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Altkanzler Helmut Kohl ist gestorben

Trauer um einen großen Staatsmann: Helmut Kohl, der Kanzler der deutschen Wiedervereinigung, ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Die Welt verliert eine prägende Persönlichkeit der Nachkriegszeit.

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© dpa

Ludwigshafen.Helmut Kohl, Kanzler der Einheit und Wegbereiter der Europäischen Union, ist tot. Der langjährige CDU-Vorsitzende starb im Alter von Jahren am 87 Jahren, wie sein Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin sagte. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung darüber berichtet.

Stationen im Leben von Helmut Kohl

Helmut Kohl [l] noch im Schatten von Bundeskanzler Konrad Adenauer am 1.5.1967 in Bonn.
Helmut Kohl [l] noch im Schatten von Bundeskanzler Konrad Adenauer am 1.5.1967 in Bonn.
24. CDU Parteitag vom 24.-26. Mai 1976 in Hannover: der CDU Vorsitzende Helmut Kohl (r) und Kurt Biedenkopf.
24. CDU Parteitag vom 24.-26. Mai 1976 in Hannover: der CDU Vorsitzende Helmut Kohl (r) und Kurt Biedenkopf.
Das Archivbild vom 4.10.1982 zeigt Bundeskanzler Helmut Kohl [r] und seinen Vorgänger Helmut Schmidt auf dem Weg zum Kanzleramt zur Amtsübergabe.
Das Archivbild vom 4.10.1982 zeigt Bundeskanzler Helmut Kohl [r] und seinen Vorgänger Helmut Schmidt auf dem Weg zum Kanzleramt zur Amtsübergabe.
Das Archivbild vom 1.10.1982 zeigt den damaligen CDU-Vorsitzenden Helmut Kohl bei seiner Vereidigung zum Bundeskanzler im Bundestag mit Bundestagspräsident Richard Stücklen [vorn, Person im Hintergrund nicht identifiziert]. Durch das Mißtrauensvotum gegen den damaligen Amtsinhaber Helmut Schmidt [SPD] war Kohl mit 256 von 495 abgegebenen Stimmen zum ersten Mal zum Bundeskanzler gewählt worden. dpa COLOR [zu dpa-Themenpaket "Wahlen/Bundestag", dpa-Korr-Bericht "Bisher nur zwei Machtwechsel auf Bundesebene" vom 17.8.1998]  Foto:  / Kostenfrei /
Das Archivbild vom 1.10.1982 zeigt den damaligen CDU-Vorsitzenden Helmut Kohl bei seiner Vereidigung zum Bundeskanzler im Bundestag mit Bundestagspräsident Richard Stücklen [vorn, Person im Hintergrund nicht identifiziert]. Durch das Mißtrauensvotum gegen den damaligen Amtsinhaber Helmut Schmidt [SPD] war Kohl mit 256 von 495 abgegebenen Stimmen zum ersten Mal zum Bundeskanzler gewählt worden. dpa COLOR [zu dpa-Themenpaket "Wahlen/Bundestag", dpa-Korr-Bericht "Bisher nur zwei Machtwechsel auf Bundesebene" vom 17.8.1998] Foto: / Kostenfrei /
Das Archivbild vom 01.10.1982 zeigt den gestürzten Bundeskanzler Helmut Schmidt [r, SPD], der seinem Nachfolger Helmut Kohl [M,CDU] zu dessen Wahl gratuliert.
Das Archivbild vom 01.10.1982 zeigt den gestürzten Bundeskanzler Helmut Schmidt [r, SPD], der seinem Nachfolger Helmut Kohl [M,CDU] zu dessen Wahl gratuliert.
Die Kombo zeigt den vierten deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt [l., Archivbild vom Juli 1977] und seinen Nachfolger, Helmut Kohl.
Die Kombo zeigt den vierten deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt [l., Archivbild vom Juli 1977] und seinen Nachfolger, Helmut Kohl.
Historische Geste: Der französische Staatspräsident Francois Mitterrand [l] und Bundeskanzler Helmut Kohl reichen sich am 22.9.1984 über den Gräbern von Verdun die Hand.
Historische Geste: Der französische Staatspräsident Francois Mitterrand [l] und Bundeskanzler Helmut Kohl reichen sich am 22.9.1984 über den Gräbern von Verdun die Hand.
Bundeskanzler Helmut Kohl am 05.09.1990 von Massen umringt bei einer Wahlkampfveranstaltung in Heiligenstadt in Thüringen.
Bundeskanzler Helmut Kohl am 05.09.1990 von Massen umringt bei einer Wahlkampfveranstaltung in Heiligenstadt in Thüringen.
US-Präsident Ronald Reagan während seiner Rede vor der Berliner Mauer am Brandenburger Tor am 12.06.1987
US-Präsident Ronald Reagan während seiner Rede vor der Berliner Mauer am Brandenburger Tor am 12.06.1987
