Wirtschaft
Freitag, 27. Januar 2012
(Sächsische Zeitung)
(Sächsische Zeitung)
Schlecker- und Ihr-Platz-Mitarbeiter hoffen und bangen
Von Johannes Wagemann
und Elmar Stephan
Schleckers wichtigster Lieferant liefert wieder, doch der Konzerntochter Ihr-Platz geht das Geld aus. Experten sehen Schlecker vor großen Veränderungen.
Ehingen/Osnabrück. Die Margerite im Ihr-Platz-Logo steht in voller Blüte – 650 Filialen wie die im Dortmunder Hauptbahnhof liegen Welten entfernt von den manchmal tristen Schlecker-Filialen. Doch nun entkommt auch die Osnabrücker Tochter dem Sog der Insolvenz des schwäbischen Drogerieriesen nicht mehr. Ein Branchenexperte hält die Fassade für zu glänzend.
Nach dpa-Informationen schreibt Ihr-Platz seit Jahren rote Zahlen und musste zwangsläufig auch mit in die Insolvenz gehen. Dabei war die Kette vor Tagen noch als Beispiel für eine der positiven Entwicklungen bei Drogerien genannt worden – schließlich überstand sie eine erste Insolvenz vor rund sechs Jahren in sogenannter Eigenverwaltung. Zwar nicht auf genau diese Art, aber doch möglichst eigenständig will auch Schlecker wieder aus der Misere herauskommen, in die sich das Unternehmen manövriert hat.
Der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz sorgte gestern dafür, dass die Schlecker- und Ihr-Platz-Mitarbeiter nun nicht so recht wissen, ob sie hoffen können oder bangen müssen. Denn nach der Einigung mit dem wichtigsten Lieferanten Markant kommt weniger als einen Tag später die Hiobsbotschaft, dass nun auch Ihr-Platz Insolvenz beantragt. Fast 6000 Mitarbeiter erfahren davon diesmal zumindest nicht aus den Medien, sondern früher. Dabei war die Osnabrücker Tochter am Montag noch bewusst ausgeklammert worden – genau wie die Auslandstöchter. Doch für eine Restrukturierung des Gesamtkonzerns sei auch Ihr-Platz vonnöten, entschied Geiwitz. „Ihr-Platz befindet sich in einem starken Abhängigkeitsverhältnis zu Schlecker, sodass jetzt eine gemeinsame Lösung für den Konzern gesucht werden kann“, erklärte der gelernte Wirtschaftsprüfer und Steuerberater.
Rund eine halbe Stunde zuvor war morgens bereits das Gerücht durchgesickert, dass die Ihr-Platz-Mitarbeiter soeben über die Insolvenz informiert worden sind. Dabei sah es für die erst 2007 von Schlecker aufgekaufte Kette gar nicht so schlecht aus. Das Unternehmen habe Potenzial, sagte Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Allerdings müsse sich die Strategie der Schlecker-Tochter deutlich ändern.
Trotz neuem Logo und renovierter Läden sieht Roeb bei den Osnabrückern noch nicht genügend Offenheit, wie sie in Ehingen mittlerweile angekommen sei. „Schlecker hat mit Ihr-Platz nicht viel Freude gehabt“, resümierte er. „Sie haben gedacht, es liegt am Einkauf, und den können sie ja“, erklärte der Experte. Denn mit seinen Einkaufskonditionen hatte Schlecker jahrelang einen Wettbewerbsvorteil, der dem schier endlos wachsenden Filialnetz entsprang.
Die Schlecker- und Ihr-Platz-Arbeitnehmer sind nun wohl erst recht verunsichert. Hatten die Signale am Montag doch noch so ausgesehen, als gäbe es auch gesunde Teile im Konzern. Zumindest die Auslandsgesellschaften sparte Geiwitz auch gestern ausdrücklich aus. Doch es können noch Wochen oder Monate vergehen, bis die wirklich harten Einschnitte kommen.
Gerade deshalb richtete die Gewerkschaft Verdi den Scheinwerfer auf die einzelnen Mitarbeiter – schließlich seien viele der Zehntausenden, die morgens eine der Drogerien zwischen Flensburg und Oberstdorf aufschließen, Frauen mit Familien. Sie hoffen und bangen, ob der schwäbische Konzern seine größte Krise übersteht. (dpa)
Nach dpa-Informationen schreibt Ihr-Platz seit Jahren rote Zahlen und musste zwangsläufig auch mit in die Insolvenz gehen. Dabei war die Kette vor Tagen noch als Beispiel für eine der positiven Entwicklungen bei Drogerien genannt worden – schließlich überstand sie eine erste Insolvenz vor rund sechs Jahren in sogenannter Eigenverwaltung. Zwar nicht auf genau diese Art, aber doch möglichst eigenständig will auch Schlecker wieder aus der Misere herauskommen, in die sich das Unternehmen manövriert hat.
Der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz sorgte gestern dafür, dass die Schlecker- und Ihr-Platz-Mitarbeiter nun nicht so recht wissen, ob sie hoffen können oder bangen müssen. Denn nach der Einigung mit dem wichtigsten Lieferanten Markant kommt weniger als einen Tag später die Hiobsbotschaft, dass nun auch Ihr-Platz Insolvenz beantragt. Fast 6000 Mitarbeiter erfahren davon diesmal zumindest nicht aus den Medien, sondern früher. Dabei war die Osnabrücker Tochter am Montag noch bewusst ausgeklammert worden – genau wie die Auslandstöchter. Doch für eine Restrukturierung des Gesamtkonzerns sei auch Ihr-Platz vonnöten, entschied Geiwitz. „Ihr-Platz befindet sich in einem starken Abhängigkeitsverhältnis zu Schlecker, sodass jetzt eine gemeinsame Lösung für den Konzern gesucht werden kann“, erklärte der gelernte Wirtschaftsprüfer und Steuerberater.
Rund eine halbe Stunde zuvor war morgens bereits das Gerücht durchgesickert, dass die Ihr-Platz-Mitarbeiter soeben über die Insolvenz informiert worden sind. Dabei sah es für die erst 2007 von Schlecker aufgekaufte Kette gar nicht so schlecht aus. Das Unternehmen habe Potenzial, sagte Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Allerdings müsse sich die Strategie der Schlecker-Tochter deutlich ändern.
Trotz neuem Logo und renovierter Läden sieht Roeb bei den Osnabrückern noch nicht genügend Offenheit, wie sie in Ehingen mittlerweile angekommen sei. „Schlecker hat mit Ihr-Platz nicht viel Freude gehabt“, resümierte er. „Sie haben gedacht, es liegt am Einkauf, und den können sie ja“, erklärte der Experte. Denn mit seinen Einkaufskonditionen hatte Schlecker jahrelang einen Wettbewerbsvorteil, der dem schier endlos wachsenden Filialnetz entsprang.
Die Schlecker- und Ihr-Platz-Arbeitnehmer sind nun wohl erst recht verunsichert. Hatten die Signale am Montag doch noch so ausgesehen, als gäbe es auch gesunde Teile im Konzern. Zumindest die Auslandsgesellschaften sparte Geiwitz auch gestern ausdrücklich aus. Doch es können noch Wochen oder Monate vergehen, bis die wirklich harten Einschnitte kommen.
Gerade deshalb richtete die Gewerkschaft Verdi den Scheinwerfer auf die einzelnen Mitarbeiter – schließlich seien viele der Zehntausenden, die morgens eine der Drogerien zwischen Flensburg und Oberstdorf aufschließen, Frauen mit Familien. Sie hoffen und bangen, ob der schwäbische Konzern seine größte Krise übersteht. (dpa)







