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AugustoJahresheft2014

Magazin 8 Sauber erlegt beim Heide-Halali Zu einer funktionierenden Waldwirtschaft gehört die Jagd. Bevor Schwarz-, Rot- und Rehwild zur Strecke gebracht wird, frönt es einem lupenrein ökologischen Dasein. Bei der langen Diskussion darüber, unter welchen tierhalterischen Umständen Fleischverzehr moralisch korrekt sein könnte, wird komischerweise eine Facette völlig ausgespart: Wild wächst, ernährt und vermehrt sich in ökologischer Vollkommenheit. Wer auf ein glückliches oder wenigstens selbstbestimmtes Vorleben seines Bratenstücks Wert legt, der sollte das zugehörige Tier in seiner natürlichen Umgebung erjagen: im Wald. Spätherbstliche Unruhe Dresden hat einen Wald, die Heide, „das am stärksten genutzte Erholungsgebiet in Sachsen“, wie Markus Biernath sagt, der in grelloranger Sachsenforst-Jacke Ausschau nach dem Hochsitz hält, auf dem er an diesem regensatten, kalten Novembermorgen die nächsten drei Stunden verbringen wird. Er ist der Leiter des Forstbezirks Dresden und als solcher natürlich bei den spätherbstlichen Gruppenjagden dabei, die der Sachsenforst in dem Staatswald organisiert. Erst vor ein paar Tagen wurde das Gebiet zwischen Bühlau und Ullersdorf bejagt, jetzt ist der Teil zwischen Klotzsche und Langebrück dran. „Durch all die menschlichen Besucher ist in der Heide ständig eine große Unruhe“, sagt Biernath: „Da bündeln wir lieber die Jagden, statt ständig vereinzelt schießen zu lassen.“ Direkt vor ihm verschwindet ein weißer Püschel mitsamt erstaunlich langen Hinterbeinen zwischen verblichenem Gras und Brombeerranken. Der Feldhase hat Glück gehabt: Noch ist der Hochsitz nicht erreicht, und nur von dort aus ist das Schießen erlaubt. Zudem handelt es sich heute um eine Schalenwild-Jagd. Damit sind Tiere mit verhornten Klauen, also Paarhufer, gemeint. Hasen gehören nicht dazu. Und außerdem heißt es nicht Püschel, sondern Blume, um gleich mal in der Jagdsprache zu bleiben. Blank polierte Tradition Vom Hochsitz geht der Blick über Birken und Fichten, grasüberwachsene Stämme und die Wildwechselpfade dazwischen bis auf die Hofewiese. Nah tropft der Regen von den Ästen, fern klopft ein unsichtbarer Specht. Hunde jaulen. Sie gehören zu den Treibern: Zusammen mit Waldarbeitern und Forststudenten aus Tharandt stören sie das Wild in seiner Deckung. Doch verängstigt werden soll es auch nicht: „Hochflüchtiges Wild lässt sich schwer schießen“, sagt Biernath. Dann passieren Fehler, wenn etwa das Schulterblatt getroffen wird statt der idealen Stelle dahinter – und damit das gute Fleisch durch Geschoss- und Knochenstücke ungenießbar wird. „Stark zerschossene Stücke muss der Schütze übernehmen“, hieß es bei der morgendlichen Jagdeinweisung, die von Hörnerblasen (und promptem Hundejaulen) begleitet wurde – eine Reminiszenz an die Hornsignale, an denen sich früher der Verlauf der ganzen Jagd abhören ließ. Auch die Jagdsprache folgt einer blank polierten Traditionslinie. „Hochwild“ hat nichts mit Hirschgrößen zu tun, sondern geht auf die „hohen“, nämlich adligen Jäger zurück. Denen war der Abschuss von trophäenreichen Geweihträgern und Wildschweinen vorbehalten, während der „niedere“ Rest auch Niederwild, also Hasen, Rebhühner und Rehe, jagen durfte, weil sich mit Rehbock-Trophäen nicht viel Staat machen ließ. „Hahn in Ruhe“ hingegen stammt aus der Militärsprache und bezeichnet ein gesichertes Gewehr. An diesem Morgen gilt diese Ermahnung allen Jägern, „die zwei Stücke VON SIIRI KLOSE


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