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46 Einsatztage am Bärwalder See

Der DRK-Landesverband Sachsen und Boxberg haben ein Pilotprojekt zur Wasserrettung. Es braucht aber selbst Hilfe.

07.10.2017
Von Carla Mattern

ztage am Bärwalder See
Frank Brosius (links) aus Boxberg und Joachim Weiß aus Dresden beobachten von der Wache am Klittener Ufer aus das Geschehen auf dem Bärwalder See. Die Wasserwacht des DRK organisierte in der Badesaison die Absicherung von Badegästen und Wassersportlern.

© André Schulze

Der starke Wind hat schon machen Wassersportler auf dem Bärwalder See überrascht. Im Juni wäre er einem Kitesurfer und einem Surfer fast zum tödlichen Verhängnis geworden. Doch Boxberger Feuerwehrleute und Wasserretter vom Deutschen Roten Kreuz rückten aus. „Ohne uns wären die nicht mehr aus dem Wasser gekommen“, sagt Joachim Weiß. Er arbeitet beim Landesverband Sachsen des Deutschen Roten Kreuzes und ist als Referent für die Wasserwacht zuständig.

Ein Pilotprojekt hatte im Frühjahr die Gemeinde Boxberg und den DRK-Landesverband zusammengebracht. Boxberg verfügt am Bärwalder See in Klitten über eine moderne Rettungswache. Den größten Teil davon hat der Landkreis für seine Klittener Rettungswache gemietet. Zum Gebäude gehören auch Räume, die speziell für die Wasserrettung konzipiert und ausgestattet sind. Die Gemeinde hat die Räume, der DRK-Landesverband die Wasserretter. Also lag es nahe, miteinander ins Gespräch und zu einem Mietvertrag zu kommen. Denn Wasserretter müssen regelmäßig üben und Ausbildungen absolvieren, in Theorie und Praxis. Also sprach nichts dagegen, das viele Gruppen aus verschiedenen Kreisverbänden das in diesem Jahr erstmals am Bärwalder See machten.

1 490 Stunden an 46 Tagen waren DRK-Wasserretter aus ganz Sachsen im Wacheinsatz in Boxberg. Neben den zwei Lebensrettungen bekamen sechsmal Surfer und Kitesurfer Hilfe, viermal rückten die Retter aus, um Segelbootbesatzungen Hilfe zu leisten. Das sagt Joachim Weiß auf Nachfrage. Diese Einsatzstunden kommen zusammen, weil mehr als ein Dutzend Gruppen aus ganz Sachsen, darunter Mitglieder der DRK-Kreisverbände aus Weißwasser, Dippoldiswalde, Dresden, Chemnitz, Leipzig, Bautzen, Pirna und Görlitz den Landesverband am Bärwalder See unterstützten.

Trotz aller Ausbildungseinheiten für diese Gruppen habe der Fokus grundlegend immer auf einer Grundabsicherung für den Wachdienst und die Besetzung der Klittener Wache sowie der Rettungsboote, wie zum Beispiel das kleine, zur Wache gehörende fünf-PS-starke Boot, größere Rettungsboote oder die Jetski des DRK, gelegen. Augenmerk legen die Retter dabei auf den Badebereich, aber auch auf die Wassersportler, deren Betätigungsbereich auf dem See ja deutlich größer ist. Darüber hinaus wurden verschiedene Veranstaltungen wie das Rescue Camp des Technischen Hilfswerks, Freiwasserschwimmwettbewerbe und Segelregatten am Rande begleitet. „Die Wache selbst war zu den Wachzeiten immer besetzt und telefonisch für die Leitstelle erreichbar. Hierzu haben sich die Rettungsschwimmer morgens bei der Leitstelle an und abends abgemeldet“, sagt Joachim Weiß. Er selbst sei etwa jedes dritte Wochenende im Einsatz gewesen und auch während des Rettungsschwimmerlehrganges. Den Versuch, am Bärwalder See Nachwuchs für die Wasserrettung zu finden und auszubilden, bezeichnet Joachim Weiß als gelungen. „Unser erstes Angebot wurde recht gut angenommen. So konnten wir in einem einwöchigen Kursprogramm fünf neue Rettungsschwimmer ausbilden, welche ihre neue Qualifikation nun in der Oberlausitz geltend machen“, sagt der Mitarbeiter des DRK-Landesverbandes. Einsatzorte kommen einige infrage: ob als Begleiter von Jugendgruppen, im Freibad um die Ecke oder eben hier an der Wache am Bärwalder See. Drei der frisch ausgebildeten Rettungsschwimmer hätten auch Interesse signalisiert, dass sie in Zukunft für Dienste zur Verfügung stehen würden, so Joachim Weiß. Möglicherweise nützt das den Mitgliedern der DRK-Ortsgruppe Boxberg. Frank Brosius, der im Rettungsdienst arbeitet, setzt sich dafür ein, dass die Gruppe wächst. Er war selbst im Einsatz auf der Wache in Klitten.

Intensiver geworden ist der Kontakt zur Feuerwehr, so Joachim Weiß, und das helfe dabei, im Einsatzfall gemeinsam schnell und handlungssicher zu agieren.

Zuletzt waren am vergangenen Wochenende Kameraden der Wasserwacht Dresden vor Ort. Da der Mietvertrag für die Wache nicht an die Bade- oder Wassersportsaison gekoppelt ist, sind bereits weitere Aktionen geplant, wie beispielsweise eine Klausurtagung und Veranstaltungen zum Thema Wassersicherheit sowie Winter- und Eisrettung in der kalten Jahreszeit. „Wir als DRK sind an einer Zusammenarbeit mit der Gemeinde Boxberg weiterhin interessiert“, so der Mitarbeiter des Landesverbandes. Aber dafür braucht es mehr finanzielle Hilfe.