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Alles steht Kopf

Der Sturm hat im Südkreis Schäden hinterlassen. Bäume kippten, eine Imbissbude fiel um, ein Denkmal ist beschädigt.

07.10.2017

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ht Kopf
Eine Imbissbude am Berzdorfer See hat Sturmtief „Xavier“ weggeweht, sie landete auf dem Dach.

© D. Dittrich

Immerhin, die Imbissbude scheint massiv zu sein. Dennoch hat der Sturm sie von ihrem Platz am Ufer des Berzdorfer Sees weggehoben. Mindestens einen Überschlag muss der Container gemacht haben, bevor er zehn bis 15 Meter vom eigentlichen Standort am Weinhübler Ufer liegen blieb. Auf dem Kopf. Aber die Bude blieb zumindest in einem Stück. Am heutigen Sonnabend soll ein Kran den Würfel wieder aufstellen, erzählt der Besitzer. Zum Glück sei der Imbiss leer gewesen. Nicht überall rund um den Berzdorfer See wütete der Sturm in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag so heftig. „Ein paar heruntergefallene Äste hatten wir“, sagt Schönau-Berzdorfs Bürgermeister Christian Hänel (parteilos). „Es gibt Bereiche, wo der Sturm schlimmer gewütet hat.“ Zum Beispiel eben auf der anderen Seeseite, wo die Imbissbude Überschläge machte. „Dort kann der Wind von Südwesten über den See voll reinfegen“, erklärt Hänel. An der Blauen Lagune bei Schönau-Berzdorf dagegen blieb alles an seinem Platz. „Wir liegen durch die Böschungen vor dem Strand geschützter“, so Hänel.

Schweres Gerät haben die Kottmarsdorfer Mühlenfreunde am Freitagmorgen einsetzen müssen. Ein Radlader war nötig, um einen abgebrochenen Flügel der Bockwindmühle zu bergen. „Der wiegt 300 Kilo, heben kann man ihn nicht“, erzählt Bernd Dreßler vom Verein der Natur und Heimatfreunde Kottmarsdorf. Am späten Donnerstagnachmittag gegen 17.15 Uhr – da fegte der Wind gerade mit rund 120 bis 130 Stundenkilometer über das Oberland – brach der Flügel vom historischen Bauwerk ab. Die Wucht war so groß, dass er etwa 20 Meter weit auf’s Feld geschleudert wurde. „Zum Glück gab es keinen Personenschaden und niemand war in ernsthafter Gefahr“, resümiert Dreßler. Der Flügel aber ist hinüber. Höchstwahrscheinlich kann er nicht wieder verwendet werden und wird komplett ersetzt werden müssen.

Derartig groß sind die Schäden in den wenigsten Gemeinden im Südkreis. Während deutschlandweit durch umgestürzte Bäume, herabfallende Äste und Unfälle während des Unwetters sogar sieben Menschen gestorben sind, gab es im Landkreis Görlitz keine Verletzten. Fast überall aber mussten die Feuerwehren zu Einsätzen ausrücken. Zahlreiche Bäume warf der Sturm um, im ungünstigsten Fall auf Straßen. Das ist in Löbau an der B 6 der Fall gewesen, wie Stadtsprecher Marcus Scholz erzählt. Zwei Mal musste die Feuerwehr dort Bäume entfernen. Ansonsten blieb es in Löbau und Umgebung recht ruhig. „Unsere Feuerwehr wurde zu insgesamt vier Einsätzen gerufen“, berichtet Scholz.

In Großhennersdorf ging 18.46 Uhr am Donnerstagabend der erste Alarm wegen eines umgefallenen Baumes an der Burkersdorfer Straße in Neundorf ein. Eigentlich hätten die Kameraden dort gleich bleiben können. Denn noch zwei weitere Male mussten sie bis in die frühen Nachtstunden wegen umgestürzter Bäume und großer herabgefallener Äste zum Waldgebiet an der Burkersdorfer Straße ausrücken. Insgesamt kamen die Großhennersdorfer auf vier Einsätze. „Man muss aber sagen, dass die Situation bei uns im Vergleich zu anderen Regionen harmlos blieb“, sagt auch Ortswehrleiter Patrick Jähne.

Die Zittauer Feuerwehr meldet vier Einsätze, ebenso die Löbauer. Die Oybiner und die Lückendorfer Wehr ebenfalls rückten am Donnerstagabend das erste Mal aus. Gegen halb sechs war ein Baum über die Straße nach Jonsdorf gefallen, sodass sie nicht mehr befahrbar war. Die Feuerwehr, die mit 15 Kameraden und mehreren Fahrzeugen im Einsatz war, machte die Straße wieder frei. Auch in Oderwitz musste die Feuerwehr am Donnerstagabend ausrücken. In der Hinteren Dorfstraße in Oberoderwitz hatte ein altersschwacher Telefonmast dem Sturm nicht standgehalten und war weggeknickt. Die Feuerwehr räumte den Mast samt unzerstörter Telefonleitung von der Straße und informierte das zuständige Telefonunternehmen.

