Sachsen
Mittwoch, 16. März 2011
Tschechen im Einkaufsrausch in Sachsen
Von Michael Heitmann
Städte wie Dresden und Chemnitz sind bei den Nachbarn aus Tschechien als Einkaufsziel beliebt. Beraten hier bald tschechische Verkäufer?
Prag. Tschechen kaufen gerne in Sachsen ein. Bis vor kurzem lockte sogar eine besondere Prämie: Wer in Deutschland einen Kasten Pilsner Bier kaufte und in Tschechien für das leere Pfandgut kassierte, machte einen Gewinn von 150 Kronen, umgerechnet immerhin etwa sechs Euro.
Manche Bierfreunde sprachen schon von einem „Perpetuum mobile“, doch der „Pilsner Urquell“-Brauerei wurde das Treiben zu bunt. „Wir haben auf dem deutschen und österreichischen Markt neue Bierkästen eingeführt, die sich im Design von den tschechischen unterscheiden“, sagt Brauerei-Sprecher Jiri Marecek der Nachrichtenagentur dpa.
Mit dem Pfand-Gewinn ist nun Schluss, das berühmte böhmische Bier selbst ist aber in Sachsen immer noch günstiger. „Die Biersteuer ist in Deutschland niedriger“, sagt Marecek. Sie wurde in Tschechien zuletzt vor einem Jahr um stolze 33 Prozent erhöht. Letztlich entscheidend für den Preisvorteil sei aber die starke tschechische Krone, die den Einkauf im Nachbarland lohnend mache.
Prager bei Ikea
Das meint auch die 33-jährige Jana aus Prag, die gern mit ihren Freundinnen bei Ikea in Dresden nach Accessoires für ihre Wohnung sucht. Die skandinavische Möbelkette gibt es zwar auch in Tschechien, aber in Deutschland sei der Einkauf billiger. „Es gibt dort auch eine größere Auswahl an Produkten“, sagt die Psychologin. „Besonders samstags kaufen viele Menschen aus Prag bei uns ein“, berichtet Wolfgang Wirz, Filialleiter von Karstadt in Dresden. Tendenz steigend. Viele Tschechen sprächen Deutsch oder Englisch, so dass so gut wie keine Sprachbarriere zu überwinden sei, meint Wirz.
Darüber freut sich auch Lars Fiehler von der Handelskammer Dresden. „Ich habe gerade letzte Woche selbst miterlebt, wie sich ein junges tschechisches Pärchen von einer ebenso jungen Verkäuferin alle Details eines recht teuren Kaffeevollautomaten in wirklich gutem Englisch hat erklären lassen“, sagt Fiehler. Bei älteren Tschechen reichen die Englischkenntnisse nicht immer. Einige Händler wollen deshalb tschechische Muttersprachler als Verkäufer einstellen, wie die Handelskammer Dresden berichtet. Das geht leichter ab dem Stichtag 1. Mai, wenn der deutsche Arbeitsmarkt für die Nachbarn geöffnet wird. „Das würde sicher ein deutliches Plus in Sachen Kundenorientierung bedeuten“, sagt Fiehler.
Zehn Prozent des Umsatzes
Wer mit einem konkreten Wunschzettel in die Elbmetropole fährt, informiert sich meist zuvor im Internet. „Erfahrungsgemäß schauen sich viele der tschechischen Kunden schon vor dem Besuch im Online-Shop um“, sagt Michael Bärisch von Globetrotter in Dresden. Besonders an Samstagen tummelten sich in der Filiale des Outdoor-Spezialisten immer mehr Tschechen.
Wie viele von ihnen nicht nur zumSchaufensterbummel kommen, sondern auch zugreifen, ist schwer zu beziffern. Aus der Branche höre man immer wieder, dass Tschechen bereits für rund 10 Prozent des Umsatzes verantwortlich seien, sagt Handelskammer-Sprecher Fiehler. Und beliebt ist vor allem die etwas teurere Markenware.
