Sonntag, 30.12.2012

Ab Januar 2013: Mehr Netto für Millionen Beschäftigte

Im Wahljahr kriegen viele mehr Gehalt raus - bis zu 200 Euro Plus sind drin. Aber: Steigende Energiekosten fressen die Entlastung schnell auf.

Von Berrit Gräber

Berlin. Im Jahr der Bundestagswahl können sich Millionen Beschäftigte über spürbar mehr Netto in der Lohntüte freuen. Durch Steueränderungen dürften 2013 übers Jahr gesehen bis über 200 Euro mehr auf dem Gehaltskonto landen, je nach persönlicher Situation, wie der Haufe-Verlag im Auftrag des Bundesverbands der Lohnsteuerhilfevereine (BdL) berechnet hat. Bei dem Plus ist noch gar nicht berücksichtigt, dass der steuerfreie Grundbetrag voraussichtlich ab März um 126 Euro auf 8.130 Euro erhöht werden soll. Sprich: Sobald die Anhebung abgesegnet ist, sinkt die Steuerlast dann noch einmal für Millionen Bürger.

Im Vorteil sind ab Januar vor allem die mittleren bis kleinen Einkommensstufen, wie BdL-Geschäftsführer Erich Nöll im dapd-Gespräch erläutert. Trotz der erfreulichen Gehaltsaussichten fürs neue Jahr kann der Mehrverdienst für viele schnell wieder dahin sein. Vor allem die enormen Preissprünge für Energie dürften die Entlastung im Geldbeutel vermutlich rasch wieder schrumpfen lassen. Viele privat Krankenversicherte müssen 2013 zudem empfindliche Verteuerungen für ihre Policen in Kauf nehmen.

Singles fahren besser

Dass viele Bundesbürger ab Januar etwas mehr Verdienst rauskriegen, liegt vor allem an den neuen Rechengrößen in der Sozialversicherung. Der Beitrag für die gesetzliche Rentenversicherung sinkt 2013 auf den niedrigsten Stand seit 18 Jahren, nämlich von 19,6 auf 18,9 Prozent des Bruttoeinkommens. Niedriger lag der Beitrag zuletzt im Jahr 1995, da waren es 18,6 Prozent. Er wird je zur Hälfte vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber bezahlt. Beide müssen im kommenden Jahr jeweils 0,35 Prozentpunkte weniger dafür aufbringen. Einem Durchschnittsverdiener bringt das etwa acht bis neun Euro mehr Lohn im Monat.

Gesetzlich Krankenversicherte zahlen allerdings zugleich etwas mehr für die Pflegeversicherung. Der Beitragssatz steigt 2013 von 1,95 auf 2,05 Prozent, bei Kinderlosen auf 2,3 Prozent. Unterm Strich bleibt aber immer noch mehr in der Lohntüte als bisher, wie Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL) erklärt.

Wie sich das Drehen an Steuer-Stellschrauben im nächsten Jahr auswirken kann, haben die Experten des Haufe-Verlags anhand von Beispielfällen so berechnet: Ein lediger Arbeitnehmer mit Steuerklasse eins, kinderlos, mit Kirchensteuer und einem monatlichen Bruttoverdienst von 3.750 Euro bringt im Januar etwa 16 Euro mehr nach Hause. Aufs Jahr gesehen kann das ein Plus von gut 192 Euro ausmachen, den neuen Grundfreibetrag noch nicht eingerechnet. In der Gehaltsgruppe von 5.000 Euro kriegt der Single ein monatliches Plus von gut 17 Euro heraus, was sich auf über 200 Euro im Jahr summiert.

Auch für ledige Alleinerziehende mit Steuerklasse 2 und einem Kind bleibt ein bisschen mehr netto übrig. Bei 1.500 Euro brutto liegt das Plus bei circa fünf Euro im Januar, bei 3.750 Euro macht es gut 15 Euro mehr im Monat. Für einen verheirateten Familienvater, zwei Kinder, Lohnsteuerklasse drei, sieht es folgendermaßen aus: Verdient er 3.750 Euro brutto, kann er sich über 14 Euro mehr auf der Januar-Gehaltsabrechnung freuen. Bei 2.500 Euro Verdienst schrumpft die Entlastung auf acht Euro im Monat. Bei 4.500 Euro Gehalt liegt das Plus bei zehn Euro im Monat. Kommt ein erhöhter Grundfreibetrag, werden weniger Steuern fällig.

Bei Privatversicherten sieht die Rechnung von vornherein anders aus. Wie viel ihnen Monat für Monat bleibt, hängt dann nicht nur von Einkommensklasse, Sozialabgaben und Steuersatz, sondern auch von der Höhe ihrer Krankenversicherungsbeiträge ab.

Je mehr Brutto, desto weniger Einbuße

Weil im nächsten Jahr neue Bemessungsgrenzen für Sozialabgaben gelten, werden Gutverdiener ohnehin anders zur Kasse gebeten. Die Bemessungsgrenze für die Renten- und Arbeitslosenversicherung steigt in den alten Bundesländern um 200 Euro auf 5.800 Euro pro Monat (im Jahr: 69.600 Euro). Ein Versicherter aus dem Westen mit einem Monatsbruttoeinkommen von 5.800 Euro zahlt im neuen Jahr 1.096,20 Euro, also 1,40 Euro weniger als zuvor. In den neuen Bundesländern steigt die Hürde um 100 auf 4.900 Euro (58.800).

Außerdem wird die Messlatte für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung bundesweit angehoben, und zwar von derzeit 3.825 auf 3.937,50 Euro (im Jahr: 47.250 Euro). Wer 2013 also mehr als 3.937,50 Euro brutto im Monat verdient, muss künftig rund 610 Euro zur Krankenversicherung beisteuern. Einkommen, das darüber hinausgeht, ist beitragsfrei - ob 4.720 oder 10.000 Euro verdient wird. (dapd)

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