Junge Szene Meißen
Donnerstag, 23. Juni 2005
(Sächsische Zeitung)
(Sächsische Zeitung)
Tut Wurzelziehen weh?
Von Maria-Luise Kunze, Anke Lenzer und Martin Machowecz
Ein Nossener Schüler räumt beim Mathewettbewerb ab. Rechnen? Prima! Warum fällt manchen das Fach so leicht – und andere schnallen nichts?
Mathe! Klingt das nicht böse? Mancher Schüler gruselt sich wie beim Klassenausflug in der Geisterbahn, wenn er das Wort hört. Für Mathe-Feinde ist kollektives Einpullern angesagt - aus Angst vor dem bösen Quadrat und der fiesen Wurzel. Bei Paul Adam ist das anders. Der junge Schüler grinst da viel lieber über beide Backen. „Mathe? Finde ich gut“, sagt der 11-Jährige vom Nossener Gymnasium. Ganz schelmisch guckt der Blondschopf dabei. Man nimmt ihm das ab. Beim Mathe-Wettbewerb in Annaberg hat er gerade groß abgeräumt. Angst vor den karierten Kästchen mit den vielen Zahlen hat er nicht. „Ich knoble doch gerne. Nur bei leichten Aufgaben wird's schnell langweilig.“ Mathe und langweilig - es gibt Schüler, für die passt das in einem ganz anderen Zusammenhang prima. Sie finden das ganze Fach schrecklich. Warum peilt der eine Schüler alles auf Anhieb, während sein Kumpel schwitzend daneben sitzt und keinen blassen Schimmer hat?
Streit um die Mathematik
„Manchmal ist der Matheunterricht wirklich leicht“, findet Paul, und wieder setzt er sein spitzbübisches Grinsen auf. Gleich neben Paul steht ein Mädchen, genauso alt, gleiche Klasse. „Das findest aber auch nur du“, sagt sie. Mathe-Zwist pur. Paul setzt sich an seinen Hefter. Hausaufgaben machen. Mal eben in der Pause, schon für den nächsten Tag. Die Schüler im Landkreis sind sich nicht einig, wenn es um Mathe geht. Ein Stress-Fach?
Petra Kölling vom Meißner Studienkreis ist Nachhilfelehrerin. Sie kennt das Problem. „Klar, der eine bewältigt Mathe-Stoff besser als der andere. Und das hat viele Gründe“, sagt sie. Fehlende Veranlagung sei nur einer davon. Und oft eine Ausrede. „Wichtig ist auch: Welche Grundlagen sind da? Wie groß ist das Interesse am Fach, welche Einstellung hat der Schüler?“ Da prallen also Welten aufeinander. Und Ausreden. Mathematisches Grundwissen ist aber wirklich wichtig. Katja Huth hat als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Dresden eine Doktorarbeit zum Thema Mathe und Lernen geschrieben. Jetzt arbeitet sie im Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche in Dresden. „Oft fehlt mathematisches Vorwissen. Wenn es an Grundlagen mangelt, versteht man den vielschichtigen Stoff nicht.“, sagt die Frau. In Mathe baue alles aufeinander auf. „Die Regeln werden immer vielfältiger, aber wem die Vorkenntnisse fehlen, der versteht neue Rechenregeln nicht.“ Jedes Thema fordere alte Grundlagen. Trotzdem gibt es Leute, für die gerade das den Reiz ausmacht. Für andere ist es der Horror: Mathe ist vielschichtig. Manchmal ist dann Nachhilfe ratsam.
Paul Adam hat die natürlich nicht nötig. Julius Eisenreich aus Meißen dagegen muss ranklotzen. „Vor einem Jahr stand ich auf einer Vier in Mathe“, erzählt er. Jetzt hat er eine Drei - dank Nachhilfe. Man müsse sich durchbeißen, weil viele andere Fächer auf Mathe aufbauen. Dann überlegt er eine Weile. Bestimmt sagt er: „Es hängt von der Veranlagung ab, manche brauchen länger zum Verständnis.“ Also doch das angeborene Talent? Mathe ist ein heißes Pflaster. „Es liegt stark an der persönlichen Einstellung zum Fach, ob man etwas versteht“, sagt Mathelehrer André Kappelar von der Lommatzscher Mittelschule. Ohne Lust komme Frust, weil die Schüler schnell keine Freude mehr am Lernen hätten. Außerdem sei das Umfeld wichtig: „In anderen Ländern applaudieren die Mitschüler, wenn eine Aufgabe gelöst wurde“, sagt er. Nur hier nicht. So fehlen dann die vielen Pauls, weil Schüler nicht motiviert sind.
Auch Lehrer haben Anteil
Auch die Lehrer haben ihren Anteil - an Freude und Leid. „Mathe bedeutet für mich schweißtreibende Arbeit bei einer bösartigen Lehrerin“, sagt Robert Kramer aus Meißen, der sich am Berufsschulzentrum in Dresden sieben Stunden pro Woche mit Mathe quält. Wurzel- und Winkelfunktionen? Robert verschränkt die Arme vor dem Bauch. Da trifft er nachmittags lieber seine Freunde, um Spaß zu haben. Ohne Wurzeln und Potenzen.
