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Dienstag, 03.04.2018

Abrissantrag bleibt

Oberbürgermeister Raschke will an der Fährmannstraße Häuser abreißen lassen – Stadträte wollen erst einmal nachschauen.

Von Udo Lemke

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Die große zugemauerte Öffnung war einmal die Durchfahrt für den Fuhrbetrieb Große in den Hof des Gebäudes. Von der Durchfahrt ging eine Schräge an die Triebisch, wo die Pferde getränkt und gewaschen wurden.
Die große zugemauerte Öffnung war einmal die Durchfahrt für den Fuhrbetrieb Große in den Hof des Gebäudes. Von der Durchfahrt ging eine Schräge an die Triebisch, wo die Pferde getränkt und gewaschen wurden.

© Claudia Hübschmann

  • Die große zugemauerte Öffnung war einmal die Durchfahrt für den Fuhrbetrieb Große in den Hof des Gebäudes. Von der Durchfahrt ging eine Schräge an die Triebisch, wo die Pferde getränkt und gewaschen wurden.
    Die große zugemauerte Öffnung war einmal die Durchfahrt für den Fuhrbetrieb Große in den Hof des Gebäudes. Von der Durchfahrt ging eine Schräge an die Triebisch, wo die Pferde getränkt und gewaschen wurden.
  • Der Plan von 1880 zeigt den L-förmigen Kopfbau an der Fährmannstraße.
    Der Plan von 1880 zeigt den L-förmigen Kopfbau an der Fährmannstraße.

Meißen. Heiko Schulze hat nicht locker gelassen. Eigentlich sollte die „städtebauliche Entwicklung des Areals Fährmannstraße“ im letzten Bauausschuss behandelt werden. Auf Antrag des Vorsitzenden der Fraktion Freie Bürger/SPD/Grüne wurde der Punkt jedoch gestrichen. Er bemängelte, dass weder der zuständige Kreisdenkmalpfleger Dr. Christl noch Vertreter des für die Stadt planenden Büros May anwesend waren, so wie es seine Fraktion gefordert hatte. Außerdem kritisierte er, dass eine mehrfach angemahnte Begehung der städtischen Häuser auf der Fährmannstraße durch Stadträte seitens der Verwaltung nicht eingeräumt werde. Inzwischen sandte Hardy Bollenbach vom Büro des Stadtrates eine Einladung. „Sehr geehrte Damen und Herren Stadträte, mit dieser E-Mail laden wir alle interessierten Stadträte ein, am Dienstag, dem 3. April, um 15 Uhr die Gebäude Fährmannstraße 1 bis 4 zu besichtigen.“ Die Besichtigung finde zu dieser frühen Uhrzeit statt, „damit das Tageslicht ausgenutzt werden kann“. Allerdings ist der Termin inzwischen schon wieder verschoben worden, auf den 10. April, nach den Osterferien.

Um das Areal Fährmannstraße – hier gehören der Stadtentwicklungsgesellschaft Seeg zwei weitere Häuser – gibt es seit Jahren Auseinandersetzungen. Der Stadtrat hatte das Gebiet mehrfach mit Veränderungssperren belegt, sodass privates Engagement zum Erhalt der teils denkmalgeschützten Häuser nicht zum Zuge kommen konnte. Zuletzt hatte der Antrag der Stadtverwaltung, einige der Denkmale abzureißen, für Verwunderung gesorgt, war dies doch seitens des Kreisdenkmalamtes schon 2016 strikt abgelehnt worden.

In einem offenen Brief an Oberbürgermeister Raschke hatte Heiko Schulze schon im Februar erklärt, dass der Abrissantrag bei der unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises für die Häuser in der Fährmannstraße eine bewusste Brüskierung des Bauausschusses darstelle und für die Denkmalschutzbehörde provozierend wirken müsse. „Offensichtlich möchten Sie mit Ihrem Vorgehen vollendete Tatsachen schaffen, um das von Ihnen favorisierte städtebauliche Projekt durchzusetzen.“

Dieses Projekt sieht den Abriss der Häuser vor, einen Teilneubau und ansonsten Wiese mit Sitz- und Spielmöglichkeiten und Treppen zur Triebisch hin. Für den Erwerb der Häuser hat die Stadt etwa 270 000 Euro ausgegeben, nur um dort „eine stadtfremde Brachfläche zu schaffen?“ – wie SZ-Leser Wolf-Rainer Krüger fragt. „Ich wünschte mir ein Modell, dass dieses Areal mit dem Kopfbau usw. uns Meißnern zeigt. Das wäre mit Sicherheit auch für die gegenüber auf der Gerbergasse Wohnenden interessant. Schon eine Skizze eines Architekten, dessen Herz für unser Meißen schlägt, wäre hilfreich.“

Auf die Frage, ob der Chef der Kreisdenkmalpflege, Dr. Christl, an der Begehung der Fährmannstraßenhäuser teilnehmen wird, erklärte Helena Musall, die stellvertretende Kreissprecherin, dass dies nicht der Fall sein wird. „Er wurde jedoch zur Sitzung des Bauausschusses der Stadt Meißen eingeladen, welche am 18. April stattfindet. Er wird auch hingehen.“ Und an die Stadtverwaltung ging die Frage, ob der Antrag auf Abriss der denkmalgeschützten Häuser Fährmannstraße 1 bis 3 inzwischen zurückgezogen worden sei. Antwort: „Der Antrag auf denkmalschutzrechtliche Genehmigung zum Rückbau ist nicht zurückgezogen worden“, erklärte Michael Eckardt von der Pressestelle der Stadt. Auch dazu hat Stadtrat Schulze in seinem offenen Brief eine klare Meinung: „Herr Oberbürgermeister, ziehen Sie den Antrag der Stadt Meißen zum Abriss der Häuser in der Fährmannstraße zurück.“