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Donnerstag, 22.04.2010

536 Operationen und ein Todesfall

Jeden Monat sterben im Dresdner Uniklinikum etwa 50 Patienten. Jetzt können alle die Sterberaten bei typischen Eingriffenim Internet nachlesen.

Von Steffen Klameth

Wer ein neues Hüftgelenk erhalten soll und die Operation im Universitätsklinikum Dresden durchführen lässt, darf sich mit einigermaßen ruhigem Gewissen in die Hände der Ärzte begeben: Bei den 536 Erstimplantationen im vergangenen Jahr kam es nur in einem einzigen Fall zu derart schwierigen Komplikationen, dass der Patient die OP nicht überlebte.

Über solche Ereignisse spricht niemand gern, auch Kliniken machen um die Todesraten gewöhnlich ein Geheimnis. Seit dieser Woche ist das anders: Das Dresdner Uniklinikum hat die Sterbefälle bei rund 30 typischen Erkrankungen ins Internet gestellt – einsehbar für alle anderen Krankenhäuser und auch für alle Patienten. Im Unterschied zu anderen Qualitätsberichten handele es sich hier um Daten, die von den Krankenkassen geprüft wurden und damit nicht manipulierbar seien, betont Prof. Michael Albrecht, medizinischer Vorstand des Uniklinikums.

Jeder Todesfall erneut geprüft

Die Dresdner gehören zu den Gründungsmitgliedern der „Initiative Qualitätsmedizin“ (IQM), der sich mittlerweile rund 100 deutsche Kliniken angeschlossen haben. Ziel sei es, im direkten Vergleich die eigenen Behandlungserfolge einzuordnen und Schwachstellen aufzudecken. „Wir haben die Zahlen zum Anlass genommen, noch einmal jeden einzelnen Todesfall zu untersuchen“, berichtet Albrecht. Ergebnis: In keinem einzigen Fall war der tragische Ausgang vermeidbar.

Im Uniklinikum sterben nach Angaben des Vorstands jeden Monat etwa 50 Patienten – von 270000 Patienten pro Jahr. „Ein sehr guter Wert“, wie Albrecht meint. Die Einschätzung kann er jetzt auch mit den Zahlen aus dem IQM-Vergleich untermauern.

Viele Risikopatienten

Bei 18 typischen Eingriffen steht die Dresdner Einrichtung besser da als der Durchschnitt aller beteiligten Krankenhäuser, bei zehn schlechter. Stolz ist der Klinikchef z.B. auf die niedrigen Sterberaten in der Urologie, Chirurgie und bei Krebs-OPs am Dick- und Enddarm.

Andere Werte, etwa bei Herzerkrankungen, werfen dagegen einen Schatten auf das Uniklinikum. Das spreche aber keinesfalls für eine schlechte Behandlungsqualität, betont Albrecht. „Wir sind ein Maximalversorger und stehen oft am Ende der Behandlungskette. Nicht selten werden Patienten aus anderen Krankenhäusern ans Klinikum verlegt, weil deren Behandlung ein besonders hohes Risiko birgt.“ Aus diesem Grund mache es keinen Sinn, die jetzt veröffentlichten Daten zu einem direkten Vergleich von Krankenhäusern heranzuziehen. Patienten könnten aber sehen, dass die beteiligten Kliniken dem Problem einen hohen Stellenwert einräumen. Außerdem ermögliche der Vergleich zum Durchschnittswert eine Einordnung, und die Zahl der Eingriffe sage etwas über die Erfahrung der Ärzte aus.

Albrecht gibt zu, dass die Todesrate nur eines von vielen Qualitätskriterien ist. Er wünscht sich, dass der Katalog der Indikatoren erweitert wird. Und dann kann man eines Tages vielleicht auch sehen, wie lange das implantierte Hüftgelenk seinen Dienst getan hat.