Der Staatsratvorsitzende und SED-Generalsekretär Erich Honecker (r) wird von Bundeskanzler Helmut Kohl (l) vor dem Bonner Bundeskanzleramt in einer offiziellen Begrüßung mit militärischem Zeremoniell empfangen.
Der Staatsratvorsitzende und SED-Generalsekretär Erich Honecker (r) wird von Bundeskanzler Helmut Kohl (l) vor dem Bonner Bundeskanzleramt in einer offiziellen Begrüßung mit militärischem Zeremoniell empfangen.
Kohl-Besuch in Dresden im Dezember 1989: Helmut Kohl winkt und Hans Modrow schaut zu.
Kohl-Besuch in Dresden im Dezember 1989: Helmut Kohl winkt und Hans Modrow schaut zu.
Bundeskanzler Helmut Kohl neben Wolfgang Berghofer, Oberbürgermeister von Dresden, anlässlich eines Treffens in Dresden im Jahr 1989
Bundeskanzler Helmut Kohl neben Wolfgang Berghofer, Oberbürgermeister von Dresden, anlässlich eines Treffens in Dresden im Jahr 1989
Helmut Kohl (l) im Gepräch mit Michail Gorbatschow im Juli 1990.
Helmut Kohl (l) im Gepräch mit Michail Gorbatschow im Juli 1990.
Bundeskanzler Helmut Kohl (r), der sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow (M) und Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (l) unterhalten sich am 15.07.1990 in entspannter Atmosphäre an einem rustikalen Arbeitstisch in der freien russischen Natur, während die anderen Gäste unter anderem Raissa Gorbatschowa (M hinten) und Eduard Schewardnadse amüsiert die Szene betrachten.
Bundeskanzler Helmut Kohl (r), der sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow (M) und Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (l) unterhalten sich am 15.07.1990 in entspannter Atmosphäre an einem rustikalen Arbeitstisch in der freien russischen Natur, während die anderen Gäste unter anderem Raissa Gorbatschowa (M hinten) und Eduard Schewardnadse amüsiert die Szene betrachten.
Wiedervereinigung: Bundeskanzler Helmut Kohl [2.v.r.] winkt am 3.10.1990 zum Geläut der Freiheitsglocke von der Freitreppe des Berliner Reichstages.
Wiedervereinigung: Bundeskanzler Helmut Kohl [2.v.r.] winkt am 3.10.1990 zum Geläut der Freiheitsglocke von der Freitreppe des Berliner Reichstages.
Der sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (r) und Bundeskanzler Helmut Kohl im September 1994 auf einer Pressekonferenz in Bonn.
Der sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (r) und Bundeskanzler Helmut Kohl im September 1994 auf einer Pressekonferenz in Bonn.
Bundeskanzler Helmut Kohl[l] und US-Präsident Bill Clintonim März 1996 vor einem Meer deutscher und amerikanischer Fahnen in Milwaukee.
Bundeskanzler Helmut Kohl[l] und US-Präsident Bill Clintonim März 1996 vor einem Meer deutscher und amerikanischer Fahnen in Milwaukee.
Bundeskanzler Helmut Kohl und seine Frau Hannelore im Sommer 1998 auf der Jausenstation Holzingerbauer bei St. Gilgen am Wolfgangsee.
Bundeskanzler Helmut Kohl und seine Frau Hannelore im Sommer 1998 auf der Jausenstation Holzingerbauer bei St. Gilgen am Wolfgangsee.
Vladimir Putin empfing Helmut Kohl  2001 im Kreml.
Vladimir Putin empfing Helmut Kohl 2001 im Kreml.
Angela Merkel und Helmut Kohl bei der Damen-Fußball-WM  2011 in Frankfurt.
Angela Merkel und Helmut Kohl bei der Damen-Fußball-WM 2011 in Frankfurt.
25 Jahre nach seiner ersten Rede in Dresden vor der Ruine der Frauenkirche besucht der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl im Dezember 2014.
25 Jahre nach seiner ersten Rede in Dresden vor der Ruine der Frauenkirche besucht der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl im Dezember 2014.
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban (l) besucht am 19.04.2016 in Oggersheim bei Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) den früheren Bundeskanzler Helmut Kohl  in dessen Privathaus.
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban (l) besucht am 19.04.2016 in Oggersheim bei Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) den früheren Bundeskanzler Helmut Kohl in dessen Privathaus.

