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Samstag, 30.01.2016

Ärger um Haltepunkte im Dresdner Norden

Bis März wird die Strecke nach Meißen ausgebaut. Doch die lange Dauer der Arbeiten sorgt für Unmut.

Von Sarah Grundmann und Johanna Braun

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Der Architekt Jürgen Singer steigt am Haltepunkt Pieschen in die S-Bahn nach Meißen. Der Umbau der Strecke dauert ihm zu lange.
Der Architekt Jürgen Singer steigt am Haltepunkt Pieschen in die S-Bahn nach Meißen. Der Umbau der Strecke dauert ihm zu lange.

© Sven Ellger

  • Der Architekt Jürgen Singer steigt am Haltepunkt Pieschen in die S-Bahn nach Meißen. Der Umbau der Strecke dauert ihm zu lange.
    Der Architekt Jürgen Singer steigt am Haltepunkt Pieschen in die S-Bahn nach Meißen. Der Umbau der Strecke dauert ihm zu lange.
  • Am Haltepunkt Trachau ist das neu aufgestellte Wartehäuschen schon beschmiert.
    Am Haltepunkt Trachau ist das neu aufgestellte Wartehäuschen schon beschmiert.

Jürgen Singer sucht den Haltepunkt Pieschen in letzter Zeit öfter auf. Der Architekt wohnt zwar in Meißen. Doch sein Büro hat er in Dresden. Da das Auto des 53-Jährigen, mit dem er sonst immer zwischen den beiden sächsischen Städten pendelte, seit Kurzem in der Werkstatt ist, nutzt er die S-Bahn. Ein Glück, dass die Deutsche Bahn die Strecke zwischen Dresden-Neustadt und Meißen ausbauen lässt. Ab März gibt es dann für S-Bahnen und Schnellzüge jeweils zwei eigene Gleise. An den Haltepunkten in Pieschen und Trachau ist auch schon viel passiert: Neue Dächer überspannen die Stationen, Bänke und Beleuchtungsmasten wurden aufgestellt. Doch manchen geht das einfach nicht schnell genug.

Auch Singer würde sich wünschen, dass es in Pieschen vorangeht. „Das Bauvorhaben dauert jetzt schon eine ganze Weile. Langsam könnte alles mal fertig werden. Es ist lästig, wenn man so lange im Provisorium lebt“, findet er. Und der Architekt kennt sich mit großen Bauprojekten aus. Denn er kümmert sich um die Restaurierung der Meißner Frauenkirche, bis Sommer dieses Jahres wird sie hergerichtet. Auch Marko Thiele kann nicht verstehen, warum die Deutsche Bahn so lange braucht. „Die bauen ja schon ewig. Über zwei Jahre! Langsam könnten die auch mal fertig werden“, erklärt er. Auf die getrennten Gleise freut er sich trotzdem. Denn die vorbeibrausenden Züge findet er gefährlich. Diese sorgen auch am Haltepunkt Trachau für Ärger.

Denn eine Durchsage erfolgt dort nicht, bevor die Züge eintrudeln. „Wer in Erwartung nahe an der Kante steht oder einfach nur nicht aufpasst, wird unter Umständen unfreiwillig mitgenommen“, berichtet Hellmut Schilbach, der sich mit einem Brief an die SZ gewandt hat. Und nicht nur die fehlenden Durchsagen sorgen für Unmut. An den gerade erst umgestalteten Haltepunkten haben bereits Vandalen zugeschlagen. Von der Glasbehausung am Haltepunkt Trachau leuchtet seit Kurzem ein riesiger orangefarbener Schriftzug, auch Tafeln in Pieschen sind beschmiert. Maika Selle, die in Trachau gerade in die S-Bahn steigt, stören die Graffiti. „Seit gebaut wird, schmieren die hier rum“, meint sie.

Auch für die Deutsche Bahn ist der Schaden ärgerlich, denn die Entfernung der Farbe wird teuer. „Man kann sicher von ein paar Tausend Euro sprechen, zumal laufend neue Schmierereien festgestellt werden“, erklärt eine Sprecherin. Von allen anderen Vorwürfen spricht das Unternehmen sich hingegen frei. Denn die Züge an den Haltepunkten fahren maximal 120 Kilometer pro Stunde. Bei diesem Tempo seien noch keine Lautsprecherdurchsagen notwendig. Stattdessen warnen gelbe Schilder davor, zu nahe an die Bahnsteigkante zu treten, und weiße Linien markieren den Sicherheitsabstand. Und auch den Unmut über die Dauer des Projektes kann das Unternehmen nicht nachvollziehen.

Denn die Deutsche Bahn liegt mit allen Arbeiten genau im Zeitplan. Seit 2009 wird die Strecke zwischen Meißen und Dresden ausgebaut, vor vier Jahren hatten die Arbeiten an dem letzten Teil zwischen Radebeul-Ost und dem Neustädter Bahnhof begonnen. Dabei bekommt die Verbindung nicht nur jeweils zwei separate Gleise für S-Bahnen und Fernzüge. Auch die Haltepunkte, wie in Pieschen und Trachau, wurden modernisiert. Letzterer wurde dafür extra nach Westen verlegt, am Bischofplatz ist eine ganz neue Station entstanden. Überall wurden Aufzüge eingebaut. Fahrkartenautomaten, Informationstafeln und weitere Ausstattung will das Unternehmen allerdings erst kurz vor der Fertigstellung errichten – eben weil sie sonst beschmiert werden würden. Ab 18. März muss die Strecke nun noch einmal für die restlichen Arbeiten gesperrt werden, bevor sie zwei Tage später endlich offiziell geöffnet wird. Dann sollte auch der Unmut verflogen sein.