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Wissenschaft
Donnerstag, 11. März 2010
(Sächsische Zeitung)

Erdbeben in Chile verschiebt Stadt um drei Meter


In den letzten 150 Jahren ist die gesamte Erdkruste vor Südamerikas Westküste durchgebrochen.

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Mit Messgeräten wie diesem „Creepmeter“ können im Plattengrenzen-Observatorium in Chile tektonische Verschiebungen bis auf hundertstel Millimeter genau gemessen werden. Foto: GFZ

Washington/Potsdam. Das gewaltige Erbeben in Chile hat die am schwersten getroffene Stadt Concepción um rund drei Meter nach Westen verschoben. Auch die Hauptstadt sei nach dem Erdstoß der Stärke 8,8 nicht mehr am selben Platz, wie Forscher von vier amerikanischen und argentinischen Universitäten herausfanden.

Santiago rutschte um 28 Zentimeter nach Westsüdwest, berichteten Wissenschaftler der Ohio State University. Ebenso hätten sich Valparaíso in Chile und Mendoza in Argentinien „beträchtlich“ verschoben. Die Forscher verwendeten für ihre Messungen Daten, die sie mithilfe des GPS-Systems zehn Tage nach dem schweren Erdstoß vom 27.Februar sammelten und mit älteren Lagedaten verglichen.

Das Zentrum des Erdbebens lag in einer Region Südamerikas, die zum „pazifischen Feuerring“ zählt. Der mehr als 40000 Kilometer lange Ring reicht von der süd- und nordamerikanischen Westküste über Alaska, Russland, Japan bis hin nach Südostasien und steht unter hoher seismischer Spannung. Entlang dieser Linie pressen mehrere tektonische Platten gegeneinander. Das chilenische Erdbeben entstand an der Stelle, wo sich die Nazca-Platte unter die südamerikanische Platte schiebt.

Wie das Deutsche Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam berichtet, durchbrechen Beben einer solchen Stärke faktisch die gesamte Erdkruste. „Mit Ausnahme eines letzten Abschnitts, der sich im Norden Chiles befindet, ist innerhalb der letzten 150 Jahre die gesamte Erdkruste vor der Westküste Südamerikas durchgebrochen“, erklärt Professor Jochen Zschau vom GFZ.

Um die Nachbebenaktivität zu untersuchen, reisen Forscher des GFZ jetzt nach Chile und bauen gemeinsam mit einem internationalen Wissenschaftlerteam ein seismologisch-geodätisches Netzwerk im Raum Concepción–Santiago auf. Von einer etwa drei Monate dauernden Messkampagne erwarten sie Einblicke in die Mechanismen des Bruchs der Erdkruste.

Wissenschaftler des GFZ untersuchen bereits seit 1994 den Zusammenstoß der Nazca-Platte mit dem Kontinent Südamerika. Derzeit betreiben sie ein sogenanntes Plattengrenzen-Observatorium im Norden Chiles. (dpa/SZ/fi)



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