Treffpunkt ist an der Helmut-Schön-Allee, dann geht es über die Comeniusstraße, den Dr.-Külz-Ring und den Postplatz. „Ob der Mahngang am Neumarkt oder an der Synagoge endet, ist noch nicht geklärt“, so Silvio Lang, Sprecher des Bündnisses Dresden Nazifrei. Aus dem Ordnungsamt hieß es, man habe sich auf die Synagoge geeinigt.

Außerdem gibt es zahlreiche weitere Anmeldungen. So rechnet die Frauenkirche mit rund 5 000 Teilnehmern bei ihren Veranstaltungen „wahrhaftig erinnern“, den „Dresdner Gedenkweg“ und der „Nacht der Stille“ vor und in der Kirche. Die Grünen haben den Platz an der Trümmerfrau für eine Mahnwache gebucht. „Diesen Platz belegen wir zusätzlich auch am 12. und 14. Februar“, so Parteichef Michael Schmelich. „Wir wollen dieses Symbol des Antifaschismus schützen.“

Der Jenaer Jugendpfarrer Lothar König lädt um 12 Uhr zum Friedensgebet auf dem Neumarkt ein. Für die Versammlung hat er seinen Lautsprecherwagen (Lauti) und rund 200 Teilnehmer angemeldet.

Kein Gedenken auf Heidefriedhof

Wegen des Besuchs des Bundespräsidenten und weil an einem neuen Konzept gearbeitet wird, gibt es in diesem Jahr keine offizielle Veranstaltung auf dem Heidefriedhof. „Aber die Volksgräberfürsorge empfiehlt, individuell auf die Friedhöfe der Stadt zu gehen“, so Klose. Zudem gibt es viele Gottesdienste, beispielsweise um 18.30 Uhr einen offenen in der Synagoge oder den Friedensgottesdienst um 20.30 Uhr in der Kreuzkirche.

Was von den Neonazis zu erwarten ist, bleibt noch unklar. „Wir müssen uns auf Provokationen einstellen“, so Klose. Dresden Nazifrei rechnet damit, dass die Rechtsextremen kurzfristig zwischen dem 12. und 14. Februar Veranstaltungen anmelden. Das bestätigt auch der bisherige Anmelder der Neonazi-Aufmärsche in Dresden, Maik Müller. „Dies ist auch Bestandteil unserer juristischen Erwägungen.“ Man könne 48 Stunden vorher anmelden oder sogar kurzfristiger. Aus Angst vor gewalttätigen Übergriffen von Gegendemonstranten, begründet Müller. Man habe auch David Irving eingeladen. Der englische Geschichtsrevisionist und Holocaustleugner hat in mehreren Staaten Einreiseverbot. Er hat unter anderem ein Buch über die Luftangriffe auf Dresden geschrieben, leugnete Adolf Hitlers Initiative am Zweiten Weltkrieg und sein Wissen vom Holocaust. „Dessen Antwort erwarten wir noch“, so Müller.

Außerdem droht Müller offen, seine Truppen könnten sich am öffentlichen Geschehen in der Stadt jederzeit beteiligen. „Immerhin werden auch in diesem Jahr wieder Ordnerkräfte beispielsweise für die Menschenkette gesucht.“ Dort haben sich Neonazis bereits mehrfach eingeschlichen. (awe)