Wirtschaft
Mittwoch, 2. Juni 2010
(Sächsische Zeitung)
(Sächsische Zeitung)
Niedrigste Mai-Arbeitslosigkeit seit 18 Jahren
Von Nora Miethke
Der Frühjahrsaufschwung senkt kräftig die Zahl der Arbeitslosen – auch in Sachsen. Kurzarbeit rettete 226000 Vollzeitstellen.
Nürnberg. Im Mai wurden in ganz Deutschland wie in Sachsen so wenig Arbeitslose registriert wie in keinem Mai seit 1992 mehr – dank Frühjahrsbelebung, anziehender Konjunktur und Kurzarbeit.
Arbeitslosigkeit sinkt
Die Zahl der Arbeitslosen ging im Vergleich zum April um 165000 auf 3,242 Millionen zurück. Das teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) gestern mit. Im Vergleich zum Vorjahr beträgt der Rückgang 217000. Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,4 Prozentpunkte auf 7,7 Prozent. Trotz der guten Zahlen warnte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise vor Euphorie. „Die Wirtschaftskrise wirkt sich weniger aus als befürchtet, aber sie ist dennoch sichtbar“, erklärte er. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wertete es als positiv, dass die Nachfrage nach Beschäftigten weiter steige: „Da bewegt sich was am Arbeitsmarkt.“
Sachsen voll im Trend
In Sachsen fällt der Rückgang sogar noch etwas kräftiger aus. Im Mai waren 257578 Sachsen arbeitslos gemeldet – 14526 weniger als im April. Im Vergleich zum Vorjahr gab es 28058 Arbeitslose weniger, berichtete gestern die BA-Regionaldirektion in Chemnitz. Die Arbeitslosenquote nahm um 0,5 Punkte auf 12,1 Prozent ab. Vor einem Jahr lag sie bei 13,3 Prozent. Agentur-Geschäftsführer Ralph Burghart führt den Rückgang auf eine „leicht positive Entwicklung“ der Geschäftslage in den sächsischen Betrieben und auf die Kurzarbeit zurück. „Der Blick auf die Arbeitslosigkeit würde ganz anders ausfallen, wenn nicht die Kurzarbeiterregelung zahlreiche Entlassungen vermieden hätte“, so Burghart.
Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) betonte, es gebe in Sachsen wieder mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer. Das sei eine gute Nachricht, „denn es gibt nicht nur weniger Arbeitslose, es gibt tatsächlich mehr Jobs“, so Morlok.
Kurzarbeit hält weiter an
Die anziehende Wirtschaft bedeutet nicht das Ende der Kurzarbeit. Ende März arbeiteten in Sachsen 42091 Beschäftigte in 4953 Betrieben aus wirtschaftlichen Gründen kurz. Das waren fast 1000 Betriebe mehr als Ende 2009. Die Zahl der Kurzarbeiter stieg um mehr als 2200 an. Für den Monat Mai liegen keine genauen Zahlen vor. Den Hauptgrund für den deutlichen Anstieg sieht Burghart in der Ausweitung von Kurzarbeit im Bausektor. 67 Prozent aller Kurzarbeiter kommen in Sachsen allerdings nach wie vor aus dem verarbeitenden Gewerbe. Betroffen sind vor allem die Metallbranche, der Maschinenbau, Hersteller von elektrischen Ausrüstungen und der Fahrzeugbau.
Arbeitsausfall nimmt zu
Es gibt jedoch einige strukturelle Veränderungen. So trifft Kurzarbeit zunehmend Kleinst- und Kleinbetriebe mit weniger als 20 Beschäftigten. Der Anteil größerer Unternehmen sinkt. Auch hat sich der durchschnittliche Arbeitsausfallseit dem vergangenen Dezember von 32,2 auf 36,4 Prozent der regulären Arbeitszeit erhöht. Der Zahl der Beschäftigten, die von einem vollständigen Arbeitsausfall betroffen waren, hat sich mit 2119 mehr als verdoppelt. Zum Jahresende waren es 1013.
Weniger Neuanmeldungen
In ganz Deutschland nahmen laut BA im ersten Quartal 693000 Beschäftigte das konjunkturelle Kurzarbeitergeld in Anspruch und arbeiteten im Durchschnitt 33 Prozent weniger. Dadurch wurden umgerechnet 226000 Vollzeitstellen gerettet. Die Zahl der Neuanmeldungen hat sich nach den Angaben von BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker seit Januar kontinuierlich verringert, liege aber noch zu hoch, um von einer normalen Entwicklung am Arbeitsmarkt zu sprechen. Erfreulich sei jedoch, dass der Rückgang der Kurzarbeit offensichtlich größtenteils in eine Rückkehr zu Vollarbeit und nicht in Arbeitslosigkeit mündete.
Mehr offene Stellen
Auch die Nachfrage nach Arbeitskräften ist gestiegen. Sächsische Unternehmen meldeten insgesamt 10218 freie Stellen. Damit nahm das Angebot im Vergleich zum Mai vor einem Jahr um 36 Prozent zu. Gegenüber April wurden 1128 offene Stellen mehr gemeldet. Die meisten Stellenangebote kamen aus der Zeitarbeit, dem verarbeitenden Gewerbe und dem Handel.
