Samstag, 01.12.2012

Ach du dickes D

Die Stadt Düsseldorf hat sich ein neues Logo verpasst. Eine große Werbeagentur hat ihr dabei geholfen. Doch nun löst der Siegerentwurf Streit und Spott aus.

Von Frank Christiansen

Das ist das dicke D von Düsseldorf. Foto: dpa
Das ist das dicke D von Düsseldorf. Foto: dpa

Düsseldorf Ein Emoticon soll in der digitalen Kommunikation das ausdrücken, was sonst zu kurz käme: die Emotion. „:D“ steht dabei für ein lachendes Gesicht. Mit diesem sympathischen Lachen aus Chat und SMS will Düsseldorf nun sein Image aufpolieren. Es soll das neue Logo der Stadt sein. Die Werbeagentur BBDO war dabei behilflich. Aber schnell kam heraus: Mit dem lachenden D wird bereits für Dubrovnik und die Arbeitsschutz-Schau Dasa in Dortmund geworben. Nachwuchswerber gewannen damit sogar schon vor Jahren einen Preis für eine Dänemark-Kampagne.

Und nun hat sich auch noch eine kleine Düsseldorfer Werbeagentur gemeldet, die das lachende D bereits vor eineinhalb Jahren einem Düsseldorfer Dentisten auf die Fahne geschrieben hat - zu einem Bruchteil des Preises von mindestens 150.000 Euro, den die Stadt an BBDO zahlen soll.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen: Publicity bekommt Düsseldorf derzeit reichlich, wenn auch wohl nicht in der erhofften Form. Sogar das böse Wort „Plagiat“ macht die Runde. Die Opposition im Stadtrat schimpft über die „Provinzposse“.

Im Internet wird bereits über die „:Dorfdeppen“ hergezogen, Motto: „:Dumm gelaufen“. Ausgerechnet eine Kölner Zeitung ätzt, das dicke D erinnere doch sehr an die aufgespritzten Lippen der Damen auf der Renommiermeile Königsallee. Das tut weh, will man doch in Düsseldorf genau von diesem Image wegkommen.

Alles nicht so schlimm, lautet nun die offizielle Losung. Schließlich habe sich zuvor noch keine Stadt oder Region das Emoticon als Marke schützen lassen, betonen Sprecher von Stadtverwaltung und BBDO. Genau dies hat nun die Werbeagentur für Düsseldorf beantragt, bestätigt eine Sprecherin des Deutschen Patent- und Markenamtes in München. Aktenzeichen 302012047315.

Ob jemand ältere Rechte hat als Düsseldorf, dürfte sich in geraumer Zeit herausstellen. Denn erst wenn die Marke eingetragen ist, könnten andere Nutzer dem Markenschutz widersprechen und die Löschung beantragen. „Wir prüfen eine Kollision nur bei einem Widerspruch“, heißt es in München.

Die Gefahr sieht man in Düsseldorf als gering, das sei schließlich geprüft worden: Für Dubrovnik werbe nur eine private T-Shirt-Firma, die Dänemark-Kampagne sei nie realisiert worden. Und die Dasa-Arbeitsschutzschau in Dortmund, die der Bundesarbeitsministerin untersteht? Hat kein Problem mit dem Düsseldorfer :D. „Wir können damit sehr gut leben“, sagt ein Sprecher. Auch der Zahnarzt will der Stadt nicht in die Parade fahren, solange er sein Logo weiter nutzen darf.

Dass das Emoticon bereits breit verwendet wird, sei schließlich bekanntgewesen, sagt BBDO-Sprecher Dirk Popp. „Wir sehen das einigermaßen gelassen. Solche Kampagnen werden immer kontrovers, politisch und emotional diskutiert. Wir sind von der Kraft unseres Entwurfs absolut überzeugt.“ (dpa)

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