Sonntag, 18.11.2012
Aktivist widersetzt sich Befreiung aus sechs Meter tiefem Erdloch
Tagelang hat ein 27-Jähriger in einem dunklen Erdloch ausgeharrt, um gegen den Braunkohleabbau bei Kerpen zu demonstrieren - unter Lebensgefahr für sich und andere. Nach seiner Rettung wurde er von der Polizei vernommen. Die juristischen Folgen der Aktion sind offen.
In diesem Erdloch hatte sich der Mann eingegraben. Foto: dpa
Niederzier. Die Polizei hat einen gegen Braunkohlegewinnung protestierenden Umweltschützer in Nordrhein-Westfalen aus einem sechs Meter tiefen Erdloch geborgen. Dabei widersetzte sich der 27-Jährige. Er demonstrierte mit seiner Aktion dagegen, dass bei Niederzier nahe Köln für die Braunkohle Wald abgeholzt werden soll.
Nach einer Vernehmung am Samstag wurde der Mann wieder freigelassen. Das bestätigten ein Polizeisprecher und eine Sprecherin des Umweltaktivisten. Er sei gesund, aber erschöpft. Dem 27-Jährigen aus Bayern werden Hausfriedensbruch und versuchte Körperverletzung während des Polizeieinsatzes zu seiner Rettung vorgeworfen. Ob er für den Großeinsatz zahlen muss, ist laut Polizei noch offen.
Der Mann war in der Nacht zum Samstag gegen seinen Willen aus dem Schacht gerettet worden und kam zunächst in Polizeigewahrsam. Er war der letzte verbleibende Demonstranten in dem Waldstück - die Räumung hatte dort bereits am Dienstag begonnen.
Mit erheblichem Aufwand hatte sich eine technische Einsatzeinheit der Polizei, unterstützt von Experten der Grubenwehr aus Herne, zu dem Versteck des Mannes vorgearbeitet. Das selbst gegrabene Loch im Erdreich galt als ungesichert und einsturzgefährdet. Nachdem die Einsatzkräfte einen Rettungsschacht gebaut hatten, gelang es in der Nacht zu Samstag, den Mann zu bergen. Dabei habe er sich heftig gewehrt.
Aus Sicht der Polizei hat der 27-Jährige die Retter zudem massiv gefährdet: So habe er unterirdische Stützen, die das Tunnelsystem stabilisieren sollten, umgestoßen. Eine Sprecherin der Umweltaktivisten wies diese Darstellung als unwahr zurück. (dpa)