Weniger Azubis auf Suche
Bis Ende Mai meldeten sich 18378 Bewerber auf einen Ausbildungsplatz bei den sächsischen Arbeitsagenturen. Das sind 17,5 Prozent weniger als vor einem Jahr. Fast die Hälfte der Bewerber hat schon einen Ausbildungsvertrag unterschrieben oder entschied sich für eine Alternative zur betrieblichen Ausbildung. In Sachsen kommen derzeit rein rechnerisch 1,3 Bewerber auf eine Lehrstelle. Im Mai 2009 lag das Verhältnis noch bei 1,6 Bewerbern pro Lehrstelle. (mit apn)
Arbeitslosigkeit sinkt
Die Zahl der Arbeitslosen ging im Vergleich zum April um 165000 auf 3,242 Millionen zurück. Das teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) gestern mit. Im Vergleich zum Vorjahr beträgt der Rückgang 217000. Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,4 Prozentpunkte auf 7,7 Prozent. Trotz der guten Zahlen warnte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise vor Euphorie. „Die Wirtschaftskrise wirkt sich weniger aus als befürchtet, aber sie ist dennoch sichtbar“, erklärte er. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wertete es als positiv, dass die Nachfrage nach Beschäftigten weiter steige: „Da bewegt sich was am Arbeitsmarkt.“
Sachsen voll im Trend
In Sachsen fällt der Rückgang sogar noch etwas kräftiger aus. Im Mai waren 257578 Sachsen arbeitslos gemeldet – 14526 weniger als im April. Im Vergleich zum Vorjahr gab es 28058 Arbeitslose weniger, berichtete gestern die BA-Regionaldirektion in Chemnitz. Die Arbeitslosenquote nahm um 0,5 Punkte auf 12,1 Prozent ab. Vor einem Jahr lag sie bei 13,3 Prozent. Agentur-Geschäftsführer Ralph Burghart führt den Rückgang auf eine „leicht positive Entwicklung“ der Geschäftslage in den sächsischen Betrieben und auf die Kurzarbeit zurück. „Der Blick auf die Arbeitslosigkeit würde ganz anders ausfallen, wenn nicht die Kurzarbeiterregelung zahlreiche Entlassungen vermieden hätte“, so Burghart.
Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) betonte, es gebe in Sachsen wieder mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer. Das sei eine gute Nachricht, „denn es gibt nicht nur weniger Arbeitslose, es gibt tatsächlich mehr Jobs“, so Morlok.
Kurzarbeit hält weiter an
Die anziehende Wirtschaft bedeutet nicht das Ende der Kurzarbeit. Ende März arbeiteten in Sachsen 42091 Beschäftigte in 4953 Betrieben aus wirtschaftlichen Gründen kurz. Das waren fast 1000 Betriebe mehr als Ende 2009. Die Zahl der Kurzarbeiter stieg um mehr als 2200 an. Für den Monat Mai liegen keine genauen Zahlen vor. Den Hauptgrund für den deutlichen Anstieg sieht Burghart in der Ausweitung von Kurzarbeit im Bausektor. 67 Prozent aller Kurzarbeiter kommen in Sachsen allerdings nach wie vor aus dem verarbeitenden Gewerbe. Betroffen sind vor allem die Metallbranche, der Maschinenbau, Hersteller von elektrischen Ausrüstungen und der Fahrzeugbau.
Arbeitsausfall nimmt zu
Es gibt jedoch einige strukturelle Veränderungen. So trifft Kurzarbeit zunehmend Kleinst- und Kleinbetriebe mit weniger als 20 Beschäftigten. Der Anteil größerer Unternehmen sinkt. Auch hat sich der durchschnittliche Arbeitsausfallseit dem vergangenen Dezember von 32,2 auf 36,4 Prozent der regulären Arbeitszeit erhöht. Der Zahl der Beschäftigten, die von einem vollständigen Arbeitsausfall betroffen waren, hat sich mit 2119 mehr als verdoppelt. Zum Jahresende waren es 1013.
Weniger Neuanmeldungen
In ganz Deutschland nahmen laut BA im ersten Quartal 693000 Beschäftigte das konjunkturelle Kurzarbeitergeld in Anspruch und arbeiteten im Durchschnitt 33 Prozent weniger. Dadurch wurden umgerechnet 226000 Vollzeitstellen gerettet. Die Zahl der Neuanmeldungen hat sich nach den Angaben von BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker seit Januar kontinuierlich verringert, liege aber noch zu hoch, um von einer normalen Entwicklung am Arbeitsmarkt zu sprechen. Erfreulich sei jedoch, dass der Rückgang der Kurzarbeit offensichtlich größtenteils in eine Rückkehr zu Vollarbeit und nicht in Arbeitslosigkeit mündete.
Mehr offene Stellen
Auch die Nachfrage nach Arbeitskräften ist gestiegen. Sächsische Unternehmen meldeten insgesamt 10218 freie Stellen. Damit nahm das Angebot im Vergleich zum Mai vor einem Jahr um 36 Prozent zu. Gegenüber April wurden 1128 offene Stellen mehr gemeldet. Die meisten Stellenangebote kamen aus der Zeitarbeit, dem verarbeitenden Gewerbe und dem Handel.
Weniger Azubis auf Suche
Bis Ende Mai meldeten sich 18378 Bewerber auf einen Ausbildungsplatz bei den sächsischen Arbeitsagenturen. Das sind 17,5 Prozent weniger als vor einem Jahr. Fast die Hälfte der Bewerber hat schon einen Ausbildungsvertrag unterschrieben oder entschied sich für eine Alternative zur betrieblichen Ausbildung. In Sachsen kommen derzeit rein rechnerisch 1,3 Bewerber auf eine Lehrstelle. Im Mai 2009 lag das Verhältnis noch bei 1,6 Bewerbern pro Lehrstelle. (mit apn)







