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Montag, 05.09.2016

800-Jahrfeier mit klatschnassem Finale

Trotz eines Wolkenbruchs brachten die Schönfelder ihren Jubiläumsumzug gestern stimmungsvoll über die Bühne.

Von Manfred Müller

Der Festumzug in Schönfeld

Erntewagen mit Erntekrone der Familie Steinborn
Erntewagen mit Erntekrone der Familie Steinborn

© Klaus-Dieter Brühl

Schönfeld. Gewitter waren ja angesagt für den Sonntagnachmittag, aber dass das Timing so ungünstig sein würde, hatte keiner der über 500 Teilnehmer am Festumzug geahnt. Gegen halb zwei zog von Westen her eine Regenwand auf, und als die Spielleute den Marsch durchs Dorf eröffneten, goss es in Strömen. Ein paar Blitze zucken durch die Wolken, und nach wenigen Minuten waren alle – ob zu Fuß, zu Pferd oder auf den Zugmaschinen – bis auf die Haut durchnässt.

Der Festumzug in Schönfeld

„Wären sie mal heute früh alle zum Gottesdienst gegangen“, kommentierte einer der Besucher die klatschnasse Angelegenheit. Vielleicht hätte ja das richtige Gebet den Wolkenbruch etwas hinausgezögert, aber die Schönfelder und ihre Gäste machten auch so das Beste daraus.

Einige Zuschauer fanden Schutz in Bushaltestellen oder unter Bäumen und Dachvorsprüngen. Die Glücklichsten saßen hinter den Schaufenstern der Tischlerei Winkler, wo sie keinen einzigen Tropfen abbekamen.

Und die Umzugsteilnehmer? Viele betrachteten die Veranstaltung als eine Art Woodstock-Festival und verzichteten freiwillig auf Regenschirm oder Regenjacke. Wenn schon nass, dann richtig – den drohenden Schnupfen inklusive. Schönfelds Bürgermeister Hans-Joachim Weigel, der mit seinen Ehrengästen die Parade in einer offenen Kutsche anführte, hatte sich immerhin eine Decke umgehängt. „Einen normalen Festumzug haben die Leute in zwei, drei Jahren vergessen“, sagt er gut gelaunt. „An den hier werden sie sich noch Jahrzehnte später erinnern.“

Regen macht Beine schnell

Mit 73 Bildern hatte der Schönfelder Umzug etwa das gleiche Ausmaß wie der berühmte Karnevalszug im benachbarten Radeburg. Nur, dass er sich wegen der Regenfluten wesentlich schneller bewegte. Gerade mal eine halbe Stunde brauchte die Marschkolonne für die zweieinhalb Kilometer lange Strecke. Und das, obwohl viele Gruppen zu Fuß oder im Pferdewagen unterwegs waren.

Der Festumzug gliederte sich in drei große Abschnitte: einen Historienteil, Landwirtschaft und Gewerbe sowie die aktuellen Vereine und Einrichtungen im Ort. Am Anfang standen die Bilder aus früheren Jahrhunderten wie etwa der Schönfelder Namenspatron Tammo de Sconevelt, der mit seiner Herzensdame hoch zu Ross daherkam. Oder Schlossherr Carl Friedrich von Erdmannsdorf, dessen Hochzeit mit Charlotte Sophia von der Sahla nachgestaltet wurde. Die Adelsdamen in ihren saugfähigen Gewändern konnten immerhin einen Regenschirm über sich aufspannen, ohne dass es das historische Flair beeinträchtigt hätte. Anders erging es da den schwedischen Landsknechten und Napoleons Besatzungssoldaten, die in triefnassen Uniformen tapfer durch Schönfeld marschierten. Oder den eher leicht bekleideten Pestkranken, die sich um ihr Make-up sorgen mussten.

Fast jeder Schönfelder beteiligt

Eine beträchtliche Anzahl von Bildern war der jüngeren Schönfelder Geschichte gewidmet. Zum Beispiel der Maschinen- und Traktorenstation, die jahrzehntelang die umliegenden Agrarbetriebe mit Technik und Reparaturleistungen versorgte. Oder der ländlichen Poliklinik, für die etliche echte Weißkittel im Zug mitmarschierten. Sogar die Gemeindeschwester fuhr auf ihrer „Schwalbe“ durch die Pfützen.

Auf diese oder jene Art war fast jeder Schönfelder am Gelingen des Festumzugs beteiligt. Sei es mit einem hübsch geschmückten Anwesen oder einfach nur der Tatsache, dass er im Regen tapfer am Straßenrand ausharrte, bis auch der letzte Umzugsteilnehmer vorbeimarschiert war.