Den Angaben zufolge starb Kohl am Morgen in seinem Haus in Ludwigshafen. Seit einem Sturz und Schädel-Hirn-Trauma 2008 war er schwer krank, saß im Rollstuhl und konnte nur schwer sprechen. 2015 hatte sich sein Zustand deutlich verschlechtert. Nach Operationen lag er monatelang im Krankenhaus. Im Herbst kehrte Kohl aber wieder in sein Haus in Ludwigshafen-Oggersheim zurück, wo er zuletzt im April 2016 noch Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orban empfing.

Kohl hat Deutschland von 1982 bis 1998 als Bundeskanzler regiert - 16 Jahre, so lange wie bisher niemand vor und nach ihm. Er war treibende Kraft für die EU und eine gemeinsame Währung.

Politiker würdigen Altkanzler Helmut Kohl

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD):

„Er war ein großer Staatsmann, ein großer deutscher Politiker und vor allem ein großer Europäer, der sehr viel dafür getan hat, dass nicht nur die Deutsche Einheit gekommen ist, sondern auch dass Europa zusammengewachsen ist“, teilte Gabriel am Freitagabend mit. „Das ist sein großes Vermächtnis. So wird er uns in Erinnerung bleiben. Wir sind in diesen Minuten in Gedanken bei seiner Familie und seinen Kindern. Es ist ein wirklich großer Deutscher gestorben.“

Mark Rutte, niederländische Ministerpräsident:

„Deutschland verliert einen großen Staatsmann. Helmut Kohl hat als Bundeskanzler der Einheit die deutsche Geschichte und damit die europäische Geschichte geprägt.“

Charlotte Knobloch, ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland:

„Mein besonderer Dank gilt seinem unermüdlichen Engagement für Versöhnung und das gute, vertrauensvolle und freundschaftliche Miteinander von nichtjüdischen und jüdischen Menschen in Deutschland. Zwei Entwicklungen bleiben für immer mit seiner langen Amtszeit und seinem Namen verbunden: die Deutsche Einheit und die Voraussetzung dafür, die Vertiefung der europäischen Einigung.“

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg:

„Helmut Kohl war die Verkörperung eines vereinten Deutschlands in einem vereinten Europa. Als die Berliner Mauer fiel, zeigte er sich der Situation gewachsen. Ein echter Europäer.“

Sachsens SPD-Chef Martin Dulig:

„Obwohl wir politisch in vielen Dingen weit voneinander entfernt sind, zolle ich seiner Leistung als Bundeskanzler, die Einheit Deutschlands vorangetrieben zu haben, den größten Respekt. Mit Helmut Kohl ist ein großer Europäer gestorben, der sich für die Versöhnung und Entwicklung der Europäischen Union eingesetzt hat“.

EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani:

„Ein großer Deutscher und großer Europäer ist von uns gegangen. Ich verneige mich vor der Lebensleistung von Helmut Kohl.“

Belgiens Premierminister Charles Michel:

„Ein wahrer Europäer ist heute von uns gegangen. Helmut Kohl wird uns fehlen. Mein herzliches Beileid an seine Familie und Freunde.“

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer:

„Unser Land trauert um den Kanzler der Wiedervereinigung. Sein Name wird auf alle Zeit verbunden bleiben mit der Wiedervereinigung unseres Vaterlandes.“ Kohl habe immer an die Einheit geglaubt und auf sie hingearbeitet. Im richtigen Augenblick habe er mit Tatkraft, Entschlossenheit, Geschick und Weitblick die historisch einmalige Chance zur Wiedervereinigung ergriffen. „Als langjähriges Mitglied seines Bundeskabinetts macht mich sein Tod auch ganz persönlich sehr betroffen.“

Bundesjustizminister Heiko Maas:

„Der ewige Kanzler und große Europäer geht. Seine Verdienste um die Deutsche Einheit bleiben. Wir trauern um Helmut Kohl.“

Bundesverteidigungsministerin und CDU-Vize Ursula von der Leyen:

„Helmut Kohl hat den Moment erkannt, in dem es möglich war, das Land wieder zu vereinen und zugleich ins Herz Europas zu führen. Das war ein Meisterstück an politischem Instinkt und Tatkraft. Sein Tod ist ein großer Verlust. Für die CDU wird er immer ein Fixpunkt bleiben.“

Unionsfraktionschef Volker Kauder.

