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Mittwoch, 14.02.2018

Alte Halde wird Naturparadies

Auf die Fläche am Elberadweg in Kötitz kommen neue Bäume und Sträucher. Einige Robinien verschwinden.

Von Ines Scholze-Luft

Erstreckt sich entlang des Elberadwegs: Die Halde im Coswiger Ortsteil Kötitz. Hier wird bald für den Naturschutz gearbeitet.
Erstreckt sich entlang des Elberadwegs: Die Halde im Coswiger Ortsteil Kötitz. Hier wird bald für den Naturschutz gearbeitet.

© SZ/ Ines Scholze-Luft

Coswig. Wer auf dem Elberadweg zwischen Fährhaus Kötitz und Skopis Elbgarten unterwegs ist, kann sie nicht übersehen. Die einstige Halde unterhalb des weithin sichtbaren Zellstoffwerk-Schornsteins. Ein stattlicher Laubwald wächst auf dem langgestreckten hohen Hügel, dichte Brombeerhecken säumen die Ränder. Jahrelang beschäftigte die Halde, eine Fläche des nach der Wende abgerissenen Zellstoffwerks Coswig, Anwohner und Behörden wegen illegaler Ablagerungen von Altholz und Bauschutt. 2005/06 wurde sie schließlich zum Teil abgetragen und neu profiliert. Im Herbst sollen auf dem der Stadt gehörenden Gelände Pflegearbeiten für den Naturschutz beginnen. Gemäß dem im Jahr 2010 beschlossenen Bebauungsplan für das Industrie- und Gewerbegebiet Kötitz. Die Ausführungsplanung ist bereits mit der Naturschutzbehörde abgestimmt, sagt Bauamtschef Wolfgang Weimann.

Vorgesehen ist, einen umlaufenden Pflegeweg als Wiesenweg anzulegen. Am Nordrand, an der Grenze zur ehemaligen Sachsenwelle, werden Bäume und Sträucher gepflanzt. Die weit verbreiteten Robinien sollen nach und nach zurückgedrängt werden. Ein vom Planungsbüro veranlasstes Befliegen der Halde per Drohne ergab bei über 80 Prozent der Fläche einen Kronenschluss. Auch Jungwuchs von Eichen zeigt sich. Deren Entwicklung soll die behutsame Entnahme von Robinien zugutekommen. Die Eichen setzen sich durch, sagt Wolfgang Weimann. In 100 Jahren gäbe es hier wahrscheinlich selbst ohne Zutun des Menschen einen Eichenwald.

Stadtrat Thomas Werner-Neubauer (Grüne) sieht das Eindämmen der Robinien, ebenso des Spitzahorns, positiv. Haben sich die invasiven Pflanzen einmal angesiedelt, verdrängen sie oft nachhaltig einheimische Baumarten. Der Stadtrat verweist auch auf den Staudenknöterich. Ebenfalls eine Problempflanze, bei der besonders darauf geachtet werden müsse, dass sie sich nicht breitmacht. Sie könnte die auf der Halde entstandene Steppenvegetation gefährden.

Doch gerade die Lichtungen – auf etwa zehn bis 20 Prozent des Gebietes – sollen unbedingt erhalten bleiben, weil sie für viele Vögel und Insekten wichtig sind. Wolfgang Weimann spricht von einem Mosaik aus Wald und Offenland. Deshalb werden die Trockenrasenareale einmal im Jahr gemäht, damit sie nicht durch Büsche zuwachsen.

Insgesamt rund 76 000 Euro will die Stadt dieses Jahr in die Halde investieren. Vom Roden des Bewuchses auf dem Pflegeweg und der Pflanzfläche bis zum Pflanzen der 30 Heister – junge, bereits zweimal verpflanzte, 1,25 bis 2,50 Meter hohe Laubbäume. Dazu kommen später die Mittel für die dauerhafte Pflege, um Wege und Lichtung zuverlässig frei zuhalten.

Ein Naherholungsgebiet wird die Halde dadurch allerdings nicht. Im Vordergrund steht Wolfgang Weimann zufolge der Naturschutz. Und das städtische Ziel, dadurch auf der eigentlich wertlosen, zwei Hektar großen Fläche etwas Vorteilhaftes zu bewegen. Als grüner Rand zum Gewerbegebiet.

Mehr als den bisherigen Stichweg vom Schornstein zur Elbe wird es also nicht geben. Dafür aber ein Tor auf dem Zugang zum künftigen Pflegeweg. Damit die Natur sich ungestört entwickeln kann.

Was nicht zuletzt die Zauneidechsen betrifft, die sich auf der steilen Böschung an der Südseite der Halde ansiedeln sollen. Auf diesem Areal wird die Deges Naturschutz-Ausgleichsmaßnahmen für die S 84 umsetzen, auch für den tierischen Artenschutz.