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Wissenschaft
Freitag, 3. Februar 2012

Fliege aus Ostasien bedroht Kirschen und Wein


Sie reisen mit Früchten aus dem Ausland ein: Schädlinge und fremde Pflanzen aus fernen Regionen. Nun ist die winzige Kirschessigfliege in Deutschland aufgetaucht - sie kann Bauern große Probleme bereiten.

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Klein, aber gefährlich: Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii). Foto: dpa

München. Eine Fliege aus Ostasien bedroht den Obstanbau in Deutschland. Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) sei nun auch mit genetischen Methoden nachgewiesen worden, teilten die Forscher von der Zoologischen Staatssammlung in München am Freitag mit. Erstmals sei das Tier im Herbst 2011 entdeckt und vom Pflanzenschutzdienst Baden-Württemberg sowie vom Julius Kühn-Institut anhand seines Aussehens identifiziert worden. Seitdem wurden einzelne Fliegen in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gefunden.

„Sie breiten sich unglaublich rasch aus, sie können bis zu 15 Generationen in einem Jahr machen. Im Herbst könnten von einem im Frühjahr aufgetauchten Weibchen schon Millionen Nachkommen da sein“, sagte der Münchner Biologe Dieter Doczkal. Er entdeckte die Fliege, als er für das weltweite Datenbankprojekt „Bibliothek des Lebens“ (Barcoding of Life) Genmaterial sammelte. „Das Bedenkliche war, dass das Tier nicht einmal bei einer Obstkultur oder an einem Supermarkt gefunden wurde, sondern draußen im Wald. Das lässt darauf schließen, dass wir hier bereits eine Population haben.“

Peter Baufeld vom für den Pflanzenschutz zuständigen Julius Kühn-Institut warnt: „Das ist kein 0815-Schädling.“ Die bis zu drei Millimeter große Kirschessigfliege legt ihre Eier in reifende Früchte, vor allem Süßkirschen und Trauben, die dann faulen. „Wenn die Kirschen rot werden und anfangen, Zucker einzulagern, dann kommen die Fliegen und legen ihre Eier hinein“, so Doczkal. Betroffen seien auch Pflaumen, Erdbeeren, Brombeeren, Himbeeren, Blaubeeren. Äpfel und Obst mit fester Schale wird nur befallen, wenn es Schäden hat.

Ein Problem bei der Bekämpfung ist, dass die Fliege ihre Eier kurz vor der Ernte legt. „Zu diesem Zeitpunkt ist keine Bekämpfung mit Insektiziden mehr möglich“, erläuterte Baufeld. Wegen der schnellen Generationsfolge drohten auch rasche Resistenzbildungen.

Vertreter der Pflanzenschutzämter wollen sich noch im Februar am Julius Kühn-Institut in Dossenheim (Baden-Württemberg) treffen, um Möglichkeiten der Bekämpfung zu beraten. Experten registrieren durch die Globalisierung immer öfter Schädlinge aus fernen Ländern. Da natürliche Feinde hier fehlen, ist die Bekämpfung oft schwierig. „Diese Tatsache, dass durch Importe neue Krankheiten und Schädlinge hereingetragen werden, beobachten wir seit einigen Jahren“, sagt auch der Sprecher des Deutschen Bauernverbandes, Michael Lohse.

Im vergangenen Herbst gab es den Wissenschaftlern zufolge in Südtirol lokal teils einen Komplettausfall der Ernte. In Asien hätten die Fliegen zuletzt nicht so drastische Schäden angerichtet. Dort halten natürliche Feinde die Population in Schach. (dpa)


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