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Aldis Pläne für das Oberland

Die Filialen in Neugersdorf und Oppach sollen umgebaut und modernisiert werden. Aber es fehlen noch Genehmigungen.

07.10.2017
Von Gabriela Lachnit

ne für das Oberland
Der Aldi-Markt in Oppach soll ebenso wie der in Neugersdorf umgebaut und moderner werden. Die Vorbereitungen dafür laufen. Aber noch sind einige Hindernisse zu überwinden, vor allem in der Spreequellstadt.

© Rafael Sampedro

Aldi Nord will die Filialen in Neugersdorf und Oppach modernisieren. Das hat der Handelsriese angekündigt. Aber noch ist es nicht so weit. Das Unternehmen hält sich zudem noch sehr bedeckt, was konkret verändert werden soll. Auch die Oppacher Bürgermeisterin Sylvia Hölzel (parteilos) weiß nicht, was genau Aldi im Dorf vorhat. Dennoch schafft der Gemeinderat voraussichtlich in der Oktober-Sitzung mit einem Beschluss zum Bebauungsplan die Voraussetzungen dafür, dass Aldi bauen kann. Ob das Handelsunternehmen das vorhandene Objekt erweitern und modernisieren will oder eher an einen Neubau denkt, darüber hüllt sich der Discounter in Schweigen. Auf SZ-Nachfrage hieß es aus der Essener Firmenzentrale lediglich, dass man „bezüglich der Bauoptionen in enger Abstimmung mit der Gemeinde stehe.“ In diese Aussage schloss Aldi-Sprecher Manuel Sentke auch die Filiale in Neugersdorf ein. „Konkrete Entscheidungen für beide Märkte stehen noch aus. Sowohl ein Neubau als auch ein Umbau kommen in Frage“, teilt der Sprecher mit.

Bürgermeisterin Hölzel ist sehr froh, dass das Unternehmen plant, den Standort Oppach aufzuwerten. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie sehr froh wäre, wenn Aldi sich in Oppach erweitern und modernisieren würde. „Hier kaufen viele Bürger aus der ganzen Region ein, auch aus dem Nachbarlandkreis“, weiß die Bürgermeisterin und betont, dass jeder Gast und Besucher von Oppach für die Gemeinde wichtig ist. Wer zu Aldi nach Oppach komme, nutze häufig auch andere Einrichtungen in der Gemeinde, ist sie überzeugt. Das komme auch anderen Geschäften im Ort zu gute und kurbele den Handel an, sagt sie.

Auch für die Filiale in Neugersdorf hat der Einkaufsriese Pläne, möchte erweitern und modernisieren. Allerdings ist das nur begrenzt möglich, weil der Standort an der Spreequellstraße schon dicht bebaut und für größere Anbauten zu klein ist. Wenn erweitert wird, käme der Anbau zu dicht an die Nachbargrundstücke heran. Das möchten die Nachbarn aber nicht. Außerdem kann das Unternehmen nicht die anhand der Verkaufsfläche notwendigen Stellplätze für Autos der Kunden vorhalten. Bernd Noack, der Beigeordnete in Ebersbach-Neugersdorf, verweist darauf, dass für das Aldi-Vorhaben noch ein Verkehrsgutachten fehlt, in dem erläutert wird, wie die Zu- und die Abfahrt geregelt werden sollen. Immerhin geht es dabei sowohl um die Kunden mit ihren Autos als auch um die Anlieferung von Waren mittels großer Lastkraftwagen.

Ein weiteres Gutachten, das unter anderem Aussagen zu Lautstärken enthält, stehe ebenfalls noch aus, sagt Bernd Noack. Er gibt zu bedenken, dass das Einkaufsareal an der Spreequellstraße in einem Wohngebiet liegt und die Nutzung des Gebietes sowohl gewerblich und als Wohnort miteinander konkurriert. Während Anwohner dort Ruhe, wenig Straßenverkehr und viel Sicherheit wünschen, brauchen die Geschäfte vor allem Platz, Zufahrtsstraßen und Stellplätze. Hier gebe es unterschiedliche Sensibilitäten, betont der Beigeordnete und sieht die Chance auf Entwicklung des gesamten Einkaufsgebietes nur, wenn Geschäfte und Anwohner einen Konsens finden und Kompromisse eingehen. Bernd Noack weiß, dass alle Discounter Standardansprüche haben, die sich von denen anderer Geschäfte unterscheiden. Ob die Lösung des Problems in der Verlagerung von Parkplätzen der Mitarbeiter und in Anlieferungszeiten nur zwischen 6 und 22 Uhr liegen könnte, lässt Bernd Noack derzeit noch völlig offen.

Aldi Nord drängt sowohl in Oppach als auch in Neugerdorf auf eine baldige Lösung. Der Handelsriese will alle seine rund 2 300 Filialen modernisieren, auch die in Neugersdorf und Oppach. Derzeit werden Optionen geprüft, „um die Märkte auf unser neues Filialkonzept ANIKo umzustellen“, sagt Aldi-Sprecher Manuel Sentke und erläutert: Der Fokus liegt dabei vor allem auf einer hellen und freundlichen Einkaufsatmosphäre mit mehr Platz, breiteren Gängen und vergrößertem Angebot an frischem Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und Backwaren. Eine erste dieser modernen Filialen gibt es bereits in Görlitz-Königshufen. Im Zuge der kompletten Neugestaltung des Einkaufsareals um Marktkauf herum hat Aldi seit einigen Wochen gute Erfahrungen gemacht. Thorsten Kinzel, Geschäftsführer Verkauf bei Aldi Nord, ist für das ANIKo-Projekt verantwortlich und schwärmt. „Wir haben nach dem Umbau in den Filialen einen hochmodernen Discount-Markt, der trotz alledem noch ein Aldi ist“, unterstreicht er. Die wesentliche Säule des Konzepts sei, dass die Zeiten der sehr engen und sehr zweckorientierten Aldi Märkte vorbei sei. Die Kunden brauchen in den neuen Filialen kein Navi mehr. „Alles ist übersichtlich, die Waren sind gut zu finden, es ist hell und freundlich.“ Dennoch bleibe Aldi eben Aldi, weil man dabei sei, den Standard für Discounter neu zu definieren, stellt Kinzel fest.

Wie eilig es der Discounter mit der Modernisierung seiner Filialen hat, unterstreicht das Unternehmen mit der Absicht, deutschlandweit 30 seiner Filialen pro Woche umzubauen. Die Investitionen liegen bei insgesamt 5,2 Milliarden Euro. Es sei das größte Projekt und Investment in der Geschichte von Aldi Nord, sagt Thorsten Kinzel. Von dem können künftig wohl auch Kunden im Oberland profitieren. Noch ist es aber nicht soweit.