„Er war Wegbereiter der deutschen Einheit und hat auch die Einheit Europas entscheidend gefördert. Diese Leistungen können allenfalls mit denen des ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer verglichen werden. ... Gerade in diesen außenpolitisch unruhigen Zeiten sollten wir uns immer daran erinnern, wie wichtig das geeinte Europa für uns ist. Wir werden Helmut Kohl nicht vergessen, sondern sein Andenken ehren.“

FDP-Chef Christian Lindner:

„Helmut Kohl war Kanzler der Einheit & leidenschaftlicher Europäer. Er hat eine Generation politisch geprägt. Wir verneigen uns vor ihm. CL“

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker:

„Helmut Kohl hat das europäische Haus mit Leben erfüllt ? nicht nur, weil er Brücken nach Westen wie nach Osten gebaut hat, sondern auch, weil er niemals aufgehört hat, noch bessere Baupläne für die Zukunft Europas zu entwerfen.“

UN-Generalsekretär António Guterres vor Journalisten in New York:

„Es ist offensichtlich, welche historische Rolle Herr Kohl bei der Wiedervereinigung von Deutschland nur ein Jahr nach dem Fall der Berliner Mauer gespielt hat und beim historischen Weg, auf den er Deutschland gebracht hat, indem er es so gut durch die Wiedervereinigung geführt hat.“

Der frühere US-Präsident George H. W. Bush in einem von seinem Büro verbreiteten Statement:

„Er ist der Mann, den ich als einen der größten politischen Führungsfiguren im Nachkriegseuropa ansehe“ „Wie viele, die Zeuge wurden der unaussprechlichen Verkommenheit und des Elends dieser Zeit, hasste Helmut (Kohl) den Krieg. Aber er verabscheute noch mehr den Totalitarismus.“

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron:

„Meister des vereinigten Deutschlands und der deutsch-französischen Freundschaft: Mit Helmut Kohl verlieren wir einen sehr großen Europäer.“

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu:

„Seine Sympathie für Israel und den Zionismus ist bei vielen Treffen mit mir deutlich geworden, und in seiner entschlossenen Haltung für Israel, die er immer wieder in Europa und internationalen Foren gezeigt hat.“

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich:

„Der Tod Helmut Kohls erfüllt mich mit großer Trauer. Die Menschen in Sachsen, ja ich ganz persönlich haben ihm, seinem politischen, historischen Wirken so viel zu verdanken. Seine Rede in Dresden 1989, wo er zu den Menschen, die zuvor so entschlossen auf die Straßen gingen, sprach, hat uns allen Mut gemacht, Hoffnung gegeben, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Diesen Weg ist er konsequent gegangen: Zur Einheit unseres Vaterlandes, zum Aufbau der neuen Länder und zur Vereinigung Europas. Heute leben wir in blühenden Landschaften, teilen Frieden und Freiheit mit unseren Freunden in Osteuropa und sind ein starker Partner in der Welt. Das ist das Erbe Helmut Kohls, dem wir verpflichtet sind. Das sind seine Leistungen, für die wir dankbar sind. Helmut Kohl hat viele Menschen begeistert, er hat Großes vollbracht - so behalten wir ihn Erinnerung, so bleibt er Vorbild für künftige Generationen.“

CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel:

Man werde noch lange bewundern, wie entschlossen er und seine Mitarbeiter die Gunst der Stunde zur deutschen Vereinigung genutzt hätten. „Das war höchste Staatskunst im Dienste der Menschen und des Friedens“, sagte Merkel am Freitag in Rom. „Helmut Kohl ist damit zu einem Glücksfall für uns Deutsche geworden.“ Kohl habe auch ihren Lebensweg entscheidend verändert. „Ich bin ganz persönlich dankbar, dass es ihn gegeben hat.“ Merkel hob hervor, dass Kohl auch ein Modernisierer der CDU gewesen sei.

