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Dienstag, 03.10.2017

Als Ösi unter Ossis

David Brenner kam aus Salzburg nach Lampertswalde und hat die Sachsen schätzen gelernt – trotz Missverständnissen.

Von Jörg Richter

David Brenner: Der Salzburger ist seit vier Jahren Geschäftsführer bei Kronospan Lampertswalde.
David Brenner: Der Salzburger ist seit vier Jahren Geschäftsführer bei Kronospan Lampertswalde.

© Kristin Richter

Lampertswalde. Seit ziemlich genau vier Jahren lebt und arbeitet der Salzburger David Brenner in Sachsen. „Doch ich bin immer noch auf der Suche nach einem echten Wiener Schnitzel“, sagt der Geschäftsführer der Kronospan GmbH Lampertswalde augenzwinkernd. Er freut sich jedes Mal, wenn er sein Leibgericht auf der Menü-Karte entdeckt. Doch hat er das vermeintliche Wiener Schnitzel auf dem Teller, ist der Unterschied doch groß. Denn in Österreich wird es zumeist aus Kalbfleisch zubereitet, muss ganz flach geklopft sein und eine luftige Panierhaut haben. Die Schnitzel, die er in Sachsen serviert bekommt, sind meistens aus Schweinefleisch und auch nicht besonders dünn.

In gewisser Weise ist das Wiener Schnitzel Made in Saxonia wie die Sachsen selbst. Die Panierung täuscht nicht mehr Fleisch vor, als wirklich drin ist. Eben herzhaft, unkompliziert und ehrlich. Und genau diese Eigenschaften mag David Brenner so an den Leuten von hier.

„Von Anfang an wurde ich hier freundlich aufgenommen“, erzählt der Salzburger. Sowohl von seinen Kollegen in Lampertswalde als auch von seinen Nachbarn in der Dresdner Neustadt. Dabei kam ihm seine eigene offene Art zugute.

Trotzdem habe es anfangs ein paar Missverständnisse zwischen den Sachsen und ihm gegeben, was an der unterschiedlichen Art der Kommunikation liegt. „Die Sachsen sprechen viel direkter als die Österreicher“, hat Brenner festgestellt und nennt ein Beispiel: Wenn der Sachse in ein Restaurant kommt und einen Kaffee bestellt, sagt er: „Ich möchte eine Tasse Kaffee.“ Der Österreicher sei da in der Formulierung um einiges zurückhaltender und bevorzugt generell die Frageform: „Gibt es bei Ihnen eine Tasse Kaffee?“ Worauf Brenner von einer sächsischen Kellnerin prompt zur Antwort erhielt: „Ja, haben wir. Wollen Sie eine?“

Dieses Missverständnis setzte sich anfangs auch auf Arbeit fort. Ein sächsischer Chef würde dem Angestellten einen Arbeitsordner auf den Tisch legen und freundlich, aber bestimmend sagen: „Bitte erledigen Sie das!“ Wenn David Brenner aber seine Leute anweist, bleibt er bei seiner österreichischen Höflichkeit und sagt: „Könnten Sie sich das Mal anschauen?“ Anfangs führte das zu Missverständnissen. Mittlerweile hat Brenner von den Sachsen gelernt und ist selbst in seiner Sprache direkter geworden. Seine Mitarbeiter in Lampertswalde kennen ihn und wissen nun, was zu tun ist, wenn er wieder mal eine höfliche Frage stellt.

In den vier Jahren, die der Salzburger hier lebt, hat er sich ein Bild von den Sachsen gemacht. „Den klassischen Sachsen empfinde ich als freundlich, wertschätzend und gesellig“, sagt David Brenner. Da seien sich Sachsen und Österreicher ziemlich ähnlich. Auch eine gewisse Entspanntheit sei ihnen gemein. Ebenso die Fähigkeit, etwas zu genießen.

Wie zum Beispiel Soljanka. „Ich bin ein echter Soljanka-Fan“, verrät der 46-Jährige lachend. Auch in die sächsische Eierschecke habe er sich verliebt. Und das soll schon was heißen, „denn als Österreicher sind wir, was Kuchen betrifft, schon sehr verwöhnt“, sagt er. Doch auch bei Mehlspeisen gibt es ein paar verwirrende Sprachunterschiede. Pfannkuchen werden in Österreich Faschingskrapfen genannt. Und anfangs wusste er auch nichts mit dem Begriff Plinsen anzufangen, bis er feststellte, dass es sich dabei um einen Palatschinken handelt. Was Brenner an den Sachsen besonders schätzt, sei ihr Erfindergeist. „Sie sind pfiffig, unkompliziert, pragmatisch und können improvisieren“, sagt der Kronospan-Geschäftsführer. Eigenschaften, die wohl aus DDR-Zeiten herrühren, als in den volkseigenen Betrieben aber auch privat viel improvisiert werden musste. Dieses Talent dazu stelle er oft an seinen Kollegen auf Arbeit fest. Brenner: „Taucht irgendwo ein technisches Problem auf, erledigen sie es exakt, gewissenhaft und unaufgeregt.“

Sein Bild über die Sachsen ist grundsätzlich positiv. Nur eines beschäftigt ihn. „Ich werde in Österreich viel auf Pegida angesprochen“, erzählt er. In seiner Heimat würde man die Leute, die sich jeden Montagabend in Dresden treffen, nicht als Randgruppe angesehen. „Meine Familie und Freunde fragen mich, ob es mir in Sachsen gut geht“, erzählt er. „Der Zustrom zu diesen Bewegungen irritiert mich, gerade weil Sachsen sich gut entwickelt. Hier herrscht fast Vollbeschäftigung und die Wirtschaft wächst.“ Aber er kann seine Freunde zu Hause beruhigen, denn Sachsen sei viel mehr als Pegida und AfD.