Die Ebersbacher Ortswehr war vier Mal gefordert, um umgestürzte Bäume von der Fahrbahn zu räumen: in der Kottmarsdorfer Straße, in der Mühlstraße, an der Ecke Gutbergweg/Bleichstraße und an der Kreuzung Amtsgerichtsstraße/Körnerplatz. Kameraden aus Schönbach und Neusalza-Spremberg waren gemeinsam im Einsatz, um auf der Straße zwischen Schönbach und Neusalza-Spremberg die Fahrbahn frei zu machen. Dort hatte eine große Pappel dem Wind nicht standgehalten. „Das war auch kein Wunder, denn der Stamm war sehr faul“, sagt der Schönbacher Wehrleiter Henrik Wünsche. Umgestürzte Bäume melden auch Seifhennersdorf, Oppach, Zittau, Mittelherwigsdorf, Rosenbach, Lawalde und weitere Gemeinden. In Großschönau wurde ein Wohnhaus von einem Baum getroffen, ohne, dass größere Schäden entstanden. In Zittau am Külzufer landete ein Baum auf einem Auto. Schäden an Autos entstanden auch in Löbau. Der Wind wehte am Neumarkt Bauzäune von der Kreiselbaustelle um und in einzelnen Fällen auf geparkte Fahrzeuge. „Keine Auskunft“, heißt es dazu von der Firma Schönlein, die für die Zäune verantwortlich ist. Sie seien ordentlich aufgestellt und eingehakt gewesen, sagt ein Mitarbeiter.

Überraschung am Freitag bei den Löbauer Eisenbahnfreunden: Im Maschinenhaus am Bahnhof entdeckten sie am Morgen eine Trilex-Triebwagen. Dass Zugunternehmen hier Wagen parken, sei nichts Ungewöhnliches, sagt Alfred Simm von den Ostsächsischen Eisenbahnfreunden. „Zum Beispiel bei Bauarbeiten ist das kein Problem.“ Diesmal aber war nichts dergleichen angekündigt. „Ich habe schon angerufen und gefragt, ob das ein Geschenk ist“, sagt Simm. Doch der Triebwagen wird wieder abgeholt. Er konnte nicht mehr in Richtung Görlitz weiterfahren. Die Länderbahn hatte aufgrund des Sturmtiefs den Zugverkehr eingestellt. Wie die Länderbahn mitteilt, ist der Verkehr am Freitag 9 Uhr wieder aufgenommen worden. „Die Räumarbeiten wurden schnellstmöglich abgeschlossen“, so Geschäftsführer Andreas Trillmich. Da wenige Busunternehmen gefunden werden konnten, die bei dem Unwetter fuhren, wurden die Fahrgäste mit Kleinbussen und Taxis an ihr Ziel gebracht. (SZ/sdn/rok/mva/mse/tm/mh)

Tragisches Unglück und Sturm setzen Reisende matt

Auf der Bahnstrecke zwischen Zittau und Cottbus ist es von Donnerstag- bis Freitagnachmittag zu Zugausfällen gekommen. Daran war aber nicht nur Sturmtief „Xavier“ schuld: Bereits am Donnerstagnachmittag hatte sich in Weißwasser ein tragisches Unglück ereignet. Unweit des Bahnübergangs am Halbendorfer Weg hat ein Zug der Bahngesellschaft Odeg einen Fußgänger erfasst. Der Mann starb dabei, nun ermittelt die Polizei. Die eingleisige Bahnstrecke zwischen Schleife und Horka war danach stundenlang gesperrt, ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet.

Als am Abend dann das Sturmtief „Xavier“ über Ostdeutschland hinwegzog, ging auf der Bahnstrecke zwischen Zittau und Cottbus wieder nichts – mit dem Unterschied, dass für gestrandete Reisende kein Schienenersatzverkehr mehr bereitstand. Für eine Zittauerin, die am Abend mit dem Zug nach Görlitz unterwegs war, war die Fahrt in Weißwasser zu Ende. Ebenso wie für ein Dutzend weitere Reisende. Sie mussten zum Teil die Nacht in Weißwasser verbringen, übernachteten unter anderem in Hotels. Auch am Freitagvormittag bestand noch keine Chance, per Zug oder Schienenersatzverkehr weiterzukommen. Die betroffene Zittauerin wurde darum Freitagmittag von ihrem Mann mit dem Pkw abgeholt.

Das Bahnunternehmen Odeg hatte am Freitag im Internet über Störungen auf insgesamt sieben Bahnstrecken berichtet. Sie betrafen vor allem das Land Brandenburg, über das das Sturmtief am heftigsten hinwegzog. Laut Odeg-Angaben sollte es wegen Unwetterschäden bis zum frühen Freitagabend auf der Strecke Cottbus–Zittau keinen Zugverkehr geben. (SZ/se)