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Mittwoch, 16.12.2009

Acht Ärzte verlassen Klinik – Krebsstation zu

Nach der Freistellung des zuständigen Oberarztesder Abteilung für Onkologie wurden Patienten auf Meißen und Dresden verteilt.

Von Ulrike Körber

Die Station vier der Elblandkliniken ist, wie erst jetzt bekannt wurde, seit Ende vergangener Woche geschlossen. Die dort behandelten Krebspatienten sind teilweise auf Meißen und Dresden verteilt worden.

Grund für das Schließen könnte ein personeller Aderlass sein, denn zum Jahresende verlassen insgesamt acht Mediziner das Haus, unter anderem auch von dieser Station.

Zum Fest wird oft zu gemacht

Seitens der Klinik wird das Schließen der Onkologie jedoch mit den anstehenden Feiertagen begründet. Aus der Klinikchefetage heißt es: „Die Krankenhausleitung möchte möglichst vielen Mitarbeitern die Möglichkeit geben, diese Feste zu Hause zu feiern. Auch die Patienten möchten Weihnachten gerne zu Hause verbringen. Die Schließung von einzelnen Stationen über die Feiertage ist dabei eine auch bei uns häufig angewendete Methode.“

Deshalb ist das Entlassungsmanagement der Häuser entsprechend darauf ausgerichtet, Patienten, soweit möglich und verantwortbar, vor den Feiertagen nach Hause zu entlassen. Elektive Eingriffe werden erst wieder im Januar vorgenommen.Auffällig ist allerdings, dass die Station dicht gemacht wurde, unmittelbar nachdem der zuständige Oberarzt Markus Schuler das Haus verließ. Aus klinikinternen Kreisen heißt es, dass Schuler binnen weniger Stunden sein Büro hat räumen müssen. 24 Stunden sollen ihm geblieben sein, um persönliche Daten und ähnliches zu sichern.

Schuler selbst hält sich mit Informationen zurück. Er bestätigt aber, bereits unmittelbar nach dem Krebsspezialisten und Chefarzt Dr. Thomas Benter (SZ berichtete) gekündigt zu haben. Das war schon Mitte November. Er wollte aus den selben Gründen wie der Chefarzt das Haus verlassen. Das heißt, er ging, weil Versprechungen zum Aufbau des onkologischen Zentrums seitens der Klinik nicht eingehalten wurden. Zudem seien von den Medizinern angestrebte Kooperationsverträge von der Klinik torpediert worden. Markus Schuler hätte jedoch bis Ende des Jahres noch Dienst auf der Station gemacht, wurde nun aber – für ihn völlig überraschend – freigestellt. Mit Schulers Freistellung ist die Station quasi führungslos, andere Kollegen sahen sich nicht in der Lage, diese Aufgaben zu übernehmen, so der Oberarzt.Warum, weiß er nicht.

Außer Schuler gehen nun weitere sechs Mediziner zum Ende des Jahres aus dem Riesaer Krankenhaus. Darunter zwei Oberärzte und vier in Ausbildung befindliche Ärzte aus weiteren Abteilungen. Direkten Einfluss auf die aktuelle Sicherstellung der medizinischen Versorgung habe der Entschluss der Assistenzärzte jedoch nicht, heißt es aus der Klinik. In enger Zusammenarbeit hätten die Krankenhausleitung und die Chefärzte der beiden anderen Inneren Kliniken in Riesa einen Dienstplan erarbeitet, der die Behandlungen auf absehbare Zeit absichert.

Die Klinikleitung bedauert den Weggang der Mediziner. Kliniksprecher Holger Kuschel: „In so einer Situation ist es aber nicht ungewöhnlich. In der Regel folgen die Assistenzärzte ihrem Chefarzt oder ausbildenden Arzt, um bei ihm ihre Ausbildung unter dessen fachlicher Leitung fortzusetzen und zu beenden. Insofern ist dieser Schritt durchaus nachvollziehbar.“

Pläne fürs Zentrum bleiben

Dem gegenüber steht jedoch, dass die Assistenten ihrem Chefarzt gar nicht folgen werden. Benter geht, wie er betont, allein nach Schwedt, um in dem dortigen Krankenhaus ein onkologisches Zentrum zu leiten. Andere Ärzte bleiben in der Region. Obwohl mit dem Weggang Benters und Schulers das onkologische Zentrum in Riesa zunächst in die Ferne gerückt ist, halte die Klinik an dem Plan fest, ein solches in der Stadt zu etablieren. Zudem soll die Station vier ab Anfang Januar 2010 wieder geöffnet werden, so Kliniksprecher Kuschel. Honorarärzte werden dann tätig.