Wirtschaft
Dienstag, 10. August 2010
(Sächsische Zeitung)
(Sächsische Zeitung)
Papierfabrikanten spüren Druck
Von Lars Radau
Sächsische Gemeinden tragen dazu bei, dass ein wichtiger Rohstoff teurer wird – das Altpapier. Die Branche fordert Hilfe.
Eilenburg/Heidenau. Zum Auftakt des Ministerbesuchs will Ulrich Höke erst einmal etwas klarstellen. Nein, die Eilenburger Papierfabrik sei nicht bedroht, betont der Geschäftsführer der Stora Enso Sachsen GmbH nachdrücklich. Das Werk mit 315 Mitarbeitern werde wohl dieses Jahr rote Zahlen schreiben – aber die Wirtschaftskrise sei vorbei, die Fabrik ausgelastet.
Doch Höke nutzt den Werksbesuch von Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP), um die Schwierigkeiten der ganzen Branche aufzuzählen. Schließlich ist der Manager auch Vorstandsmitglied im Verband Ostdeutscher Papierfabriken. Deren erstes Problem, sagt Höke, ist die „Lage an der Rohstoff-Front“: Aus Altpapier stellen die Eilenburger nicht nur Papier für Zeitungen her, sondern auch für Werbeprospekte und Telefonbücher. Und dieses Altpapier werde „kontinuierlich und drastisch“ teurer. Musste Stora Enso vor drei Jahren für die Tonne deutlich unter 100 Euro bezahlen, liege der Preis jetzt bei gut 200 Euro.
Diese Entwicklung werde durch ein Urteil des Leipziger Bundesverwaltungsgerichts verschärft: Die Richter haben im vergangenen Jahr den Kommunen die Zuständigkeit für das Altpapier zugesprochen, das auf deren Gebiet anfällt. Seitdem schrieben Gemeinden den Verkauf des für Höke kostbaren Rohstoffs weltweit aus – und trieben so die Preise weiter in die Höhe.
Mit steigenden Preisen haben selbst Fabriken zu kämpfen, die für ihre Produktion gar nicht auf Altpapier angewiesen sind. „Auch der Zellstoffpreis ist um mehr als die Hälfte geklettert“, sagt Thomas Papproth, Leiter der Administration des Unternehmens Dresden Papier GmbH in Heidenau. Das zum kanadischen Fortress-Konzern gehörende Werk stellt Tapetenvliese her. Es muss laut Papproth mehr als 700 Euro für die Tonne Zellstoff zahlen. Im Juni vorigen Jahres habe der Preis noch bei 415 Euro gelegen.Ihm sei bewusst, sagt Höke an Morlok gewandt, dass der Minister an den Preisen wenig ändern könne. Gleichwohl appelliere er an die Staatsregierung, mit daran zu arbeiten, das „marktverzerrende Urteil“ zum Altpapier zu beseitigen. Die Reaktion Morloks: ein bestätigendes Nicken – und ein leichtes Achselzucken.
Grundsätzlich, so der FDP-Politiker, sei er für die Aufhebung des Privilegs der Kommunen. Auf Bundesebene gebe es dazu Bestrebungen, auf EU-Ebene würden Klagen vorbereitet. Als sächsischer Minister werde er seine „Kontakte in die Bundesregierung und nach Europa“ nutzen, um seine Sichtweise einzubringen, so Morlok.
Direkt helfen kann Morlok auch beim zweiten Thema nicht, das die Branche aufregt: Die Bundesregierung plant, den energieintensiven Branchen wie der Papierindustrie Rabatte bei der Ökosteuer zu kappen. Diese zusätzliche Belastung, klagt Höke, sei „mit Effizienzsteigerungen nicht mehr auszugleichen“. Allein für sein Werk rechnet der Eilenburger Geschäftsführer bis 2012 mit Mehrbelastungen von reichlich drei Millionen Euro, sollte die Regelung umgesetzt werden. In der Fabrik seien die Prozesse schon „weitestgehend optimiert“.
Sein Heidenauer Kollege geht ebenfalls davon aus, sich mit steigenden Energiekosten arrangieren zu müssen. Bei jeder Investition werde auf die Steigerung der Energieeffizienz Wert gelegt. Irgendwann indes, sind sich Höke und Papproth einig, sei „schlicht das Ende der Fahnenstange erreicht“. Das bedeute in letzter Konsequenz steigende Preise für die Kunden – mit denen beide Manager für die kommenden Monate fest rechnen.