Der frühere US-Präsident Bill Clinton:

„Er war aufgerufen, einige der monumentalsten Fragen seiner Zeit zu beantworten“, heißt es in einem von Clinton verbreiteten Statement. „Indem er sie richtig beantwortete, machte er die Wiedervereinigung eines starken, prosperierenden Deutschlands möglich und die Schaffung der Europäischen Union. Ich werde nie vergessen, wie ich mit ihm 1994 durch das Brandenburger Tor gegangen bin, zu einer Großkundgebung auf der Ostseite, als ich echte Hoffnung in den Augen Zehntausender junger Menschen gesehen habe. Ich wusste in diesem Moment, dass Helmut Kohl der Mann war, der ihnen dabei helfen konnte, ihre Träume zu verwirklichen. Die Geschichte zeigt auch weiterhin, dass er geliefert hat.“

Die Vorsitzenden von Partei und Fraktion Die Linke, Katja Kipping, Bernd Riexinger, Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch:

Die Führung der Linken hat Helmut Kohl als „eine prägende Persönlichkeit mit einem widersprüchlichen Erbe“ gewürdigt. „Über alle politischen Differenzen hinweg steht heute die Trauer um einen großen Europäer.“ Kohl habe die Bundesrepublik vor dem Jahrtausendwechsel geprägt wie nur wenige andere politische Persönlichkeiten. „Er war ein überzeugter Europäer, der zugleich mit der Fehlkonstruktion der Währungsunion eine - von ihm nicht beabsichtigte - Entwicklung einleitete, die Europa heute in seine tiefste Krise bringt.“

Kohl habe die deutsche Einheit zu seinem Anliegen gemacht, wenn auch die wirtschaftlichen Weichenstellungen „zu großen sozialen Verwerfungen in Ostdeutschland“ geführt hätten. „Er hat die soziale Spaltung des Landes nie so groß werden lassen wie seine Nachfolger und es vermieden, die Bundesrepublik in militärische Abenteuer zu stürzen.“

Franz Mayrhofer, der Vorsitzende des Tourismusverbandes St. Gilgen am Wolfgangsee:

Im einstigen Urlaubsort von Altbundeskanzler Helmut Kohl St. Gilgen am Wolfgangsee in Österreich hat die Todesnachricht Betroffenheit ausgelöst. „Dr. Kohl war Ehrenbürger von St. Gilgen und der Region überaus verbunden. Über 30 Jahre hat das Ehepaar Helmut und Hannelore Kohl in St. Gilgen seinen Sommerurlaub verbracht und mit vielen Menschen am Wolfgangsee einen liebevollen Kontakt gepflegt.“ Obwohl Kohl nach dem Tod seiner ersten Frau 2001 nicht mehr nach St. Gilgen kam, sei er ihm, Mayrhofer, weiter freundschaftlich verbunden geblieben. Mayrhofer betreibt im Ort eine Konditorei, die eigens zu Ehren von Helmut Kohl eine „Kanzlertorte“ kreiert hat. Am Ufer des Wolfgangsees gibt es auch einen Helmut-Kohl-Park.

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Die wichtigsten Stationen im Leben Helmut Kohls:

1930: Geboren am 3. April in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz)

1947: Eintritt in die CDU

1958: Promotion nach Studium der Rechts-, Sozial- und Staatswissenschaften

1959: Mitglied des Landtags von Rheinland-Pfalz (bis 1976)

1960: Heirat mit Hannelore Renner (gestorben 2001), zwei Söhne

1966: Vorsitzender der CDU Rheinland-Pfalz (bis 1974)

1969: Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz (bis 1976)

1969: Vize-Bundesvorsitzender der CDU (bis 1973)

1973: Bundesvorsitzender der CDU (bis November 1998)

1976: CDU/CSU-Kanzlerkandidat, Vorsitzender der Bundestagsfraktion (bis 1982)

1980: CSU-Chef und Rivale Franz Josef Strauß wird Kanzlerkandidat

1982: Am 1. Oktober Wahl zum Bundeskanzler durch konstruktives Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt (SPD), CDU/CSU-FDP-Koalition

1983: Wiederwahl zum Kanzler nach vorgezogener Bundestagswahl, im November Durchsetzung des NATO-Doppelbeschlusses im Bundestag

1984: Hand in Hand mit französischem Präsidenten François Mitterrand auf Soldatenfriedhof in Verdun