Paul Adam hat auch mit Mathe seinen Spaß. Den zweiten Platz beim Adam-Ries-Wettbewerb - das soll ihm erst mal einer nachmachen. Zum Stichwort Veranlagung: Paul hat sich überhaupt nicht auf den großen Wettbewerb vorbereitet. Zumindest nicht kurzfristig. Dafür hat er aber das ganze Schuljahr wild und fleißig gerechnet. Er dreht sich um und beugt sich noch einmal über die Hausaufgaben. Ganz bestimmt packt er sie noch in dieser Pause.
Streit um die Mathematik
„Manchmal ist der Matheunterricht wirklich leicht“, findet Paul, und wieder setzt er sein spitzbübisches Grinsen auf. Gleich neben Paul steht ein Mädchen, genauso alt, gleiche Klasse. „Das findest aber auch nur du“, sagt sie. Mathe-Zwist pur. Paul setzt sich an seinen Hefter. Hausaufgaben machen. Mal eben in der Pause, schon für den nächsten Tag. Die Schüler im Landkreis sind sich nicht einig, wenn es um Mathe geht. Ein Stress-Fach?
Petra Kölling vom Meißner Studienkreis ist Nachhilfelehrerin. Sie kennt das Problem. „Klar, der eine bewältigt Mathe-Stoff besser als der andere. Und das hat viele Gründe“, sagt sie. Fehlende Veranlagung sei nur einer davon. Und oft eine Ausrede. „Wichtig ist auch: Welche Grundlagen sind da? Wie groß ist das Interesse am Fach, welche Einstellung hat der Schüler?“ Da prallen also Welten aufeinander. Und Ausreden. Mathematisches Grundwissen ist aber wirklich wichtig. Katja Huth hat als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Dresden eine Doktorarbeit zum Thema Mathe und Lernen geschrieben. Jetzt arbeitet sie im Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche in Dresden. „Oft fehlt mathematisches Vorwissen. Wenn es an Grundlagen mangelt, versteht man den vielschichtigen Stoff nicht.“, sagt die Frau. In Mathe baue alles aufeinander auf. „Die Regeln werden immer vielfältiger, aber wem die Vorkenntnisse fehlen, der versteht neue Rechenregeln nicht.“ Jedes Thema fordere alte Grundlagen. Trotzdem gibt es Leute, für die gerade das den Reiz ausmacht. Für andere ist es der Horror: Mathe ist vielschichtig. Manchmal ist dann Nachhilfe ratsam.
Paul Adam hat die natürlich nicht nötig. Julius Eisenreich aus Meißen dagegen muss ranklotzen. „Vor einem Jahr stand ich auf einer Vier in Mathe“, erzählt er. Jetzt hat er eine Drei - dank Nachhilfe. Man müsse sich durchbeißen, weil viele andere Fächer auf Mathe aufbauen. Dann überlegt er eine Weile. Bestimmt sagt er: „Es hängt von der Veranlagung ab, manche brauchen länger zum Verständnis.“ Also doch das angeborene Talent? Mathe ist ein heißes Pflaster. „Es liegt stark an der persönlichen Einstellung zum Fach, ob man etwas versteht“, sagt Mathelehrer André Kappelar von der Lommatzscher Mittelschule. Ohne Lust komme Frust, weil die Schüler schnell keine Freude mehr am Lernen hätten. Außerdem sei das Umfeld wichtig: „In anderen Ländern applaudieren die Mitschüler, wenn eine Aufgabe gelöst wurde“, sagt er. Nur hier nicht. So fehlen dann die vielen Pauls, weil Schüler nicht motiviert sind.
Auch Lehrer haben Anteil
Auch die Lehrer haben ihren Anteil - an Freude und Leid. „Mathe bedeutet für mich schweißtreibende Arbeit bei einer bösartigen Lehrerin“, sagt Robert Kramer aus Meißen, der sich am Berufsschulzentrum in Dresden sieben Stunden pro Woche mit Mathe quält. Wurzel- und Winkelfunktionen? Robert verschränkt die Arme vor dem Bauch. Da trifft er nachmittags lieber seine Freunde, um Spaß zu haben. Ohne Wurzeln und Potenzen.
Paul Adam hat auch mit Mathe seinen Spaß. Den zweiten Platz beim Adam-Ries-Wettbewerb - das soll ihm erst mal einer nachmachen. Zum Stichwort Veranlagung: Paul hat sich überhaupt nicht auf den großen Wettbewerb vorbereitet. Zumindest nicht kurzfristig. Dafür hat er aber das ganze Schuljahr wild und fleißig gerechnet. Er dreht sich um und beugt sich noch einmal über die Hausaufgaben. Ganz bestimmt packt er sie noch in dieser Pause.







