sz-online.de | Sachsen im Netz
Sachsen
Mittwoch, 2. Juni 2010

Schwanger mit staatlicher Hilfe - Sachsen Modell für Bund

Von Simona Block

Paare mit unerfülltem Kinderwunsch in Sachsen erhalten seit März 2009 staatliche Unterstützung bei künstlichen Befruchtungen. Bisher wurden auf diese Weise 112 Babies geboren, die ohne Steuergeld noch nicht auf der Welt wären. Der Freistaat will nun erreichen, dass die sogenannte assistierte Reproduktion vom Bund finanziert wird.

Bild vergrößern

Schwanger mit staatlicher Hilfe - bislang wurden 112 „Förderbabys“ geboren. Foto: dpa

Dresden. Janos schaut mit blauen Augen neugierig in die klickenden Kameras. Der sechs Monate alte Wonneproppen ist der ganze Stolz seiner Eltern - und eines der ersten „Förderbabies“ des Freistaates. „Ohne Förderung hätten wir ihn jetzt noch nicht“, sagte Mutter Franziska Witzke aus Reichenberg (Landkreis Meißen) am Mittwoch in der Praxis des Dresdner Reproduktionsmediziners Hans- Jürgen Held. Für Sozialministerin Christine Clauß (CDU) steht der süße Blondschopf für den Erfolg des „sächsischen Weges“, jungen Paaren finanziell bei der Erfüllung des Kinderwunsches zu helfen.

Dabei werden bei der zweiten und dritten Behandlung eine Pauschale von bis zu 900 Euro pro Versuch, für die vierte ein Zuschuss von 1600 bis 1800 Euro gezahlt. Die potenziellen Eltern müssen verheiratet sein und mindestens ein Jahr im Land leben, die Frau darf nicht älter als 40 Jahre, der Mann nicht älter als 50 Jahre sein. Das bundesweit einzigartige Programm hatte der Landtag Ende 2008 beschlossen. 2009 wurden mit rund 500 000 Euro insgesamt 552 Behandlungen unterstützt, 2010 stehen 770 000 Euro bereit, sagte Clauß. Trotz Sparkurs soll an dem Modell „auf alle Fälle“ festgehalten werden.

Bislang 112 „Förderbabys“ geboren

„Bisher wurden 112 Babies geboren, 41 Schwangerschaften bestehen noch“, sagte die Ministerin. Die Zahl der Behandlungen sei um rund 30 Prozent gegenüber 2008 gestiegen. Clauß will sich nun bundesweit für eine solche Regelung stark machen und kommende Woche zur Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten in Dresden einen entsprechenden Antrag stellen. „Damit soll die Kinderwunschbehandlung für Frauen in ganz Deutschland möglich werden - unabhängig von Einkommen und sozialem Status.“ Interesse gebe es bereits aus Ländern wie Thüringen oder Sachsen-Anhalt.

„Wir werden auch von anderen Bundesländern wie Bayern und Baden- Württemberg beneidet“, sagte Dr. Held. Mit der Gesundheitsreform war 2004 die Finanzierung der künstlichen Befruchtung geändert worden. Seitdem tragen Krankenkassen nur noch bei drei Versuchen die Hälfte der Kosten, die jeweils zwischen 3000 und 4000 Euro liegen. Vorher zahlten die Kassen vier Behandlungen komplett. Durch die Zuzahlung seien die künstlichen Befruchtungen im Osten um die Hälfte, im Westen um 40 Prozent gesunken. „Durch den Rückgang der Reproduktion wurden 10 000 Kinder weniger in Deutschland geboren“, sagte Held.

Auch Franziska und Heiko Witzke haben eisern für den Nachwuchs gespart. „Wir haben Urlaube und so zurückgefahren“, sagte die 27- Jährige. Die Kinderkrankenschwester und der Technische Assistent (31) berappten 8000 bis 9000 Euro für Fehlversuche und teure Medikamente. Die Schmerzgrenze sei erreicht, die emotionale Belastung sehr hoch gewesen. „Da erlebt man auch als Paar Höhen und Tiefen.“ Die Hilfe des Landes habe sie bestärkt. Nach zweieinhalb schwierigen Jahren, im vierten Anlauf sei dann die „frohe Botschaft“ gekommen, dass es endlich geklappt habe. „Man kann das nicht in Worte fassen, wenn man so einen langen Weg gegangen ist.“ Janos soll nun auf alle Fälle noch ein Geschwisterchen bekommen. (dpa)



Gesamte Ausgabe Druckvorschau Artikel empfehlen Feedback


Link senden an Facebook Link senden an Twitter Link senden an Google+ Link senden an StudiVZ Link senden an Mr. Wong Link senden an MySpace Link senden an del.icio.us bodytext Link senden an Folkd Link senden an Google Bookmarks Link senden an Live-MSN Link senden an YahooMyWeb Link senden an Linkarena Link senden an NewsVine Link senden an Reddit Link senden an StumbleUpon ...mehr



sz-online-Partnersites

Weitere Online-Angebote der Bertelsmann AG | Weitere Online-Angebote der DD+V-Mediengruppe