1985: Mit US-Präsident Ronald Reagan auf Soldatenfriedhof Bitburg

1987: 25. Januar Wiederwahl zum Bundeskanzler

1989: Im September „Putschversuch“ gegen Kohl auf Bremer Parteitag

1990: Kohl stellt Weichen für Wiedervereinigung am 3. Oktober

1991: Am 17. Januar Wahl zum Kanzler im vereinten Deutschland

1992: Vertrag von Maastricht mit Weichenstellungen zur Europäischen Verfassung und Währungsunion

1994: Letzte Wiederwahl zum Bundeskanzler

1998: Niederlage bei Wahl, Ende der Kanzlerschaft am 26. Oktober nach Rekordamtszeit von mehr als 16 Jahren

1998: Abgabe des CDU-Vorsitzes, Annahme des Ehrenvorsitzes

1999: Im Dezember Eingeständnis, von 1993 bis 1998 nicht ausgewiesene Parteispenden entgegengenommen zu haben

2000: Rückgabe des CDU-Ehrenvorsitzes wegen der CDU-Spendenaffäre

2001: Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen Geldbuße

2002: Ausscheiden aus dem Bundestag nach 26 Jahren

2008: Klinikaufenthalt nach schwerem Sturz im Februar, Schädel-Hirn-Trauma, im Mai Heirat mit Maike Richter in Reha-Klinik

2009: Ende Oktober gesundheitlich angeschlagen bei Feierstunde der Adenauer-Stiftung zum 20. Jahrestag des Mauerfalls

2010: Januar/Februar Klinikaufenthalt wegen Gallenblasen-Operation

2011: Im Juli kommt Kohl nicht zu Gedenkfeier am zehnten Todestag seiner Frau Hannelore

2012: Im Februar erhält Kohl Herzschrittmacher und neue Herzklappe

2012: Im Februar erhält Kohl Herzschrittmacher und neue Herzklappe

2012: Im September erster Auftritt vor Unions-Bundestagsfraktion nach 10 Jahren und Festakt der Konrad-Adenauer-Stiftung zum 30. Jahrestag von Kohls erster Kanzlerwahl

2013: Reha-Aufenthalt am Tegernsee

2014: Rechtsstreit mit seinem früheren Ghostwriter Heribert Schwan

2014: Im November stellt Kohl in Frankfurt am Main sein Buch „Aus Sorge um Europa“ vor, er ist sichtlich angeschlagen

2014: Im Dezember nimmt Kohl in Dresden an einem Festakt zum 25. Jahrestag seiner Rede vor der zerstörten Frauenkirche teil

2015: Im Mai Hüft-Operation, anschließend Darm-Operation

2016: Im April empfängt er zu Hause Ungarns Regierungschef Viktor Orban

2017: Am 16. Juni stirbt Kohl

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Als sein größter Erfolg gilt aber die deutsche Wiedervereinigung. Kohl erkannte nach der friedlichen Revolution in der DDR 1989, dass das Fenster für die deutsche Einheit nur kurz geöffnet sein würde. Unter Hochdruck handelte er mit den Staats- und Regierungschefs der USA, der Sowjetunion, Großbritanniens, Frankreichs sowie den Verantwortlichen der Europäischen Union die Modalitäten dafür aus.

Kohl war ein Mann der politischen Rekorde: Von 1973 bis 1998 war er CDU-Vorsitzender - eine 25-jährige Amtszeit dürfte in der Partei nur schwer noch einmal zu erreichen sein.

Bundeskanzlerin Angela Merkel führt die Christdemokraten seit 17 Jahren. Kohl war Anfang der 90er Jahre ihr Ziehvater in Bundesregierung und Partei gewesen. Aber sie war es, die Ende der 90er Jahre als damalige CDU-Generalsekretärin die Partei wegen der Spendenaffäre, in die Kohl maßgeblich verwickelt war, zur Loslösung vom Übervater aufforderte. Das Verhältnis der beiden blieb bis zuletzt erschüttert.

Mehr als 40 Jahre war der geborene Ludwigshafener Parlamentarier, zuerst im Mainzer Landtag und von 1976 an im Bundestag. Sieben Jahre - von 1969 bis 1976 - war Kohl Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz.

1960 heiratete er die Dolmetscherin Hannelore Renner. Das Ehepaar bekam zwei Söhne - Walter und Peter. 2001 nahm sich Hannelore Kohl, die an einer schmerzhaften Lichtallergie litt, das Leben. Sieben Jahre später schloss Kohl seine zweite Ehe mit der 34 Jahre jüngeren Regierungsdirektorin Maike Richter. (dpa)

Der Kondolenz Blog für Helmut Kohl.