erweiterte Suche
Donnerstag, 04.01.2018

Alarmstufe Gelb

Die Rödertalbienen schwärmen gegen den Meister nach Dresden aus. Trotz akuter Abstiegsgefahr gibt es für die Handballerinnen Wichtigeres als das Ergebnis.

Von Tino Meyer

2

Die Lage ist ernst und Karsten Knöfler in der Kritik. Der Trainer der noch punktlosen Bundesliga-Handballerinnen des HC Rödertal „muss Erfolg vorweisen“, wie der Vereinspräsident sagt.
Die Lage ist ernst und Karsten Knöfler in der Kritik. Der Trainer der noch punktlosen Bundesliga-Handballerinnen des HC Rödertal „muss Erfolg vorweisen“, wie der Vereinspräsident sagt.

© Lutz Hentschel

Die Nachfragen sind überfällig, kommen aber gerade jetzt zur Unzeit. Natürlich steht ein Trainer in der Kritik, wenn seine Mannschaft nach neun Bundesliga-Spielen weiter auf den ersten Punktgewinn wartet. Beim HC Rödertal hätten sie diese Diskussion allerdings gern noch etwas hinausgezögert – jedenfalls öffentlich.

Doch die Bilanz der Handball-Aufsteigerinnen ist nun mal wie sie ist, und Präsident Andreas Zschiedrich weiß natürlich um die Mechanismen im Leistungssport. Da spielt es bei anhaltender Erfolglosigkeit keine Rolle, dass die Mannschaft nicht nur gänzlich neu in der Liga ist, sondern höchst unerfahren noch dazu.

Und auch das sogenannte Event-Game am Samstag gegen den deutschen Meister Bietigheim, für das die Frauen aus dem kleinen Großröhrsdorf extra nach Dresden umziehen, erspart Zschiedrich jetzt nicht die kritischen Fragen zur sportlichen Situation und dem Rückhalt für Trainer Karsten Knöfler. „Der Trainer steht unter Druck, er muss Erfolg vorweisen“, sagt der Vereinschef also kurz vor dem Jahreswechsel der Deutschen Presse-Agentur, und die fügt in ihrer Bilanz hinzu: „Erst im Sommer war Knöfler verpflichtet worden. Nun wird er öffentlich angezählt.“

Ausschlaggebend dafür ist die Niederlage des Tabellenletzten im ersten Heimspiel nach der sechswöchigen WM-Pause gegen Blomberg, nachdem die selbst ernannten Rödertalbienen zuvor schon das Auswärtsspiel in Neckarsulm verloren hatten – und damit gegen zwei direkte Konkurrenten im Abstiegskampf. „Eigentlich waren aus den beiden Spielen zwei Punkte Pflicht. Wenn man aber mit null Punkten dasteht, muss man schon die Situation analysieren“, sagt Zschiedrich. Eine Entlassung des Trainers steht jedoch nicht zur Debatte, noch nicht. Was nicht zuletzt mit dem bevorstehenden Heimspiel am Samstag um 17.30 Uhr in der Dresdner Ballsportarena zu tun hat. „Bis dahin passiert nichts“, betont er.

Zu lange hat der Verein auf diese Partie hingearbeitet. Ein Handballfest für die ganze Familie soll es werden – die nächste Niederlage inklusive. Denn Bietigheim ist derzeit die mit Abstand am besten besetzte Mannschaft im deutschen Frauenhandball. Im Prinzip trainiert der Däne Martin Albertsen, der 2006 mit dem HC Leipzig bereits das Double aus Meisterschaft und Pokal gewann, ein deutsch-dänisch-niederländisches Nationalteam.

Deshalb ist das Resultat an der Anzeigetafel ausnahmsweise mal nebensächlich, es zählen andere Ergebnisse wie beispielsweise die Zuschauerzahl. 1 500 sollen, 1 050 müssen kommen, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Zumindest der Plan geht auf: Nach SZ-Informationen sind 1 100 Tickets bereits verkauft – Vereinsrekord. „Es war lange geplant, dass wir mal in Dresden spielen und uns dafür einen attraktiven Gegner heraussuchen. Wer passt da besser als der deutsche Meister. Solch ein Spiel ist einfach die beste Werbung für unsere Sportart“, meint Zschiedrich.

Eine reelle Chance haben die Aufsteigerinnen gegen den übermächtigen Meister nicht, doch auch der Trainer beschwört die Spielerinnen. Eine begeisterte Kulisse könne schließlich ungeahnte Kräfte freisetzen. Und genau darum geht es: sich gut präsentieren, die Zuschauer unterhalten, Werbung für die Sportart und vor allem den 2008 gegründeten Verein machen. Im Idealfall könnte dann auch das Heimspiel gegen den Tabellenführer Thüringer HC in Dresden ausgetragen werden, es spätestens aber in der nächsten Saison ein Wiedersehen in der Ballsportarena geben – wenn der HC Rödertal den Klassenerhalt schafft.

Ausweglos, betont Zschiedrich, sei das noch immer nicht. Um den Alltag und seinen Herausforderungen wird er sich aber erst wieder ab Montag kümmern. Und womöglich auch um die Personalie Trainer.

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Lars Nilsson

    Der Trainer, der arme Kerl, kann einem nur leid tun. Der Verein hat sich beim Thema 1. Liga offenbar verzockt und nun braucht man einen Sündenbock. Gut, so ist das Geschäft. Aber man könnte auch die Frage stellen, wer denn sowohl den Trainer als auch die Spielerinnen geholt hat und der Meinung war, das würde schon passen. Wer will sich das eigentlich antun und Nachfolger des Trainers werden?

  2. Wissender.

    Der Trainer wird noch am Sonntag seinen Hut nehmen dürfen. Wie ich finde, zu Recht. Man muss diesen Reiz setzen, um wenigstens mal 6-8 Punkte zu holen. Dann sähe die Welt schon um vieles besser aus! Ansonsten hoffe ich, daß man in Gage bleibt und nicht öfter nach DD umzieht. Größenwahn!

Alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein