Wirtschaft
Samstag, 20. März 2010
(Sächsische Zeitung)
(Sächsische Zeitung)
Toyota – der Fehler sitzt oft hinterm Steuer
Von der Pannenserie wollen Schwindler profitieren. Der Autohersteller wehrt sich mit Beispielen und mit der Statistik.
New York. Zwei Monate lang musste Toyota als Prügelknabe der Autonation USA herhalten. Jetzt geht der geschundene japanische Hersteller zum Angriff über. Die Techniker mühen sich, Schwindler und Scharlatane zu entlarven, die von der Pannenserie profitieren wollen. Die Botschaft ist klar: Nicht jede Kundenbeschwerde ist berechtigt, und nicht jeder Unfall geht auf einen Konstruktionsfehler zurück.
Binnen weniger Tage erwiesen sich gleich zwei prominente Fälle ungewollten Beschleunigens als zumindest fragwürdig: Im Falle einer Frau, die ihren Prius in einem New Yorker Vorort vor eine Mauer setzte, sieht alles nach einem schlichten Fahrfehler aus. Und bei einem Mann, der mit seinem Hybridwagen fast 50 Kilometer über einen Highway nahe San Diego brauste, wird sogar laut über böse Absicht spekuliert. Toyota schürt mit gezielten Informationen die Zweifel.
„Trittbrettfahrer gibt es bei jedem Rückruf“, sagt der Autoexperte Christoph Stürmer vom Wirtschaftsforschungsinstitut IHS Global Insight. Auch sei es normal, dass die Zahl der Beschwerden rapide ansteige. „Die meisten Autofahrer wissen doch gar nicht, dass es eine Hotline gibt.“ Und erführen sie davon, lüden sie dort gleich all ihre Sorgen und Nöte ab, die sie schon seit Jahren mit sich herumtragen.
Ein Beispiel: Als Anfang des Monats die ersten Berichte über nutzlose Reparaturen bei zurückgerufenen Toyota-Autos aufkamen, lag die Zahl der Beschwerden noch bei überschaubaren zehn. Tags darauf waren es schon 60. Belege dafür, dass die Pedale auch nach dem Besuch der Werkstatt weiter klemmen, gibt es bis heute nicht.
„Der Fehler sitzt oft hinterm Steuer“, sagt Stürmer. Er schätzt, drei von vier Defekten gingen auf schlechte Wartung, Verschleiß oder ruppige Fahrweise zurück. „Wenn ein Europäer ein Schlagloch sieht, bremst er und fährt drum herum. Wenn ein Amerikaner ein Schlagloch sieht, hält er Kurs und fährt rein.“
Die Statistiken sprechen immerhin für Toyota: Wenn es um Zuverlässigkeit geht, rangieren die Autos immer noch ganz oben. In der viel beachteten Rangliste des US-Marktforschers J.D. Power steht Toyota als bester Massenhersteller auf Platz sechs – davor gibt es nur Nobelmarken. „Das ist eine großartige Neuigkeit“, frohlockte US-Vertriebschef Jim Lentz. Toyota sei weiterhin ein Maßstab für Qualität.
Doch der gute Ruf der Vergangenheit reicht nicht, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. Das haben die niederschmetternden Absatzzahlen der vergangenen beiden Monate gezeigt. Mit lediglich jeweils rund 100000 verkauften Autos schnitten die Japaner in den Vereinigten Staaten so schlecht ab wie seit zehn Jahren nicht mehr.
In diesem Monat soll alles anders werden. Toyota hat die größte Rabattaktion seiner Geschichte mit Null-Prozent-Finanzierung, niedrigen Leasingraten und obendrein noch zwei Jahren kostenloser Wartung gestartet. Die Experten des Automarktplatzes Edmunds.com schätzen, dass die Verkäufe um 30Prozent in die Höhe schnellen werden. Doch das hilft nicht gegen die vielen Klagen in den USA: Unfallopfer verlangen Schmerzensgeld, Autobesitzer einen Ausgleich für den gesunkenen Wert ihrer Wagen, Händler Wiedergutmachung.Von zweistelligen Milliardenbeträgen ist die Rede. (dpa)
Binnen weniger Tage erwiesen sich gleich zwei prominente Fälle ungewollten Beschleunigens als zumindest fragwürdig: Im Falle einer Frau, die ihren Prius in einem New Yorker Vorort vor eine Mauer setzte, sieht alles nach einem schlichten Fahrfehler aus. Und bei einem Mann, der mit seinem Hybridwagen fast 50 Kilometer über einen Highway nahe San Diego brauste, wird sogar laut über böse Absicht spekuliert. Toyota schürt mit gezielten Informationen die Zweifel.
„Trittbrettfahrer gibt es bei jedem Rückruf“, sagt der Autoexperte Christoph Stürmer vom Wirtschaftsforschungsinstitut IHS Global Insight. Auch sei es normal, dass die Zahl der Beschwerden rapide ansteige. „Die meisten Autofahrer wissen doch gar nicht, dass es eine Hotline gibt.“ Und erführen sie davon, lüden sie dort gleich all ihre Sorgen und Nöte ab, die sie schon seit Jahren mit sich herumtragen.
Ein Beispiel: Als Anfang des Monats die ersten Berichte über nutzlose Reparaturen bei zurückgerufenen Toyota-Autos aufkamen, lag die Zahl der Beschwerden noch bei überschaubaren zehn. Tags darauf waren es schon 60. Belege dafür, dass die Pedale auch nach dem Besuch der Werkstatt weiter klemmen, gibt es bis heute nicht.
„Der Fehler sitzt oft hinterm Steuer“, sagt Stürmer. Er schätzt, drei von vier Defekten gingen auf schlechte Wartung, Verschleiß oder ruppige Fahrweise zurück. „Wenn ein Europäer ein Schlagloch sieht, bremst er und fährt drum herum. Wenn ein Amerikaner ein Schlagloch sieht, hält er Kurs und fährt rein.“
Die Statistiken sprechen immerhin für Toyota: Wenn es um Zuverlässigkeit geht, rangieren die Autos immer noch ganz oben. In der viel beachteten Rangliste des US-Marktforschers J.D. Power steht Toyota als bester Massenhersteller auf Platz sechs – davor gibt es nur Nobelmarken. „Das ist eine großartige Neuigkeit“, frohlockte US-Vertriebschef Jim Lentz. Toyota sei weiterhin ein Maßstab für Qualität.
Doch der gute Ruf der Vergangenheit reicht nicht, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. Das haben die niederschmetternden Absatzzahlen der vergangenen beiden Monate gezeigt. Mit lediglich jeweils rund 100000 verkauften Autos schnitten die Japaner in den Vereinigten Staaten so schlecht ab wie seit zehn Jahren nicht mehr.
In diesem Monat soll alles anders werden. Toyota hat die größte Rabattaktion seiner Geschichte mit Null-Prozent-Finanzierung, niedrigen Leasingraten und obendrein noch zwei Jahren kostenloser Wartung gestartet. Die Experten des Automarktplatzes Edmunds.com schätzen, dass die Verkäufe um 30Prozent in die Höhe schnellen werden. Doch das hilft nicht gegen die vielen Klagen in den USA: Unfallopfer verlangen Schmerzensgeld, Autobesitzer einen Ausgleich für den gesunkenen Wert ihrer Wagen, Händler Wiedergutmachung.Von zweistelligen Milliardenbeträgen ist die Rede. (dpa)






