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Ärztin berät Patienten auch online

Allgemeinmedizinerin Dr. Michaela Heinke betreibt in Striegistal eine eigene Praxis. Wartezeiten will sie vermeiden.

29.09.2017
Von Maria Fricke

rät Patienten auch online
Eines der wichtigsten Instrumente in der Praxis von Michaela Heinke ist das Mobiltelefon. Vor allem bürokratische Angelegenheiten klärt die 57-Jährige mit ihren Patienten auf kurzem Weg ohne lange Wartezeiten in der Praxis in Marbach. Ab 1. Oktober behandelt sie dort auch kassenärztliche Patienten.

© Dietmar Thomas

Marbach. Stundenlang für eine Überweisung beim Allgemeinarzt sitzen? Sich im vollen Wartezimmer wegen eines Attestes bei kranken Patienten anstecken? Für eine Krankschreibung mehrere Kilometer zum Hausarzt fahren? In den Augen von Michaela Heinke ist das nicht effektiv. Daher arbeitet sie mit ihren Patienten auf andere Weise. Bürokratische Aufgaben erledigt sie via E-Mail, SMS, Chatdiensten wie Whats-app oder Facetime oder mit einem Anruf.

„Einer meiner Patienten war zum Beispiel auf einer Kreuzfahrt. Er ist dort gestürzt. Dadurch ist er mit dem Brustkorb auf seine Kamera gefallen. Der Schiffsarzt diagnostizierte bei ihm einen Herzinfarkt. Das hätte aber für den Mann das Ende der Reise bedeutet“, erzählt Heinke. Ihr Patient trat mit ihr in Kontakt. Weil sie ihn und seine Krankengeschichte kenne, die auf keinen Herzinfarkt hindeutet, habe die 57-Jährige dem Patienten geraten, in ein Krankenhaus zu gehen und dort ein EKG machen zu lassen. Zudem wurde ein Blutbild angefertigt.

Die Unterlagen dazu schickte der Patient Heinke auf kurzem Weg über das Internet zu. „Die Werte waren in Ordnung. Davon haben wir den Schiffsarzt überzeugt und der Mann konnte weiterfahren“, berichtet die Medizinerin, die eine Ausbildung in Allgemeinmedizin, innerer Medizin sowie Psychotherapie hat. „Was sollte der Mann denn machen?“, fragt Heinke nach der Alternative.

Zum 1. Oktober öffnet sie eine kassenärztlich zugelassene Teilpraxis in ihrer Heimat Marbach. Bisher hat sie dort nur Privatpatienten behandelt. Der 2013 eröffnete Hauptsitz der Praxis ist in Meißen. In der Stadt an der Elbe arbeitet auch ihr Mann, als Pfarrer in der Trinitatiskirche. Bis 2001 übte er dieses Amt in Marbach aus. Dann zog die Familie mit zwei von drei Kindern nach Peking. Die große Tochter hatte damals bereits ihr Studium in Deutschland begonnen.

Heinke arbeitete in Peking unter anderem an einer internationalen Klinik. Während der Zeit dort habe die Medizinerin gelernt, sich die Medien zunutze zu machen. Auch, weil ihr keine andere Möglichkeit geblieben sei, wenn zwischen ihr und dem Patienten rund 1 000 Kilometer Entfernung lagen. Dann habe sie sich von der Mutter eben ein Bild vom Ausschlag des Kindes schicken lassen, um zu beurteilen, ob das Kind ins Krankenhaus muss.

Für Heinke selbst ist das nichts Besonderes. „Das haben doch Landärzte früher auch gemacht, ihren Patienten am Telefon beraten. Was ich mache, ist doch nichts anderes“, sagt die Allgemeinmedizinerin. Natürlich gebe es auch Regeln und Grenzen, betont sie. Nur mit Patienten, die auch bei ihr registriert, die schon einmal bei ihr in der Praxis gewesen sind, stehe sie über Mobiltelefon oder Computer in Verbindung. Und sie behandele keine Patienten online. Es gehe ausschließlich um Beratung und vor allem um bürokratische Angelegenheiten. „Nur bei einem Teil meiner Arbeit, und das ist nicht der größte, ist eine körperliche Untersuchung notwendig“, sagt Heinke.

Sie möchte ihren Patienten die Fahr- und die langen Wartezeiten auf ein Rezept oder Attest ersparen. Vom Prinzip her könnten das heute alle machen, doch viele hätten Angst davor, so Heinke. In anderen Ländern sei man da schon weiter. Die Marbacherin geht den neuen Weg konsequent. „Und wenn mich jemand belügt, bringt das nichts. Es kommt am Ende doch heraus“, ist sich Heinke sicher.

1990 kam die Familie ins Striegistal. Grund war die Pfarrstelle ihre Mannes. „Es ist sehr schön hier. Das Dorf ist romantisch. Die alten Häuser, die alten Strukturen. Die Luft ist sauber, die Menschen nett“, schwärmt Michaela Heinke. Hinzukomme die gute Anbindung: „In 20 Minuten ist man auf vier Autobahnen: A 4, A 14, A 13 und A 17. Innerhalb von zwei Stunden sind vier Flughäfen zu erreichen. Wo haben Sie das sonst schon?“, so die Medizinerin.

Die Anbindung ist auch nötig, denn Heinkes leben inzwischen in der ganzen Welt verstreut. Die älteste Tochter ist Rechtsanwältin in Köln, der Sohn ist in Peking, die jüngste Tochter studiert in Prag Medizin. Kontakt zu ihren Kindern hat Heinke täglich, mehrmals. Vor allem über die neuen Medien, unter anderem über den Nachrichtendienst Whatsapp.