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Wirtschaft
Freitag, 12. März 2010
(Sächsische Zeitung)

Weniger Umsatz trotz steigender Touristenzahlen

Von Mandy Kunstmann

Die Übernachtungszahlen in Sachsen sind gestiegen, die Erlöse aber nicht. Besonders betroffen sind die Gastronomiebetriebe.

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Hendrik Ebert präsentiert edle Tropfen im Weingut von Walter Schuh in Sörnewitz im Kreis Meißen. Das Weinhaus wurde im Wettbewerb „Leuchttürme der Tourismuswirtschaft“ Sachsens Landessieger. Chef Walter Schuh nahm derweil auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin den Preis entgegen. Foto: Ronald Bonß

Berlin. Die sächsische Tourismusbranche hat im vorigen Jahr erhebliche Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Starke Rückgänge erlitt vor allem das Gastgewerbe. Für dieses Jahr sind die Branchenkenner erneut skeptisch. Das geht aus dem Tourismusbarometer des Ostdeutschen Sparkassenverbands (OSV) hervor, der gestern auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin vorgestellt wurde.

Die Umsätze in Restaurants und Pensionen sind in Deutschland schon seit Jahren rückläufig. Besonders hart traf es im vergangenen Jahr die Hotellerie, die ein Minus von 7,6 Prozent verkraften musste. Im Osten traf es vor allem Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Aber auch im Westen, etwa in Bayern oder im Saarland, nahmen die Unternehmen weniger ein. Allein an der Küste, in Mecklenburg-Vorpommern und in Schleswig-Holstein, entwickelten sich die Geschäfte gut. Auch die Gastronomie verzeichnete im vergangenen Jahr starke Ertragsrückgänge. Unter dem Strich verloren die Betriebe mehr als fünf Prozent ihres Umsatzes. Im Osten fielen die Rückgänge in Sachsen mit minus 7,2 Prozent besonders deutlich aus. Einziger Lichtblick ist Brandenburg. Dort wurde im vergangenen Jahr mehr gegessen und getrunken als 2008.

Die Krise hinterlässt ihre Spuren, doch das geht vor allem auf sinkende Preise zurück. Die Zahl der Feriengäste ist fast konstant geblieben. Eine „rote Null“, genau minus 0,2 Prozent, zeigt das Tourismusbarometer an. Knapp 133 Millionen Gäste und 370 Millionen Übernachtungen zählten die deutschen Hotels, Pensionen oder Gasthöfe 2009.

Im europäischen Vergleich stehen die deutschen Hoteliers und Pensionsinhaber damit gut da. Länder wie Österreich, Frankreich oder Spanien hatten stärkere Verluste.

Überdurchschnittlich viele Übernachtungen gab es in allen neuen Bundesländern. Sie gehören zu den Gewinnern im Kampf um die Gäste. Zusammen schafften sie ein Plus von 1,9 Prozent. Einbußen gab es hingegen in fast allen Ländern Westdeutschlands. Und: Wie bereits 2008 blieben die Gäste in Ostdeutschland auch im vorigen Jahr rund drei Tage länger als in Westdeutschland.

Ausländische Touristen zog es im vergangenen Jahr deutlich weniger häufig in die Bundesrepublik. Deutschlandweit wurden drei Prozent weniger Übernachtungen nachgefragt. Im Osten betrug der Wert sogar 3,5 Prozent. Besonders betroffen davon waren Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen.

Die Deutschen scheint es im Urlaub immer häufiger in die Natur zu ziehen. „Camping ist wieder stark in“, beobachtet OSV-Präsident Claus Friedrich Holtmann. Um neun Prozent hat die Zahl der Übernachtungen im Zelt- oder im Caravan gegenüber dem Vorjahr zugelegt. Auch den Landtourismus haben die neuen Bundesländer für sich entdeckt. „In der DDR war Urlaub auf dem Bauernhof völlig unbekannt“, sagt Mathias Feige, Verfasser der Studie. Heute überzeugten die Unternehmen mit vielfältigen und innovativen Konzepten.

Die Angebote seien vielfältiger als in den alten Ländern und gingen weit über den klassischen Urlaub auf dem Bauernhof hinaus. Die Palette reiche von Biohöfen, über Obst- oder Winzerhöfe bis hin zu Kulturevents. Erneut belohnte der OSV touristische Trendsetter mit der Auszeichnung „Leuchttürme der Tourismuswirtschaft“. In diesem Jahr ist der sächsische Landessieger das „Weinhaus Schuh“ in Sörnewitz im Landkreis Meißen.

Nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg geben deutsche Singles und Paare durchschnittlich je 713 Euro pro Reise aus, Familien zahlen 518 Euro pro Reisenden. Immer beliebter werden bei den Deutschen Kreuzfahrten.

Für Hochseekreuzfahrten zahlen sie inzwischen im Schnitt einen Reisepreis von 1881 Euro. Auch die Reiselust deutscher Radfahrer ist ungebrochen. Nach einer Analyse des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs machte fast jeder zweite Deutsche in den letzten beiden Jahren eine Tour. (mit apn)



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