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Aktuell berichten? Oder hintergründig?

Ich bin verwundert über die Negierung wichtiger Nachrichten. So wurde in Berlin die erste liberale Moschee eröffnet. Weder in der SZ noch im MDR-Fernsehen wurde das Ereignis erwähnt. Gibt es eine Engstelle bei der Informationsweiterleitung oder ist es für Redakteure nicht möglich, Ansichten liberaler Moslems zu akzeptieren? MfG, Manfred Sonntag

24.06.2017

Sehr geehrter Herr Sonntag,

weder gibt es eine solche Engstelle, noch haben Redakteure was gegen liberale Moslems. Ganz im Gegenteil: Die SZ-Redaktion empfand diese neue Moschee, die so anders ist, als so interessant, dass sie auf ein schnelles und aktuelles Stück, das eher oberflächlich bleiben würde, lieber verzichtete und ein ausführliches, hintergründiges Stück vorbereitete. Am Mittwoch erschien, Sie haben es sicher bemerkt, eine ganze „Seite Drei“ über das Berliner Projekt und ihre Initiatorin Seyran Ates. SZ-Leser sind jetzt bestens darüber informiert.

Ihre Frage, Herr Sonntag, berührt ein interessantes Thema: Wann muss eine Zeitung schnell sein, wann eher hintergründig? Feste Regeln gibt es dafür nicht, ein paar Grundsätze schon. Zunächst berichtet die SZ natürlich immer dann sehr schnell, wenn ein Ereignis von großer Bedeutung und von großem Interesse ist. Sie berichtet über wichtige nationale und internationale Ereignisse, als Regionalzeitung unterer besonderer Beachtung regionaler und lokaler Ereignisse.

Kurz gesagt, je wichtiger das Ereignis aus sächsischer Sicht, umso schneller und ausführlicher berichtet die Zeitung. Über den Tod Helmut Kohls, der vergangenen Freitag erst nachmittags bekannt wurde, konnten SZ-Leser am nächsten Tag interessante Artikel auf zwei ganzen Seiten lesen. Ein ziemlicher Kraftakt.

Die Moschee-Einweihung kam aber just am Tag der Todesnachricht des Ex-Kanzlers, die Redaktion hatte an diesem Tag weder die nötigen Kapazitäten für umfangreiche eigene Recherchen noch den nötigen Platz in der Zeitung. In so einem Fall wird in Konferenzen entschieden: Das Thema schaffen wir heute nicht, es ist aber so spannend, dass es unbedingt nachgeholt wird. Und wenn schon später, dann besonders gut. Qualität geht dann vor Schnelligkeit.

Prinzipiell aber wollen Journalisten schnell sein, möglichst sogar die Ersten. Es ist schön für die Leser, wenn es wie bei den neuen Ansiedelungen von Bosch und Philipp Morris in Dresden gelingt, Tage vor der offiziellen Verkündung exklusiv darüber zu berichten.

Ihr Olaf Kittel

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