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AugustoJahresheft2014

Magazin Die Augusto-Verkostungsrunde (v.l.) im Lounge Cooking: Antje Wiedemann (Weingut Drei Herren), Annekatrin Rades und Tim Strasser (Rothes Gut Tim Strasser), Martin Schwarz (Winzer Martin Schwarz/Weinmanufaktur am Mariaberg), Georg Prinz zur Lippe (Schloss Proschwitz), Ronny Göhlich (Weingut Ulf Große), Matthias Schuh (Weinhaus Schuh), Christiane Spieler (Schloss Wackerbarth) und Felix Hößelbarth (Hoflößnitz). Fotos: Eric Münch (9) VON MARIO ADOLPHSEN Dass sächsische Weißweine sehr viel mehr zu bieten haben als Säure, hat sich deutschlandweit herumgesprochen. Aber wie sieht es bei den Roten aus? Voll in die Roten Wie steht es um Spätburgunder und Co. von einheimischen Winzern? Augusto hat einige der wichtigsten Weinmacher Sachsens an den Verkostungstisch gebeten. Über einen schlechten Ruf kann sich sächsischer Rotwein nicht beklagen. Was nicht unbedingt ein Grund zur Freude ist: „Viele Kunden haben schlichtweg überhaupt keine Meinung“, sagt Christiane Spieler, zweite Kellermeisterin bei Schloss Wackerbarth. „Bei Verkostungen sind sie anfangs sehr skeptisch – und werden dann überrascht von dem, was sie da im Glas haben.“ Die Kollegen nicken. Sie sitzen in der Cooking Lounge (www.loungecooking. de) im Dynamo-Stadion, aus Weintrinker-Sicht findet die Augusto-Verkostung auf neutralem Boden statt. Hier im Stadion gibt es sonst Bier, hier regiert die SGD. Vergangene Saison ist sie abgestiegen. Aber das, was die Winzer in die Gläser füllen, ist eindeutig erste Liga. Voll, rot und wirklich gut. Das Grundproblem: Die meisten Sachsen werden das nie schmecken können. Wenn der Ertrag der knapp 500 Hektar einheimischer Rebfläche gerade einmal reicht, um jedem volljährigen Einwohner des Freistaats eine Flasche Wein pro Jahr zu liefern, so langt es beim Roten nicht einmal für ein ganzes Glas. Zudem ist der Weinbau im Elbtal extrem arbeitsintensiv, die Erträge sind gering und von Jahr zu Jahr stark schwankend. Was das in der Praxis bedeutet, erklärt Georg Prinz zur Lippe: „Wenn wir Glück haben, erreichen wir bei unserem Frühburgunder auf Dauer 30 Hektoliter pro Hektar.“ Erlaubt wäre weit mehr als die doppelte Erntemenge, in anderen Anbaugebieten sogar die vierfache. Hinzu kommt die aufwendige Handarbeit. Prinz zur Lippe: „Die Wespen lieben unseren Frühburgunder, darum müssen wir ihn mit Netzen schützen. Zwei bis drei Mal decken wir die Reben ab und lesen von Hand, um nur die gesunden und optimal reifen Trauben zu ernten.“ Für einen Wein, der schon ab Hof 25 Euro pro Flasche kostet, ist der immense Aufwand unausweichlich: „Auf diesem Niveau wäre es brandgefährlich, wenn ein Jahrgang mal schwächer ausfallen würde. Das würde die Kundschaft nicht verzeihen.“ Was das in der Praxis bedeutet, hat Winzer Martin Schwarz 2010 erfahren. Sommer und Herbst waren so kühl und verregnet, dass seine Spätburgunder- und Portugiesertrauben nicht optimal reif wurden. „Also gibt es von diesem Jahrgang keinen Rotwein“, sagt er nüchtern. „Ich habe Rosé draus gemacht.“ Von seinen Qualitätsvorstellungen abzurücken, kam nicht infrage. „Das wäre der falsche Weg. Die Lagen im Elbtal haben das Potenzial für große Weine. Man muss es nur ausschöpfen.“ Aktuelle Informationen und Hintergründe rund um die sächsische Weinwelt liefert der Blog dresdenwein.de. 30


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