Morlok verspricht, auch beim Thema Energiekosten seine Kontakte einzubringen. Er sehe sich in der Pflicht, der Papierindustrie „attraktive Rahmenbedingungen“ zu erhalten. Schließlich zählten die 20Papierfabriken mit ihren rund 3000 Beschäftigten zu den wichtigen Arbeitgebern im Freistaat. Sachsen werde sich deshalb gegen Pläne wenden, die Industrierabatte bei der Ökosteuer zu streichen.
Doch Höke nutzt den Werksbesuch von Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP), um die Schwierigkeiten der ganzen Branche aufzuzählen. Schließlich ist der Manager auch Vorstandsmitglied im Verband Ostdeutscher Papierfabriken. Deren erstes Problem, sagt Höke, ist die „Lage an der Rohstoff-Front“: Aus Altpapier stellen die Eilenburger nicht nur Papier für Zeitungen her, sondern auch für Werbeprospekte und Telefonbücher. Und dieses Altpapier werde „kontinuierlich und drastisch“ teurer. Musste Stora Enso vor drei Jahren für die Tonne deutlich unter 100 Euro bezahlen, liege der Preis jetzt bei gut 200 Euro.
Diese Entwicklung werde durch ein Urteil des Leipziger Bundesverwaltungsgerichts verschärft: Die Richter haben im vergangenen Jahr den Kommunen die Zuständigkeit für das Altpapier zugesprochen, das auf deren Gebiet anfällt. Seitdem schrieben Gemeinden den Verkauf des für Höke kostbaren Rohstoffs weltweit aus – und trieben so die Preise weiter in die Höhe.
Mit steigenden Preisen haben selbst Fabriken zu kämpfen, die für ihre Produktion gar nicht auf Altpapier angewiesen sind. „Auch der Zellstoffpreis ist um mehr als die Hälfte geklettert“, sagt Thomas Papproth, Leiter der Administration des Unternehmens Dresden Papier GmbH in Heidenau. Das zum kanadischen Fortress-Konzern gehörende Werk stellt Tapetenvliese her. Es muss laut Papproth mehr als 700 Euro für die Tonne Zellstoff zahlen. Im Juni vorigen Jahres habe der Preis noch bei 415 Euro gelegen.Ihm sei bewusst, sagt Höke an Morlok gewandt, dass der Minister an den Preisen wenig ändern könne. Gleichwohl appelliere er an die Staatsregierung, mit daran zu arbeiten, das „marktverzerrende Urteil“ zum Altpapier zu beseitigen. Die Reaktion Morloks: ein bestätigendes Nicken – und ein leichtes Achselzucken.
Grundsätzlich, so der FDP-Politiker, sei er für die Aufhebung des Privilegs der Kommunen. Auf Bundesebene gebe es dazu Bestrebungen, auf EU-Ebene würden Klagen vorbereitet. Als sächsischer Minister werde er seine „Kontakte in die Bundesregierung und nach Europa“ nutzen, um seine Sichtweise einzubringen, so Morlok.
Direkt helfen kann Morlok auch beim zweiten Thema nicht, das die Branche aufregt: Die Bundesregierung plant, den energieintensiven Branchen wie der Papierindustrie Rabatte bei der Ökosteuer zu kappen. Diese zusätzliche Belastung, klagt Höke, sei „mit Effizienzsteigerungen nicht mehr auszugleichen“. Allein für sein Werk rechnet der Eilenburger Geschäftsführer bis 2012 mit Mehrbelastungen von reichlich drei Millionen Euro, sollte die Regelung umgesetzt werden. In der Fabrik seien die Prozesse schon „weitestgehend optimiert“.
Sein Heidenauer Kollege geht ebenfalls davon aus, sich mit steigenden Energiekosten arrangieren zu müssen. Bei jeder Investition werde auf die Steigerung der Energieeffizienz Wert gelegt. Irgendwann indes, sind sich Höke und Papproth einig, sei „schlicht das Ende der Fahnenstange erreicht“. Das bedeute in letzter Konsequenz steigende Preise für die Kunden – mit denen beide Manager für die kommenden Monate fest rechnen.
Morlok verspricht, auch beim Thema Energiekosten seine Kontakte einzubringen. Er sehe sich in der Pflicht, der Papierindustrie „attraktive Rahmenbedingungen“ zu erhalten. Schließlich zählten die 20Papierfabriken mit ihren rund 3000 Beschäftigten zu den wichtigen Arbeitgebern im Freistaat. Sachsen werde sich deshalb gegen Pläne wenden, die Industrierabatte bei der Ökosteuer zu streichen.







