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Montag, 02.10.2017

17 Hausärzte fehlen im Landkreis Görlitz

Allgemeinmediziner sind Mangelware, bei anderen Fachärzten ist laut Statistik keine Not. Wartezeiten gibt es trotzdem.

Von Steffen Gerhardt

Schnell mal den Blutdruck messen, das ist nicht immer gegeben. Angesichts der Personalengpässe bei Allgemeinmedizinern sind Wartezeiten üblich.
Schnell mal den Blutdruck messen, das ist nicht immer gegeben. Angesichts der Personalengpässe bei Allgemeinmedizinern sind Wartezeiten üblich.

© dpa

Die Suche nach einem neuen Hausarzt gestaltet sich schwierig im Landkreis Görlitz. Denn in dieser Berufsgruppe herrscht Arztmangel. Dieser äußert sich darin, dass im Landkreis Görlitz 17 Hausarztstellen nicht besetzt sind. Das geht aus der aktuellen Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) hervor. Konkret heißt das, dass im Altkreis Niesky zweieinhalb Stellen fehlen, in Weißwasser sechs und in Görlitz neun. Damit kommt Görlitz auf den dritten Platz bei fehlenden Hausärzten im Regierungsbezirk Dresden. Ein noch größerer Bedarf ist nur in den Altkreisen Hoyerswerda (10,5) und Freital (11) festzustellen. Dennoch spricht die KVS nicht von einer Unterversorgung. Sie ist dann gegeben, wenn im jeweiligen Planungsbereich (dieser ist vergleichbar mit den früheren Landkreisen) der Grad der hausärztlichen Versorgung unter 75 Prozent liegt. Auf den Landkreis bezogen ist somit jede zehnte Hausarztstelle unbesetzt. Gegenwärtig praktizieren 174 Hausärzte zwischen Bad Muskau und Zittau.

Sozialdezernentin Martina Weber bestätigt, dass der Landkreis besonders bei den Hausärzten Bedarf hat. „Bei der spezialisierten fachärztlichen Versorgung ist lediglich bei den Radiologen im Planungsbereich Görlitz eine Stelle offen. Ferner sind im Gebiet Oberlausitz-Niederschlesien vier freie Stellen für Kinder- und Jugendpsychiater vorhanden“, ergänzt die 2. Beigeordnete des Landrates.

Bei der allgemein fachärztlichen Versorgung sind Görlitz Stadt und Land für Augenärzte, Chirurgen, Frauenärzte, HNO-Ärzte, Hautärzte, Kinderärzte, Nervenärzte, Orthopäden und Urologen gesperrt, da hier der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen im Freistaat Sachsen eine Überversorgung festgestellt hat. Diese ist dann gegeben, wenn über ein Zehntel Ärzte mehr praktiziert als vorgesehen. In den Bereichen Niesky und Weißwasser sieht es ähnlich aus, da liegt laut KVS der Versorgungsgrad ebenfalls über 110 Prozent. Das heißt, im Landkreis Görlitz sind mehr Fachärzte beschäftigt, als laut Stellenplan der KVS vorgesehen sind.

Zu einem gewissen Anteil tragen ausländische Ärzte dazu bei, dass sich der Bedarf in Grenzen hält. Die Sächsische Landesärztekammer nennt für Sachsen 2 517 ausländische Ärzte (Stand 2016). Den größten Anteil machen mit 15 Prozent tschechische Mediziner aus, gefolgt von Slowaken (11 Prozent) und Polen (9 Prozent). Wie viele davon im Landkreis Görlitz praktizieren, geht aus der Statistik nicht hervor. Eine steigende Tendenz nach oben lässt sich ablesen: Waren es 2005 beispielsweise 54 tschechische Ärzte, die in Sachsen arbeiteten, so stieg ihre Zahl auf 376 Ende 2016.

Dennoch bleibt es für den Landkreis zwingende Aufgabe, Ärzte an die Neiße zu holen und ihnen ein Auskommen zu bieten. Das bestätigt Martina Weber: „In den letzten Jahren haben wir intensiv in Beratungen bei den verschiedenen Gremien, die für die medizinische Versorgung im Landkreis zuständig sind, auf die zu erwartenden Probleme hingewiesen. Seit der Gründung der Ärzte-Netz Ostsachsen GbR können wir eine konstruktive Zusammenarbeit gestalten.“ Im Ergebnis dessen wurde eine Imagekampagne erfolgreich begonnen, um Ärzte aufs Land zu holen. Erste Ergebnisse liegen in steigenden Nachfragen nach Weiterbildungsmöglichkeiten im Landkreis vor. Innerhalb der letzten sechs Monate sind acht Anfragen eingegangen.

Gegenwärtig entsteht ein Weiterbildungsverbund für junge Mediziner mit einer Koordinierungsstelle, die alle organisatorischen Aufgaben bis hin zur Wohnungssuche und Kita-Plätzen übernimmt. „Weitere Werbungsaktionen unter Medizinstudenten für den Zuzug in die ländliche Region werden derzeit mit dem Ärzte-Netz vorbereitet“, ergänzt die Sozialdezernentin.

www.aerzte-fuer-ostsachsen.de