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Samstag, 13.05.2017

Absage an Hufewiesen-Investor

Die Grünfläche darf nicht bebaut werden. Jetzt muss die Stadt umplanen.

Von Sandro Rahrisch

Die Sonne über den Hufewiesen wird auch in Zukunft nicht durch Häuser verdeckt.
Die Sonne über den Hufewiesen wird auch in Zukunft nicht durch Häuser verdeckt.

© André Wirsig (Archiv)

Die größte innerstädtische Grünfläche in Trachau bleibt erhalten. Die Stadt wird ihre Pläne nicht weiterverfolgen, die Trachauer Hufewiesen für den Bau von Wohnhäusern vorzubereiten. Das hat der Stadtrat mit den Stimmen von Rot-Grün-Rot am Donnerstag beschlossen.

„Wir wollen den Erhalt dieser einzigartigen Kulturlandschaft“, sagte Grünen-Stadtrat Johannes Lichdi. Das Gebiet zwischen Leipziger Straße und Industriestraße soll zu einer öffentlichen Grünfläche entwickelt werden. Dafür muss die Stadt bis Ende Juli ein neues Bebauungsplanverfahren in die Wege leiten. Die Hufewiesen würden im Sommer für kühle Luft in Trachau sorgen und als Ausgleich zum überhitzten Elbepark wirken, so Kati Bischoffberger (Grüne).

Als neuer Wohnstandort wäre die Fläche ungeeignet, da sie in der Einflugschneise liegt. Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) machte außerdem deutlich, dass es für dieses Gebiet ohnehin Siedlungsbeschränkungen gibt, auch wegen des Überschwemmungsrisikos bei einem neuen Elbe-Hochwasser. Er habe dem Investor mitgeteilt, dass er die Chancen für einen Wohnungsbau an dieser Stelle als ungünstig einschätzt.

Das Immobilienunternehmen Adler Real Estate aus Berlin wollte 70 Millionen Euro investieren und 160 Wohnungen und eine Kita bauen. „Einen Plan B haben wir erst einmal nicht“, sagte Unternehmenssprecher Rolf-Dieter Grass am Freitag der Sächsischen Zeitung. Man werde sich zunächst einmal den Stadtratsbeschluss genauer anschauen und anschließend beraten, wie es mit dem Grundstück weitergeht. Die CDU spricht von investorenfeindlicher Politik. „Preiswerter Wohnraum wäre dort möglich“, sagte Gunter Thiele. Linke-Stadtrat Tilo Wirtz konterte: „Wer dort Land gekauft hat, hat spekuliert, und der hat sich verspekuliert.“

Bis 2012 konnten die Trachauer das Land als Erholungsgebiet mit Streuobstwiesen, Ponyranch und Platz zum Toben für Kinder und Hunde nutzen. Seither ist es abgesperrt. Der Verein Hufewiesen kämpfte jahrelang dafür, die Grünfläche zugänglich zu machen. „Wir freuen uns über die Entscheidung des Stadtrats“, sagt Vereinsvorsitzende Kati Denk. „Das heißt aber nicht, dass wir die Grünfläche sofort nutzen können.“ Immerhin befindet sich das Gelände noch im Eigentum der Adler Real Estate. „Wir sollten mit ihr im Gespräch bleiben, um alle Interessen zu berücksichtigen. Zumindest hoffen wir auf irgendeinen Konsens.“

Laut Denk habe man sich auch schon über einen Kauf des Grundstücks Gedanken gemacht – über eine Geldsammlung, eine Stiftung oder durch die Stadt. All das müsse nun aber vom Rathaus geprüft werden. „Das wird sicher eine Zeit dauern.“ CDU-Stadtrat Veit Böhm zog am Donnerstag Parallelen zu Marina Garden. „Ohne Zustimmung des Eigentümers kann man viel planen, aber es wird dort nichts passieren.“

Immerhin erlaubt der Eigentümer, dass der Verein am 20. Mai sein Trachenfest auf den Hufewiesen feiern kann. Das Gebiet ist 13 Hektar groß und liegt direkt am historischen Anger von Alttrachau.