Mit Bekleidung, Kosmetik und Elektroartikeln im Gepäck geht es zurück nachTschechien - und natürlich mit Bier. Die Einkaufstouristen fahren einer IHK-Studie aus dem Vorjahr zufolge im Schnitt 69 Kilometer, bevor nach dem Einkaufsrausch inDeutschland zuhause das günstige Pilsner zischt und es „Na zdravi!“ heißt - „Zum Wohl!“. (dpa)
Manche Bierfreunde sprachen schon von einem „Perpetuum mobile“, doch der „Pilsner Urquell“-Brauerei wurde das Treiben zu bunt. „Wir haben auf dem deutschen und österreichischen Markt neue Bierkästen eingeführt, die sich im Design von den tschechischen unterscheiden“, sagt Brauerei-Sprecher Jiri Marecek der Nachrichtenagentur dpa.
Mit dem Pfand-Gewinn ist nun Schluss, das berühmte böhmische Bier selbst ist aber in Sachsen immer noch günstiger. „Die Biersteuer ist in Deutschland niedriger“, sagt Marecek. Sie wurde in Tschechien zuletzt vor einem Jahr um stolze 33 Prozent erhöht. Letztlich entscheidend für den Preisvorteil sei aber die starke tschechische Krone, die den Einkauf im Nachbarland lohnend mache.
Prager bei Ikea
Das meint auch die 33-jährige Jana aus Prag, die gern mit ihren Freundinnen bei Ikea in Dresden nach Accessoires für ihre Wohnung sucht. Die skandinavische Möbelkette gibt es zwar auch in Tschechien, aber in Deutschland sei der Einkauf billiger. „Es gibt dort auch eine größere Auswahl an Produkten“, sagt die Psychologin. „Besonders samstags kaufen viele Menschen aus Prag bei uns ein“, berichtet Wolfgang Wirz, Filialleiter von Karstadt in Dresden. Tendenz steigend. Viele Tschechen sprächen Deutsch oder Englisch, so dass so gut wie keine Sprachbarriere zu überwinden sei, meint Wirz.
Darüber freut sich auch Lars Fiehler von der Handelskammer Dresden. „Ich habe gerade letzte Woche selbst miterlebt, wie sich ein junges tschechisches Pärchen von einer ebenso jungen Verkäuferin alle Details eines recht teuren Kaffeevollautomaten in wirklich gutem Englisch hat erklären lassen“, sagt Fiehler. Bei älteren Tschechen reichen die Englischkenntnisse nicht immer. Einige Händler wollen deshalb tschechische Muttersprachler als Verkäufer einstellen, wie die Handelskammer Dresden berichtet. Das geht leichter ab dem Stichtag 1. Mai, wenn der deutsche Arbeitsmarkt für die Nachbarn geöffnet wird. „Das würde sicher ein deutliches Plus in Sachen Kundenorientierung bedeuten“, sagt Fiehler.
Zehn Prozent des Umsatzes
Wer mit einem konkreten Wunschzettel in die Elbmetropole fährt, informiert sich meist zuvor im Internet. „Erfahrungsgemäß schauen sich viele der tschechischen Kunden schon vor dem Besuch im Online-Shop um“, sagt Michael Bärisch von Globetrotter in Dresden. Besonders an Samstagen tummelten sich in der Filiale des Outdoor-Spezialisten immer mehr Tschechen.
Wie viele von ihnen nicht nur zumSchaufensterbummel kommen, sondern auch zugreifen, ist schwer zu beziffern. Aus der Branche höre man immer wieder, dass Tschechen bereits für rund 10 Prozent des Umsatzes verantwortlich seien, sagt Handelskammer-Sprecher Fiehler. Und beliebt ist vor allem die etwas teurere Markenware.
Mit Bekleidung, Kosmetik und Elektroartikeln im Gepäck geht es zurück nachTschechien - und natürlich mit Bier. Die Einkaufstouristen fahren einer IHK-Studie aus dem Vorjahr zufolge im Schnitt 69 Kilometer, bevor nach dem Einkaufsrausch inDeutschland zuhause das günstige Pilsner zischt und es „Na zdravi!“ heißt - „Zum Wohl!“. (dpa)








