sz-online.de | Sachsen im Netz
Wirtschaft
Dienstag, 9. Februar 2010

Opel streicht Tausende Jobs und will Staatsgeld


Weil die Nachfrage sinkt, soll die Produktion in Europa sinken. In Deutschland stehen fast 4.000 Arbeitsplätze auf der Streichliste. Gleichzeitig setzt der Autobauer auf Staatsgeld.

Bild vergrößern

Mann der schlechten Nachrichten: Opel-Chef Nick Reilly Foto: dpa

Frankfurt/Main/Brüssel - Der angeschlagene Autobauer Opel streicht nach Angaben von Konzernchef Nick Reilly in Europa 8.300 Stellen. Allein in Deutschland fallen 3.911 Jobs weg, wie Reilly am Dienstag in Rüsselsheim mitteilte. Damit soll die Kapazität von Opel/Vauxhall entsprechend der erwarteten Marktentwicklung um 20 Prozent zurückgefahren werden.

2012 soll die Tochter des US-Konzerns General Motors wieder die Gewinnzone erreichen. Die europäischen Standortländer sollen dabei mit Darlehen oder Bürgschaften von 2,7 Milliarden Euro helfen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur DAPD soll Deutschland einen Beitrag von etwa 1,5 Milliarden Euro leisten.

Betroffen von dem Jobabbau sind den Angaben zufolge europaweit 7.000 Arbeitsplätze in der Produktion und 1.300 Stellen in Verkauf und Verwaltung. Deutschland ist mit der Streichung von zusammen fast 4.000 Stellen das am stärksten betroffene Land. Das Werk in Antwerpen in Belgien mit fast 2.400 Mitarbeitern soll wie angekündigt ganz geschlossen werden.

Reilly kündigte zugleich an, der Mutterkonzern General Motors wolle in den nächsten fünf Jahren elf Milliarden Euro in Opel und Vauxhall investieren. Während der Übergangsphase seien 3,3 Milliarden Euro zur Finanzierung des Betriebs erforderlich. GM habe bereits 600 Millionen Euro in das neustartende Unternehmen gesteckt sowie im Januar 650 Millionen Euro Vorauszahlung geleistet, um die Zahlungsfähigkeit sicherzustellen.

Nötig seien nun insgesamt 2,7 Milliarden Euro als Darlehen oder Bürgschaften von den europäischen Regierungen. Reilly erklärte zugleich, Opel habe am Dienstagmorgen einen förmlichen Darlehensantrag an die Bundesregierung gestellt. Nach DAPD-Informationen soll der deutsche Sanierungsbeitrag je zur Hälfte von den Ländern und dem Bund getragen werden.

IG Metall lehnt Opel-Sanierungsplan ab

Die IG Metall sprach sich gegen den Sanierungsplan für Opel aus. Die Regierungen von Bund und Ländern sollten die Anträge auf Staatshilfe ablehnen, empfahlen die für die deutschen Opel-Standorte zuständigen IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild und Oliver Burkhard am Dienstag. Die Arbeitnehmer würden diesen Plan nicht durch Lohnverzicht unterstützen.

Noch immer sei nicht klar, wie Opel zukunftsfähig gemacht werden könne, sagten Burkhard und Schild. Die IG Metall forderte Opel auf, die Schließung des Standortes Antwerpen zurückzunehmen. Zudem müsse das Unternehmen ältere Zusagen einhalten. Auf der Basis des vorliegenden Konzepts gebe es keine Sicherheiten für die Beiträge der Arbeitnehmer. Betriebsrat und IG Metall wollen durchsetzen, dass die Mitarbeiter bei einem Lohnverzicht am Unternehmen beteiligt werden.

EU knüpft Opel-Hilfe an strenge Bedingungen

Die EU-Kommission knüpft Staatshilfen für Opel an strenge Bedingungen. „Die Sanierung des Unternehmens muss auf ökonomischen Überlegungen beruhen“, sagte der Sprecher der scheidenden EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes am Dienstag. „Vor allem darf die geografische Verteilung der Hilfen nicht nach politischem Kalkül bestimmt werden.“ Die EU-Kommission werde einen Subventionswettlauf der Länder mit Opel-Standorten verhindern.

Staatshilfe ist nach Ansicht der Brüsseler Wettbewerbshüter nur dann vertretbar, wenn Opel damit in seine Zukunft investiert und mit dem Geld beispielsweise neue Modelle entwickelt. Die Opel-Mutter General Motors (GM) müsse zudem nachweisen, dass die Standorte mittelfristig ohne staatliche Hilfe überleben können. Nach Angaben von Opel-Chef Nick Reilly benötigt der Autobauer insgesamt 2,7 Milliarden Euro in Form von Krediten oder Bürgschaften. Bund und Länder sollen sich nach den Vorstellungen des Unternehmens mit 1,5 Milliarden Euro an der Sanierung beteiligen. Standorte gibt es neben Deutschland auch noch in Spanien, Großbritannien, Polen und Österreich. Das Werk im belgischen Antwerpen will GM schließen.

Bislang habe noch keine Regierung Beihilfen zur Genehmigung in Brüssel angemeldet, sagte der Sprecher. „Wir erwarten aber, dass dies noch geschehen wird.“ Es liege auch noch kein Geschäftsplan für die europäischen GM-Standorte vor. Staatsbeihilfen, die den Wettbewerb in Europa verzerren, sind laut EU-Recht verboten. „Wir werden aufpassen, dass die Mitgliedsstaaten mit Opel-Standorten die EU-Regeln einhalten“, unterstrich die Kommission.(apn/dpa)

apn-Nachrichten/AP-Bilder - alle Rechte vorbehalten. apn-Nachrichten und AP-Bilder dürfen ohne vorherige ausdrückliche Erlaubnis weder veröffentlicht, umgeschrieben oder weiter verbreitet werden, sei dies zu gewerblichen und anderen Zwecken.


Gesamte Ausgabe Druckvorschau Artikel empfehlen Feedback


Link senden an Facebook Link senden an Twitter Link senden an StudiVZ Link senden an Mr. Wong Link senden an MySpace Link senden an del.icio.us bodytext Link senden an Folkd Link senden an Google Bookmarks Link senden an Live-MSN Link senden an YahooMyWeb Link senden an Linkarena Link senden an NewsVine Link senden an Reddit Link senden an StumbleUpon Link senden an Y!GG ...mehr



sz-online-Partnersites

Weitere Online-Angebote der Bertelsmann AG | Weitere Online-Angebote der DD+V-Mediengruppe