erweiterte Suche
Montag, 24.07.2017 Schwimmen

Als Konkurrenten zu Mini-Olympia

Georg Schubert und Louis Dramm starten bei den europäischen Jugendspielen – und dann auch noch auf den gleichen Strecken.

Von Daniel Klein

Noch strahlen sie um die Wette. Bei den Jugendspielen in Györ werden aus den Freunden Georg Schubert (l.) und Louis Dramm aber Gegner. Pro Nation kommt nur ein Schwimmer ins Finale.
Noch strahlen sie um die Wette. Bei den Jugendspielen in Györ werden aus den Freunden Georg Schubert (l.) und Louis Dramm aber Gegner. Pro Nation kommt nur ein Schwimmer ins Finale.

© Robert Michael

Radebeul/Györ. Die Eröffnungsfeier am Sonnabend hatte fast alles, was man so mit Olympia verbincet: Feuer, Eid und, und, und. Nur alles eine Nummer kleiner – und dem Alter der Sportler angepasst. Louis Dramm freute sich im Vorfeld auf einen „total guten DJ“.

Sonst aber reisten der Dresdner und der Radebeuler Georg Schubert aber zum Schwimmen ins ungarische Györ, dem Gastgeber für das European Youth Olympic Festival, also die europäischen Jugendspiele, die es bereits seit 1991 gibt. Für Trainer Peter Bräunlich ist es der wichtigste kontinentale Nachwuchswettkampf überhaupt, hochkarätiger als eine Junioren-EM. „Beim Schwimmen dürfen pro Nation nur 16 Athleten nominiert werden. Das macht die Sache so kompliziert.“

Von den acht Jungs kommen gleich zwei vom Dresdner Stützpunkt. Noch dazu bestreitet das Duo in Györ die gleichen Einzeldisziplinen. Beide gehen über 50, 100 und 200 Meter Freistil an den Start, das erste Mal am heutigen Montag. Die interne Konkurrenz wird noch verschärft, weil pro Nation nur einer im Finale antreten darf, selbst wenn sich beide dafür qualifizieren konnten. „Noch hat unsere Freundschaft darunter nicht gelitten“, sagt Louis und grinst.

Ihre eigenen Chancen können sie nur schwer einschätzen. Auf die Konkurrenz aus Russland, Ungarn, Schweden und den Niederlanden treffen sie selten. „Wenn man sich die Siegerzeiten der vergangenen Jahre anschaut, ist über die kurzen Strecken ein Podestplatz möglich“, meint der 15-jährige Louis.

Um in Györ um eine Medaille mitkämpfen zu können, fielen die Sommerferien für die beiden Sportgymnasiasten bisher komplett aus. Zuletzt bereiteten sie sich zwei Wochen in Heidelberg auf ihre bisher wichtigsten Wettkämpfe vor. Dort trainierte auch die Nationalmannschaft, die seit gestern bei der WM in Budapest startet. Bei einer Einheit kraulte der 16-jährige Georg, der aus Radebeul kommt und für den SC Poseidon antritt, neben Philip Heintz. Der Lagenexperte hatte kürzlich einen deutschen Rekord aufgestellt, mit dieser Zeit hätte er bei den Spielen in Rio Silber gewonnen, nur Michael Phelps war über 200 Meter Lagen damals schneller. Georg musste eingestehen, dass „der Philip Heintz schon ein bisschen besser war als ich. Aber mit und neben den Cracks zu trainieren, ist schon cool.“

Weltmeisterschaften und Olympia – dorthin wollen die beiden auch einmal. Mini-Olympia in Györ soll nur eine Zwischenstation sein. Dass der Weg dorthin ein steiniger wird, wissen sie. Die Diskussionen über den kriselnden Schwimmsport in Deutschland bekämen sie mit. Und auch, dass immer weniger Jugendliche bereit sind, sich täglich zu schinden. „Wir haben ein großes Ziel vor den Augen. Dorthin kommt man nur, wenn man hart trainiert“, erklärt Louis.

Dazu gehört auch die Umsetzung des neuen und umstrittenen Kraftkonzepts von Bundestrainer Henning Lambertz. Allerdings nähern sich die beiden nur schrittweise den dort geforderten Lasten und Wiederholungen an. „Das von null auf hundert zu übernehmen, wäre kontraproduktiv“, findet Bräunlich. In der neuen Saison wollen sie beim Hanteltraining die Gewichtheber-Experten vom Dresdner SC um Rat fragen.