Donnerstag, 17.01.2013

Algerien: Geiselnahme soll Offensive in Mali stoppen

Während französische Bodentruppen eine Offensive gegen Islamisten in Mali beginnen, überfallen Terroristen im Nachbarland Algerien ein Gasfeld. Sie sprechen von Vergeltung und nehmen zahlreiche Ausländer als Geiseln.

Bei dem Überfall auf ein algerisches Gasfeld haben islamische Terroristen zwei Menschen getötet und etwa 20 als Geiseln genommen.
Bei dem Überfall auf ein algerisches Gasfeld haben islamische Terroristen zwei Menschen getötet und etwa 20 als Geiseln genommen.

©dapd

Bamako/Berlin. Islamistische Terroristen wollen mit einer Geiselnahme von Ausländern in Algerien die französische Militärintervention in Mali stoppen. Mutmaßliche Al-Kaida-Kämpfer überfielen am Mittwoch in Algerien ein Gasfeld und brachten zahlreiche Ausländer in ihre Gewalt. Die Geiselnehmer sprechen von Vergeltung - und fordern nach Angaben der mauretanischen Nachrichtenagentur ANI ein Ende der französischen Mission in Mali.

Der Konflikt droht auf Nachbarstaaten überzugreifen. Bei dem Überfall islamistischer Terroristen auf das Gasfeld im Osten Algeriens wurden mindestens zwei Menschen - ein Brite und ein Algerier - getötet. Mindestens sieben weitere Menschen wurden verletzt. Am Mittwochabend behauptete die Brigade der Al-Kaida im islamischen Maghreb (AQMI), sie halte 41 Ausländer als Geiseln fest, darunter sieben US-Bürger, zwei Franzosen und zwei Briten. Nach algerischen Quellen sind es gut 20 Geiseln. Laut Algeriens Innenminister Dahou Ould Kablia wurden inzwischen Truppen zu dem Gasfeld entsandt, das unter anderem vom britischen Konzern BP und dem norwegischen Ölmulti Statoil betrieben wird.

Die Terrorgruppe wird nach Angaben des Innenministers von dem einäugigen Islamisten Moktar Belmoktar angeführt. Es handele sich um etwa 20 bewaffnete Männer, die aus Algerien stammten, sagte der Innenminister am Mittwochabend. Sicherheitskräfte hätten das Gasfeld In Amenas inzwischen umstellt. Die Geiseln seien in einem Teil des Geländes zusammengetrieben worden. Algerien lehnt Verhandlungen mit den Extremisten ab.

Islamisten bezeichnen Intervention in Mali als Kreuzzug

„Unsere gesegnete Expedition ist Teil eines internationalen Feldzugs zur Bekämpfung der Juden und Kreuzritter“, erklärte die AQMI. „Wir machen die Regierungen Algeriens und Frankreichs und der Geiseln voll verantwortlich für jede Verzögerung bei der Erfüllung unserer Forderungen, deren wichtigste die sofortige Einstellung des Angriffs auf unser Volk in Mali ist.“

Karte

Die EU will den Einsatz von Militärausbildern in Mali unterdessen beschleunigen. Insgesamt soll die Ausbildungsmission rund 450 Personen umfassen. Außer Frankreich haben bisher Deutschland, Italien, Spanien, Schweden, Estland, Slowenien und Belgien die Bereitschaft zur Teilnahme erklärt. Die Außenminister der 27 EU-Staaten befassen sich am Donnerstag bei einer Sondersitzung in Brüssel mit den möglichen Risiken. Die Minister wollen auch über finanzielle und logistische Hilfe für die Entsendung der 3.300 Mann starken Kampftruppe der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas sprechen. Die Afrikaner sollen an der Seite Frankreichs gegen die radikalen Islamisten in Mali kämpfen.

Deutschlands Beteiligung

Deutschland wird sich schon in Kürze an dem internationalen Militäreinsatz beteiligen - zunächst allerdings nur mit zwei Transportflugzeugen. Die beiden Maschinen des Typs Transall sollen Soldaten aus anderen afrikanischen Ländern in Malis Hauptstadt Bamako bringen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte an, der Einsatz der Transall-Maschinen werde „sehr kurzfristig“ erfolgen. Der islamistische Terrorismus in Afrika sei auch für Europa eine Bedrohung. „Ich glaube, dass wir hier unter einem hohen Zeitdruck stehen“, sagte sie nach einem Treffen mit dem Vorsitzenden der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas, Alassane Ouattara, dem Präsidenten der Elfenbeinküste. Der Bundeswehr-Einsatz könnte noch in dieser Woche anlaufen.

Wie viele deutsche Soldaten genau entsandt werden, ist noch unklar. Normalerweise besteht eine Transall-Besatzung aus sechs Soldaten. Zwischenzeitlich hatte die Bundesregierung die Verlegung von insgesamt fünf Flugzeugen nach Afrika geprüft. Dem Kampfgebiet sollen die Transporter aber fernbleiben. Direkte Unterstützung für die französischen Truppen leistet Deutschland zunächst nicht. (dpa)

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