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Freitag, 12.01.2018

2500 Spiele abgepfiffen

Als Fußballschiri war Frank Neubert berühmt-berüchtigt. Seine in Buchform verpackten Erlebnisse präsentiert er jetzt in seiner alten Heimat.

Von Dörthe Gromes

Blaue Karte statt Rote oder Gelbe. Frank Neubert galt als harter aber auch humoriger Schiedsrichter.
Blaue Karte statt Rote oder Gelbe. Frank Neubert galt als harter aber auch humoriger Schiedsrichter.

© privat

Gröditz. Mehr als vierzig Jahre war Frank Neubert Schieds- und Linienrichter – und in dieser Zeit in der Fußballszene, der regionalen Kickerszene bekannt wie ein bunter Hund. Mehr als 2 500 Spiele hat der Mann, der im Hauptberuf Senftenbergs Wirtschaftsförderer ist und aus Gröditz stammt, auf dem Buckel. Oft war er streng, aber regelmäßig hat er Spieler und Trainer auch auf die Schippe genommen. Hart, aber herzlich: Frank Neubert zahlt Ärger auf dem Platz mit verrückten Aktionen zurück.

Im Juli 2017 hat Neubert, quasi in der dritten Halbzeit, seine schönsten Anekdoten in einem Buch veröffentlicht. „40 Jahre Schwarze Sau“ heißt es und zeigt, dass das Schiedsrichtersein nicht immer eine bierernste Angelegenheit ist. Voraussetzung: ein wenig Mut und den Schalk im Nacken.

Beispiel gefällig? Bitte schön: Da stapft Neubert beim Auswärtsspiel des FSV Glückauf Brieske/Senftenberg im Lübbener Stadion Mitte 2017 ganz selbstverständlich in die Briesker Kabine und erzählt im Brustton der Überzeugung, er sei jetzt als Schiri angesetzt worden. Ein Jahr nach seinem Karriereende. Begründung: Der eigentliche Unparteiische sei vorher vom Verein bestochen und vom Verband abgesetzt worden. Alles frei erfunden, aber Neubert schafft es, dass den Briesker Spielern die Gesichtszüge einschlafen. Denn Brieske und Neubert: Das war nie eine Liebesbeziehung. Weshalb er tatsächlich in Lübben gewesen ist: Einige altgediente Schiris sind im Spreewald zum „Tag der Ehrenschiedsrichter“ unterwegs: Floßfahrt, ein paar alte Geschichten – und der Senftenberger nutzt die Chance, um sich noch mal in Erinnerung zu bringen. Irgendwann werden es die Briesker auch ulkig gefunden haben. – Dabei hat Frank Neubert gleich in seinem ersten Spiel bei den Männern richtig leiden müssen. Traktor Merschwitz III gegen Empor Heyda III. Neubert ist knapp 16 und verpfeift das Spiel ordentlich. Doch bevor Spielermeute auf ihn losgehen kann, verbarrikadiert er sich in der Schirikabine und flieht schließlich aus dem Fenster.

Offenbar hat ihm das Erlebnis nicht geschadet, denn anschließend hat Neubert noch gut 225 000 Minuten auf dem Platz gestanden. Was seine Anekdoten lesenswert machen: Er schreibt, wie er spricht. Nicht glattgebügelt. Sondern direkt, ein klein bisschen verschachtelt und detailverliebt – so, wie er erzählt. Witziger wäre wohl nur ein von ihm eingesprochenes Hörbuch. Wie das klingen könnte, davon können sich die Interessierten in Gröditz nächste Woche einen Eindruck machen. Denn am Mittwoch, dem 17. Januar, stellt Frank Neubert in der Stadtbibliothek im Dreiseithof sein Buch vor. Dann können Besucher erfahren, warum er fast mal ein Spiel der Bundesliga-Mannschaften von Energie Cottbus und Hertha BSC in Gröditz gepfiffen hätte, es dann aber doch nicht dazu kam. Oder wieso er in einem Spiel mal eine blaue Karte zückte.

Weil die Veranstaltung gemeinsam von der Gröditzer Stadtbibliothek und dem FV Gröditz 1911 präsentiert wird, beginnt sie am Mittwoch um Punkt 19.11 Uhr. Der Eintritt ist frei. (LR, Sascha Klein/SZ)